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Helmut Thoma schaut immer mal wieder Gute Zeiten, schlechte Zeiten".

Helmut Thoma: "RTL braucht kein Trüffelschwein"

München - Helmut Thoma war der erste Programmdirektor von RTL. Wäre er heute noch Senderchef, dann würde er das Dschungelcamp machen - auch der Queen zuliebe. 

Helmut Thoma, 1939 in Wien geboren, war 1984 der erste Programmdirektor von RTL. Bis zu seinem Rückzug aus der Geschäftsführung 1998 prägte er den Privatsender. Formate wie „Explosiv“, „Der heiße Stuhl“, „Der Preis ist heiß“, „Anpfiff“ oder „Hinter Gittern“ gingen auf Sendung, als Thoma „Mr. RTL“ war. Bis heute dominiert der Kölner Sender – zum Teil mit umstrittenen Formaten wie dem „Dschungelcamp“ – die Zuschauergunst. Wir sprachen mit Thoma über das Geheimnis von RTL und TV-Trends.

Was ist Ihre Lieblingssendung im Fernsehen?

Ich schaue sehr viel Nachrichten. Für meine Altersgruppe wäre die „Tagesschau“ Pflicht, aber das ist bei mir nicht der Fall. Die „Tagesschau“ ist eher ein Ritual. Die Jüngeren, in der berühmten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, schauen mehr „RTL aktuell“. Darüber bin ich sehr froh, denn ich hatte darauf hingearbeitet, dass das passieren wird.

Schauen Sie RTL?

Ja und nein. Ich habe privat immer eher weniger ferngesehen, weil ich im Büro so viel schauen musste. Heute fehlt mir oft die Zeit.

Welche RTL-Sendung haben Sie zuletzt gesehen ?

Ich schaue immer mal wieder bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ rein. Nicht, weil es meine Lieblingssendung ist, sondern weil ich wissen will, wo heute der Standard von Daily Soaps ist.

RTL dominiert mit Sendungen wie „Wer wird Millionär?“, „Rach, der Restauranttester“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ oder „DSDS“ bei den Zuschauern. Was ist das Erfolgsrezept?

Das ist relativ einfach: Zunächst hat RTL eine sehr stabile Struktur. Der Vorabend etwa ist bereits gut zwanzig Jahre alt – auch mittags laufen Sendungen wie das „Mittagsmagazin“, die nach den Regeln des Privatfernsehens uralt sind. Das alles stabilisiert den Hauptabend. Aber entscheidend ist, dass die anderen Sender keine Gegenwehr leisten. RTL ist faktisch allein. In den Neunzigern gab es noch Konkurrenz durch Sat.1, aber die sind eigentlich seit zehn Jahren nicht mehr richtig vorhanden. Seit Leo Kirch in Schwierigkeiten kam, hat dieser Sender kein wesentlich neues Programm mehr gebracht. „Wer wird Millionär“ oder das „Dschungelcamp“ hätten doch die anderen auch kaufen können, wenn es ihnen nicht zu teuer gewesen wäre. Das sind keine Sendungen, die RTL exklusiv entwickelt hat!

Kann die RTL-Dominanz gefährlich werden für die Fernsehlandschaft?

Klar! Das entspricht doch nicht dem, was das Bundesverfassungsgericht in seinen Fernseh-Urteilen an Grundsätzen verkündet hat. In Wahrheit haben wir heute zwei Oligopole: eines bei Zuschauern über 50 Jahren – das sind die öffentlich-rechtlichen Sender. Und eines bei den Zuschauern unter 50 Jahren, die für die Werbung interessant sind, das sind die privaten. Bei den Zuschauern unter 50 Jahren finden die öffentlich-rechtlichen Sender praktisch nicht mehr statt.

Kann man sagen, dass andere Sender, wenn sie RTL etwas entgegensetzen, es mit Plagiaten von RTL-Formaten versuchen?

Ja, klar. Die sind nicht in der Lage, international einzukaufen – offenbar weil sie das Geld nicht haben. Außerdem werden schwere Fehler in der Programmierung gemacht – für Fachleute eine Katastrophe. Aber das scheint die Verantwortlichen nicht zu stören! Die schauen begeistert zu.

Welche Fehler?

Das würde im Detail zu weit führen. Aber ich habe den Eindruck, dass bei den anderen Sendern Leute das Sagen haben, die vom TV-Geschäft keine Ahnung haben. Haim Saban hat bei Sat.1 mit „Verliebt in Berlin“ wenigstens etwas Neues versucht. Da hat man gesehen, wie angreifbar „GZSZ“ ist. Es klingt blöd, aber die Serie ist 19 Jahre alt, die ist am Ende ihres Lebens. Die lebt nur, weil die anderen nichts dagegen setzen.

Wie entdeckt man international Sendungen, die auch in Deutschland funktionieren?

RTL braucht kein Trüffelschwein. Die anderen wollen ja gar nichts kaufen. Das Beste wäre natürlich, jeder Sender entwickelt selbst Formate. Das macht RTL auch nicht mehr. Die Serien, die früher die Stärken von RTL waren, gibt es kaum noch. „Alarm für Cobra 11“ haben wir 1996 gestartet. Das ist uralt – läuft aber nach wie vor. Sonst gibt es nichts Dramatisches mehr. „Wer wird Millionär?“ habe ich eingekauft – die anderen haben nie versucht, ein besseres Angebot zu machen.

Sie kennen den deutschen und den internationalen TV-Markt. Welcher Trend zeichnet sich ab?

Es wird wohl eine Rückkehr zu Erzählggeschichten kommen. Diese ganzen Doku Soaps langweilen die Zuschauer irgendwann. Und die Zukunft von „DSDS“ hängt davon ab, wie lange es Dieter Bohlen gibt. Dieses Format hat ja nichts mit den Kandidaten zu tun. Bohlen ist der Superstar.

Wenn Sie heute Senderchef wären – würden Sie das „Dschungelcamp“ machen?

Selbstverständlich! Das ist das Format einer britischen Produktionsfirma, die in Australien einen ständigen Spielplatz eingerichtet hat. Das ist wunderbar absichert. Da kommt keine Schlange rein, die sich nicht ausweisen kann. Da dreht ein Sender nach dem anderen. Das ist ein lustiges Format – warum soll man das nicht machen? Die Einzigen, die da so verklemmt sind, sind die Deutschen. In England hat die Queen gesagt, das sei ihre Lieblingssendung. Unser lieber Herr Bundespräsident würde sich die Zunge abbeißen, bevor er das zugeben würde.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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