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Der kranke Papst Innozenz VIII. saugt an der Brust einer Frau. Diese Szene wirkt nicht nur sehr realistisch – Schauspieler Udo Kier musste beim Dreh echte Muttermilch trinken

Heftiger ZDF-Sechsteiler: Papst nuckelt an Brust

Mainz - Das ZDF zeigt ab Montag die Historie der Borgias. Die Zuschauer sollten sich allerdings nicht auf eine harmlose Geschichtsstunde einstellen. Wir zeigen, wie heftig es wird.

Nackte Haut en masse: Giulia Farnese (Marta Gastini) könnte locker Rodrigos Tochter sein – ist ist seine Geliebte. Diese Sexszene ist eine von vielen in der historischen Serie

Es ist eine Geschichte um Macht, Sex und Gewalt im Mittelalter: Das ZDF zeigt ab Montag die Geschichte der Borgias. Die Adelsfamilie zählte im 15. und 16. Jahrhundert zu den mächtigsten Familien der Welt, zwei Päpste stammten aus dem Clan. Doch die Borgias waren alles andere als heilig. Rodrigo, der spätere Papst Alexander VI. (1492 – 1503), kannte keine Gnade. Güte bekam nur die eigene Familie zu spüren. Liebe schenkte er vor allem seinen Mätressen. Über 500 Jahre später ranken sich immer noch Mythen und Märchen um die Sippe. Mit der Mischung aus Fakten und einem Schuss Fantasie will das ZDF einen Quotenhit landen. Die Zuschauer sollten sich bei Borgia allerdings nicht auf eine harmlose Geschichtsstunde einstellen.

25 Millionen Euro steckten die Macher (darunter ZDF, ORF und Canal +) in das Filmprojekt. Damit zählt der Sechsteiler zu den teuersten europäischen Produktionen. Und sicher auch zu den längsten: Jede Folge dauert 100 Minuten. 300 Bücher besorgte sich Tom Fontana über die Borgias, bevor er sich ans Drehbuch machte. Die größte Hürde: „Es ist schwer, Mythos und Fakten zu unterscheiden.“

Teil eins dreht sich um die Wochen vor dem Tod des kranken Papst Innozenz VIII. (Udo Kier). Noch als Vizekanzler leitet Rodrigo Borgia (Jeremy Irons) alles in die Wege, um später auf den Thron Petri zu steigen. Dazu setzt er sogar seine (unehelichen) Kinder ein: Die Söhne Cesare und Juan müssen die Gegner ausschalten. Meistens mit Gewalt.

Entsprechend heftig sind die Bilder: Es wird gemordet und geschlagen, ständig fließt Blut – dabei läuft Borgia im Abendprogramm. Nicht nur bei den Prügelszenen dürften sich Zartbesaitete schwer tun. Es wird nichts beschönigt: Die Zuschauer sehen Papst Innozenz VIII., wie er im Krankenbett an einer Frauenbrust nuckelt, die Muttermilch sollte ihn stärken. Eine Heilerin reibt Fieberkranke von oben bis unten mit Schweinemist ein, dazwischen findet sich immer wieder Zeit für ein Schäferstündchen. Borgia schwankt immer zwischen Gewalt und Liebe, aber selbst die wirkt meist brutal. Dabei ist die TV-Version laut ZDF bereits „leicht entschärft“. Die DVDs, die bald in die Läden kommen, sind erst ab 18. Doch die Fernsehserie reicht aus, um klarzumachen: Mit einem Borgia sollte sich keiner anlegen.

Eva Hutter

Nichts für schwache Nerven

Bei der europäischen Koproduktion "Borgia" wirkten Schauspieler aus 18 Nationen mit, auch „Tatort“-Kommissarin Andrea Sawatzki: Die 48-Jährige spielt Adriana de Mila, die Haushälterin von Kardinal Rodrigo Borgia (John Doman) – ihr obliegt die Betreuung seiner illegitimen Tochter Lucrezia Borgia, gespielt von Isolda Dychauk. Die Schauspielerin spricht im Merkur-Interview über ihre Rolle und was sie bei Borgia am meisten schockiert hat.

Hätten Sie gerne im 15. Jahrhundert gelebt?

Nein. Man konnte doch damals nie genau wissen, ob nicht an der nächsten Ecke ein Feind lauerte, der einem an die Gurgel wollte. Dazu kam die schlechte Stellung der Frau.

Haben Sie sich als vornehme Adriana gefallen, in den prächtigen Roben und vor allem mit dieser kunstvollen Frisur?

Von der Seite fand ich die Frisur nicht wahnsinnig attraktiv, der flache Hinterkopf entspricht ja nicht unbedingt dem heutigen Schönheitsideal. Wenn ich in den Spiegel guckte, sah ich Adriana vor mir: blass, freudlos und streng in ihrem religiösen Fanatismus. Das hat mir das Spiel erleichtert.

Es gibt derbe Szenen mit Sex und Gewalt.

Was mich schockiert hat, ist die Szene, in der mehrere kleine Knaben ihr Blut geben müssen, damit der sterbende Papst als Medizin davon trinken kann. Das war früher so, und wenn man es nicht so radikal zeigt, muss man so ein Projekt nicht machen. Ich finde das sehr mutig.

War es schwierig, sich in eine Frau hineinzudenken, die in dieser Zeit vor rund 500 Jahren lebte?

Letztlich war es gar nicht so schwer: Die Wünsche der Leute von damals sind einem an sich nicht fremd. Triebhaftigkeit, verbotenes Verlangen, das Machstreben um jeden Preis: Das quält viele Menschen auch heute noch. Nur gehen wir mittlerweile natürlich anders miteinander um.

Der Mensch der Renaissance war gar nicht anders als ein Vertreter der Generation Facebook?

Die Geschichte der Borgia ist sehr heutig, genau das hat mich überwältigt. Die wollten auf Biegen und Brechen weiterkommen, möglichst viel Erfolg haben – das hat mich durchaus an heute erinnert. Ich fand es sehr lehrreich, das alles mit unserer Gegenwart zu vergleichen. Heutzutage geht man zwar nur noch bildlich gesprochen über Leichen, aber gerade die Käuflichkeit vieler Menschen damals habe ich als einen Spiegel der Jetztzeit aufgefasst.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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