Hautneutrale Rollenwahl

ARD-Film "Meine Mutter tanzend": - Dennenesch Zoudé hat schon viel von der Welt gesehen. Im Jahr 1966 in Addis Abeba geboren, wuchs sie in Deutschland auf und ging in New York zur Schauspielschule. Neben zahlreichen TV-Rollen, etwa in der Krimireihe "Polizeiruf 110", trat sie auch in der amerikanischen Produktion "Equilibrium" mit Christian Bale und Emily Watson auf.

In dem Fernsehfilm "Meine Mutter tanzend" spielt Dennenesch Zoudé Stella Ahrens, eine erfolgreiche Logopädin, die sich kurz vor der eigenen Hochzeit auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter macht. Die sitzt im Supermarkt an der Kasse, raucht Kette, ist gerade dabei, die Freundin ihres Sohns zu vergraulen - und von weißer Hautfarbe.

Stella ist eine erfolgreiche Frau, die mitten im Leben steht. Trotzdem hat sie eine Leerstelle auszufüllen. Kennen Sie diese Zerrissenheit aus eigener Erfahrung?

Dennenesch Zoudé: Stella ist adoptiert worden, und kurz bevor sie ihre eigene Familie gründet, stellt sie sich die Frage nach ihrer Identität. Ich kenne meine Eltern zwar, habe mich aber auch oft gefragt, was es mit meinen afrikanischen Wurzeln auf sich hat. Einen guten Freund habe ich sogar nach Afrika begleitet, wo er seinen Vater suchte. Das war eine sehr spannende Reise, es ist für mich also durchaus ein gelebtes Thema.

Die Hautfarbe spielt in der Handlung eher eine untergeordnete Rolle.

Zoudé: Es geht wirklich tiefer. Zwei Menschen begegnen sich, dasselbe Blut fließt in ihren Adern und sie müssen eigentlich beide zu ihrem wahren Kern finden. Das Interessante ist, dass wir die Klischees einmal umgedreht haben. Die Mutter steht am Rande der Gesellschaft, was eher dem Stereotyp für schwarze Figuren entspricht, während Stella sozusagen mit allen deutschen Tugenden ausgestattet ist - sie bringt den Deutschen ja sogar noch die Sprache bei.

Stellas gesellschaftliche Position wird im Film ganz selbstverständlich dargestellt. Hat diese behauptete Normalität nicht auch etwas Verlogenes?

Zoudé: Finde ich überhaupt nicht. Ich kenne viele afrodeutsche Ärzte, Rechtsanwälte, Menschen aus allen Berufsgruppen, die die hiesige Kultur deutlicher leben als manch anderer.

Welche Bedeutung hatte für Sie die Arbeit an dem Film "Equilibrium"?

Zoudé: Das war eine großartige Erfahrung, es herrschte eine unglaubliche Disziplin am Set. Eine Szene mussten wir bestimmt 15, 20 Mal wiederholen, und ich hatte plötzlich einen Hänger. Das wurde zwar sehr professionell aufgefangen, aber ich empfand es auch irgendwie als kalt. Ich habe mich entschuldigt, und es wurde nur mit dem Kopf genickt.

Ist das ein prinzipieller Unterschied zur Arbeit in Deutschland?

Zoudé: Nein, das ist von Produktion zu Produktion unterschiedlich und hängt nicht nur vom Team, sondern natürlich auch vom Thema ab. Meine Rolle in "Meine Mutter tanzend" ist sehr ernsthaft, voller Drama und Leiden, und ich war auch am Set in einer anderen Stimmung als sonst.

Im US-Kino wird immer wieder geklagt, dass dunkelhäutige Darsteller meist nur solche Rollen bekommen, die auch explizit für dunkelhäutige Figuren geschrieben sind. Wie verhält sich das hierzulande?

Zoudé: Bei mir persönlich ist das häufig nicht der Fall. Am liebsten möchte ich hautneutral betrachtet werden, so wie es ph-neutral gibt. Ich sehe mich als Mensch, Schauspielerin ist mein Beruf. Punkt. Wenn man meine Herkunft thematisieren möchte, äußere ich mich gerne dazu, aber das hängt auch davon ab, wie sehr es mich zur Zeit gerade selbst beschäftigt.

Das Gespräch führte Tim Slagman.

ARD, morgen, um 20.15 Uhr

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