Die "Herrin der Wetten"

Redaktionsleiterin Beate Weber: - Wetten, dass keiner die größte deutsche Unterhaltungsshow so gut kennt, wie sie? Beate Weber ist Redaktionsleiterin bei "Wetten, dass...?!" und hat in den 26 Jahren, die es die Sendung gibt, bei keiner einzigen gefehlt. Eine "Lebensstellung", wie sie so nicht vorhersehbar war: "Auch der größte Optimist unter uns hat nicht erwartet, dass dieses Format so lange so erfolgreich sein würde."

Dass es keine großen Wechsel im Team gegeben habe, sei ein Teil des Erfolgsgeheimnisses, vermutet Weber: "Viele Schlüsselpositionen werden seit langem von denselben Leuten wahrgenommen. Da weiß jeder ganz genau, was er zu tun hat."

Natürlich habe sich das Sendekonzept seit den Anfängen unter Frank Elstner verändert, betont die Redakteurin. So habe insbesondere der Talk mit den Wettpaten bei Thomas Gottschalk einen anderen Stellenwert. Trotzdem wurde am Grundgerüst des Formats eisern festgehalten. "Und so ist ,Wetten, dass...?’ für den Zuschauer eine liebe Gewohnheit geworden", erklärt Beate Weber: "Und es ist und bleibt das einzige echte Familienprogramm im deutschen Fernsehen."

Daran werde sich auch künftig nichts ändern, auch wenn immer wieder orakelt werde, dass dem ZDF bald die Wetten ausgingen. "Natürlich wiederholen sich gewisse Themen wie Fußball oder Autos", räumt Weber ein. Doch gleichzeitig entwickele sich die Welt ja immer weiter: "Vor zehn Jahren zum Beispiel gab es kaum Handys und daher auch keine Wetten, die diese zum Gegenstand hatten. Und auch die Auswahlkriterien für Wetten veränderten sich. "Gerade kuriose Wetten wie die, Kerzen mit Tränenflüssigkeit zu löschen oder sich mit der Zunge Maiskörner in die Nase zu schieben, wären vor 15 Jahren nie ausgespielt worden", so Weber. Heute sind es gerade diese bizarren Ideen, die neben den spektakulären Außenwetten bei den Zuschauern ganz hoch im Kurs stehen. Ihr Schreibtisch sei voll von neuen, tollen Wettideen: "Deshalb sehe ich der Zukunft gelassen entgegen."

Denn Beate Weber allein ist, die "Herrin der Wetten". Alle Vorschläge landen zuerst bei ihr, interessante werden archiviert, besonders spannende sofort recherchiert. Die Kandidaten werden getestet, und nur, wer tatsächlich auch eine Chance hat, seine Wette zu gewinnen, kommt in die engere Auswahl, die dann mit dem Team diskutiert wird. "Ich suche natürlich immer nach der ganz besonderen Wette", versucht Beate Weber ihre Auswahlkriterien zu beschreiben. In all den Jahren habe sie ein Gespür dafür entwickelt: "Und trotzdem liegt man manchmal daneben."

Eine Wette der letzten Sendung in Dortmund, bei der Stahlsorten anhand des Funkenfluges beim Schleifen erkannt werden sollten, sei so ein Fall gewesen: "Da haben wir das Lampenfieber der beiden jungen Männer einfach unterschätzt." Die Kritik, die daraufhin laut wurde, habe sie verstehen können.

Was Beate Weber hingegen nicht versteht, ist der Vorwurf, "Wetten, dass...?" verkomme immer mehr zu einer PR-Veranstaltung für Stars, die eine neue CD, einen neuen Film oder ihre aktuelle Tournee anpreisen wollen. "Wer sollte denn hochkarätige Gäste aus den USA bezahlen, wenn die nicht selbst etwas zu verkaufen hätten?" fragt sie: "Wir zeigen einen Arbeitsnachweis des jeweiligen Künstlers. Mehr nicht. Und das halte ich für legitim." Herzstück der Show blieben - bei aller PR - schließlich nach wie vor die Wetten, betont Weber.

Gegen das Zocken ist das Team hinter den Kulissen auch nach so vielen Jahren noch nicht immun. "Wir wetten bei jeder Sendung, wer mit wieviel Prozent Wettkönig wird." Mittlerweile könne sie ganz gut einschätzen, was in der Gunst des Zuschauers ganz oben steht. Gefragt nach ihrer Lieblingswette, antwortet Weber ausweichend. "Wir haben insgesamt über 800 ausgespielt. Da eine hervorzuheben, finde ich schwierig. Eigentlich sind für mich alle Sieger, die es überhaupt in die Sendung geschafft haben."

ZDF, morgen, um 20.15 Uhr.

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