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„Da fühlt man sich wieder rein in diese Mentalität, das Behäbige, das ,Herrgottsakra‘“: Herbert Knaup, der Darsteller des Allgäuer Kommissars Kluftinger, stammt selbst aus Sonthofen. Wenn es nach ihm ginge, würde die Kluftinger-Reihe im Bayerischen Fernsehen fortgesetzt.

Heimatkrimi im Bayerischen Fernsehen

Herbert Knaup: Der Kässpatzn-Columbo

Der gemütliche Allgäuer Kommissar Kluftinger, der gern Kässpatzn isst, mit ausgebeulten Cordhosen und Joppe herumläuft und beim Anblick einer Leiche regelmäßig Übelkeit verspürt, hat längst eine riesige Fangemeinde.

Jetzt erobert die Romanfigur, die die schwäbischen Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr erfunden haben, auch den Bildschirm. Für die Reihe „Heimatkrimi“ des Bayerischen Fernsehens hat Rainer Kaufmann den Roman „Erntedank“ verfilmt (Samstag, 26. September, 20.15 Uhr).

Die Rolle des kauzigen Kommissars übernimmt dabei Herbert Knaup – ein Schauspieler, den man bisher eher als kühlen Banker („Lola rennt“), smarten Politiker („Kanzleramt“) oder schneidigen Offizier („Mogadischu“) kannte. „Ich selbst habe mir den Kluftinger auch ganz anders vorgestellt – eher klein und dick“, erzählt Knaup und lacht: „Als ich den ersten Kluftinger-Roman gelesen habe, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, den einmal selbst zu spielen.“

Dabei ist Knaup selbst ein echter Allgäuer, im Jahr 1956 in Sonthofen geboren und dort auch aufgewachsen. „Als Rainer Kaufmann anrief und mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, Klufti zu sein, hab ich mir aus Jux so eine Joppe und eine Cordhose angezogen und bin zum Casting gegangen. Und als die dann meinen Dialekt gehört haben, haben sie begeistert gerufen: ,Du passt ja wie hingespuckt!‘“

Zwölf Kilo hat sich der Schauspieler – „zum Schrecken meiner Frau!“ – dann angefuttert und sich langsam wieder hineinversetzt in die Welt seiner Kindheit. „Da kamen Erinnerungen hoch an das, was man damals erlebt hat, da fühlt man sich wieder rein in diese Mentalität, das Behäbige, das ,Herrgottsakra!‘, es fallen einem Charaktere ein, die man gekannt hat und die man miteinbaut“, schwärmt Knaup und verfällt ab und zu tatsächlich ins Allgäuerische: „Bisher war bei mir der Dialekt nie so präsent. Aber wenn man da so was anpiekst, dann kommt plötzlich etwas Urtümliches in einem selbst zum Vorschein. Man fühlt sich wohl, weil man in seiner Muttersprache spielen kann. Und ich glaube, dass das auch der Zuschauer spürt.“

Fast liebevoll schildert der mittlerweile in Berlin lebende Knaup sein eigentümliches Alter Ego, das ihm mehr ans Herz gewachsen zu sein scheint als viele andere Rollen: „Der Kluftinger, der ist schon etwas Besonderes. Der wird von allen Seiten gezeigt, als Kommissar, aber eben auch als Ehemann, als Vater, den sein Sohn beklugscheißert, als Mann, dessen Apfelmost umkippt. Ich wollte diese Figur wirklich mit Haut und Haar ausfüllen, wollte sie glaubwürdig machen.“

Aber sind denn die Allgäuer tatsächlich so ein skurriles Völkchen wie Klüpfel und Kobr sie in ihren Romanen schildern? Knaup lacht: „Ja klar. Die sind eingekesselt zwischen den Schwaben und den Bayern, und haben eine ganz eigenwillige, philosophische Art, das Leben zu betrachten.“ Von Engstirnigkeit erzählt Knaup, von einer derben Direktheit („Was bischn du für oin’r?“), von Erinnerungen an Leberkässemmel mit Schokotrunk, wie sie Kluftinger auch regelmäßig vertilgt, aber auch von einer großzügigen Herzlichkeit, gerade was die Bewirtung angeht.

Dass sich seine Landsleute vom Kluftinger-Krimi auf die Füße getreten fühlen könnten, glaubt Knaup allerdings nicht: „Ach wo, Komödien entstehen doch dadurch, dass man sich und andere wiedererkennt. Und Typen wie Klufti, die daheim erstmal in die Holzschuhe schlüpfen, die gibt es dort tatsächlich, ebenso wie die Gscheidhaferl die die Figur des Dr. Langhammer auf’s Korn nimmt, die im hintersten Winkel des Allgäus Sushi essen und Kimono tragen, um intellektuell zu wirken.“

Dass er selbst diesen Klischees auf den ersten Blick so gar nicht entspricht, war für Knaup eher Ansporn denn Hemmnis, sich in diese Rolle ganz besonders hineinzuknien: „Ich will gerade den eingefleischten Fans beweisen, dass es geht!“ Und er würde es nur zu gern noch einmal wagen, sollte der BR einen weiteren Kluftinger-Roman verfilmen. „Das hängt wahrscheinlich von den Quoten ab“, befürchtet er: „Ich hätte auf jeden Fall große Lust dazu. Und ich würde mich für diese Rolle auch freiwillig nochmal was anfuttern. Die Kässpatzn, die dafür nötig sind, pfeif’ ich mir gerne rein!“

Melanie Brandl

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