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O heilige Einfalt!

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Von: Rudolf Ogiermann

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Ermitteln ím Kloster: Leitmayr (Udo Wachtveitl, li.) und Batic (Miroslav Nemec).
Ermitteln ím Kloster: Leitmayr (Udo Wachtveitl, li.) und Batic (Miroslav Nemec). © Foto: Hendrik Heiden/BR

Ein Mord im Kloster - das hätte ein Thriller à la „Der Name der Rose werden“ können, doch der jüngste “Tatort“ des BR mit Miro Nemec und Udo Wachtveitl und dem Titel „Wunder gibt es immer wieder“ entwickelt keine Spannung. Eine Kritik.

Singen, Kochen, Kräuter pflücken – und auf freundliche Fragen der Kriminaler unchristlich schroff antworten. Nicht nur, weil das hier ein „Tatort“ (ARD) ist, kann kein Zweifel daran bestehen, dass diese Nonnen etwas zu verbergen haben. Im lieblichen Chiemgau, hinter bröckelnden Klostermauern, haben die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr (Miro Nemec und Udo Wachtveitl wie immer souverän) diesmal einen Mord aufzuklären. Doch wer auf einen raffinierten, verrätselten, mystischen Thriller à la „Der Name der Rose“ gehofft hatte, muss jetzt enttäuscht sein.

Trotz pompös-sakralem Klangteppich und nächtlichen Kamerafahrten durch dunkle Gänge, vorbei an gespenstisch wirkenden Heiligenfiguren, entwickelt „Wunder gibt es immer wieder“ keine Spannung. Da helfen auch Batics Albtraumsequenzen nichts. Zu konstruiert wirkt diese Story um verbotene Liebe hinter Klostermauern, ein uneheliches Kind, das versteckt werden muss, und einen erpresserischen Wirtschaftsprüfer, der mit Gift ins Jenseits befördert wird.

Dass viele Klöster vor der Pleite stehen, ist, zumindest aus kirchlicher Sicht, ein ernstes Thema, im Drehbuch von Alex Buresch und Matthias Pracht wird der Existenzkampf der nicht sehr glorreichen Sieben zur schrägen Schnurre verniedlicht – einschließlich falschem Blutwunder und Börsenspekulation. Entsprechend bieder ist die Dramaturgie, Regisseurin Maris Pfeiffer reiht die immer gleichen Dialogszenen zwischen den Rosenheim Cops auf Zeit und nicht sehr gesprächigen Ordensfrauen aneinander, geradezu albern, wie Möchtegern-Mafiosi, wirken die beiden obskuren Gesandten des Vatikan.

Vor so viel heiliger Einfalt müssen auch die Schauspielerinnen kapitulieren, Corinna Harfouch, Ulrike Willenbacher und Christiane Blumhoff können viel mehr, als sie hier zeigen dürfen. Wunder mag es immer wieder geben – dieser Krimi ist mit Sicherheit keines.

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