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Ilustre Gäste: Neben Diana Damrau begrüßt Gastgeber Götz Alsmann (Foto) morgen um 22.30 Uhr im Zweiten auch Annett Louisan , Thomas Quasthoff und die „Ten Tenors“.

Haydn im Unterhaltungsfernsehen

Götz Alsmanns Nachtmusik im ZDF und der schwierige Spagat zwischen Schlagerstar und Sinfonieorchester

Er ist ein kluger Possenreißer, der Unterhaltung und Anspruch wie kaum sonst jemand zu verbinden weiß. Seit dreieinhalb Jahren präsentiert Götz Alsmann im ZDF seine Musikshow „Götz Alsmanns Nachtmusik“, in der er – ohne mit der Wimper zu zucken – Joseph Haydn und die Schnulze „Wenn bei Capri die rote Sonne...“ aufeinander folgen lässt und zwischendurch witzig Wissenswertes zum Besten gibt. Ein Mix, mit dem Alsmann auch Leute ansprechen will, die sonst meist nur Dudelfunk hören, mit dem er werben will „für einen bewussten Musikkonsum jenseits der Berieselung, für eine musikalische Vielfalt von Schlager bis Klassik“.

In der neuen Ausgabe von „Götz Alsmanns Nachtmusik“ morgen um 22.30 Uhr im ZDF singt unter anderem Bariton Thomas Quasthoff eine Arie von Haydn, die „Ten Tenors“ schmettern „Granada“, und der Moderator stimmt mit „Frosty, der Schneemann“ auf die Adventszeit ein. Auch so gegensätzliche Künstlerinnen wie Liedermacherin Annett Louisan und Sopranistin Diana Damrau sind mit von der Partie.

Rümpfen Puristen bei diesem Potpourri nicht die Nase? „Wenn wir es nicht so machen würden, würde es im Unterhaltungsfernsehen gar keinen Haydn geben“, sagt Alsmann: „Wir machen ja nur ein künstlerisches Angebot. Wem das zu wenig ist, der wird anderswo besser bedient. Wer komplette Opern oder Konzerte sehen will, ist bei Arte und 3sat bestens aufgehoben.“

Die von Marcel Reich-Ranickis Wutrede bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises ausgelöste Debatte um das Niveau des Programms hat das Multitalent, bekannt geworden vor allem durch die schräge Talkshow „Zimmer frei“ im WDR-Fernsehen, aufmerksam verfolgt. Natürlich würde auch er sich bei den großen Sendern mehr kulturelle Vielfalt wünschen: „Ich finde es bedauerlich, dass eine Sendung wie die ,Nachtmusik‘ so ein Solitär ist. Man würde sich mehr Konkurrenz auf dem Gebiet wünschen“, sagt der 51-Jährige. Natürlich fände er es auch schön, wenn die Sendung zu einer früheren Uhrzeit und häufiger laufen würde: „Aber ich bin froh, dass wir so eine Sendung überhaupt machen dürfen, denn sobald ein Sinfonieorchester nur zu sehen ist, verabschiedet sich ein Teil der Zuschauer sofort. Deshalb habe ich Verständnis für den späten Sendeplatz.“

Alsmanns Show hat durchschnittlich etwa eine Million Zuschauer, „Deutschland sucht den Superstar“ bei RTL sehen dagegen bis zu acht Millionen. Für die Kritik des Publikums am Programm hat Alsmann denn auch nur bedingt Verständnis: „Fernsehen ist doch ein relativ zuverlässiger Seismograf des Publikumsgeschmacks. Die Leute können zwar darüber schimpfen, was auf den Privatsendern läuft, aber wenn es keiner schauen würde, würde es auch nicht gesendet. Wenn die Zuschauer wirklich den ganzen Abend Opern im großen Stil sehen wollten, dann würde RTL nichts anderes senden.“

Von Cornelia Wystrichowski

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