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Leonard Scheicher als Tom und Alicia von Rittberg als Annelie.

Verehrer im Dienste der Stasi

TV-Film "Das Romeo-Prinzip": Münchner schrieb das Drehbuch

München - Der Münchner Nikals Altekamp ist eigentlich promovierter Physiker. An der Münchner HFF verfasst er aber sein Drehbuch-Debüt, das prompt vom NDR verfilmt wurde. 

Auch Tom (Leonard Scheicher) möchte einmal ein Romeo sein. Der Hamburger Student tut sich schwer mit der Eroberung seiner Kommilitonin Annelie und sucht Hilfe beim Hausmeister seines Wohnblocks. Dieser scheint ein Schwerenöter zu sein, entlässt er doch allmorgendlich fesche Damen aus seiner Hausmeisterwohnung ins Freie. Kein Wunder, denn der mittlerweile ergraute Aufreißer gehörte – was seine Nachbarn nicht wissen - zu jenen Psychologen, die das sogenannte Romeo-Programm der ehemaligen DDR betreuten.

Smarte junge Männer im Dienste der Stasi

„Das Romeo-Prinzip“:  Donnerstag, 12.11.2015 um 22 Uhr im NDR Fernsehen

Im Dienste der Staatssicherheit machten sich smarte, bestens geschulte Männer zur Zeit des Kalten Krieges auf den Weg von Ost- nach Westdeutschland und umwarben liebesbedürftige Frauen, die in Bonner Ministerien oder wichtigen Wirtschaftsunternehmen so manches Wissenswerte erfuhren. Von den DDR-Romeos beglückt und mit dem Hinweis, sie dienten einer internationalen Friedensorganisation, beschwichtigt, schlitterten die Damen ins Spionagegeschäft. Viele ahnungslos, manche alles verdrängend und einige aus kommunistischer Überzeugung. Alle aber heftig verliebt.

Mit dem einmal bei der Stasi erlernten und in wissenschaftlichen Untersuchungen erforschten Aufreißertum weist Hausmeister Müller dem verliebten Studenten zunächst den Weg, doch Toms Pakt mit dem Bösen führt dann schnell in die Katastrophe. Annelie durchschaut die Tricksereien, und Tom muss sich von seinem unmoralischen Mentor emanzipieren um die romantische Komödie „Das Romeo-Prinzip“ (Donnerstag, 12.11. um 22 Uhr im NDR Fernsehen) doch noch zu einem Happy End zu führen.

Das Drehbuch entstand an der Münchner HFF

Als Niklas Altekamp nach dem Zusammenbruch der DDR erstmals vom „Romeo-Prinzip“ erfuhr, tippte er die Notiz „Stasi-Offizier als Super-Pick-Up-Trainer“ sofort in seinen Ideenspeicher. Das war doch ein Thema! Wie Recht er hatte, zeigte sich im vergangenen Jahr, als der in der Münchner Maxvorstadt lebende Drehbuchautor sein Buch sofort an den Norddeutschen Rundfunk (NDR) verkaufte.

Der Drehbuchautor Niklas Altekamp.

Geschrieben hatte er es in der renommierten „Drehbuchwerkstatt“, die an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) beherbergt ist. Dort hatte er sich 2013 um ein Stipendium beworben. Er meinte damals: „Entweder falle ich sofort durch den Rost oder ich habe eine Chance als Exot.“ Denn exotischer als Altekamp konnte wohl kaum ein Bewerber sein. Er ist Elementarteilchenphysiker und wurde, nachdem er seine physikalischen Thesen am CERN in Genf erprobt hatte, in Cambridge promoviert. „Viele Menschen glauben, dass jemand, der rechnen kann, nicht schreiben kann. Aber warum eigentlich nicht?“

In der von der Dramaturgin Sigrid Brücher geleiteten Graduiertenwerkstatt mit 15 Kollegen genoss der Physiker das „betreute Schreiben“ samt Blockvorlesungen in Dramaturgie, Filmgeschichte und Stilkunde. Immer exakt zu den Münchner Filmfestspielen endet die einjährige Werkstatt. Bei einer Präsentation stellen die Stipendiaten ihre Drehbücher den Filmproduzierenden von nah und fern vor und hoffen, ihr Buch unterzubringen.

Das Buch des Münchners gefiel dem NDR

Niklas Altekamp hatte Glück - sein Skript gefiel Sabine Holtgreve vom NDR, die als Redakteurin bereits etliche mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Filme (zuletzt „Altersglühen“ mit Senta Berger und Mario Adorf) betreute. Sie förderte das Projekt und sorgte dafür, dass es in wenigen Monaten für die Debütreihe „Nordlichter“ realisiert werden konnte. Eicke Bettinga inszenierte, in weiteren Rollen sind unter anderen Alicia von Rittberg und Veit Stübner zu sehen.

Niklas Altekamp strahlt: „Es ist ein gutes Jahr, denn im April kam auch noch mein Sohn Anselm auf die Welt.“ Klar dass der frisch gebackene Vater da erst einmal pausierte. Aber an Ideen mangelt es ihm nicht – „sie springen mich überall an“ - und eine Tragikomödie nimmt bereits Gestalt an. Von der Physik und von der folgenden, neunjährigen Beratertätigkeit bei diversen Consultingfirmen hat sich Altekamp verabschiedet. Das ging peu a peu und überraschte die, die den musischen Physiker kennen, nicht wirklich.

Neben seiner früh geförderten Begeisterung für die Musik – er spielt ausgezeichnet Klavier - inszenierte er beim Studententheater und beschäftigte sich seit Jahren intensiv mit dem Schreiben. „Ich habe einen Erzählband verfasst, Theaterstücke geschrieben und weitere Drehbücher.“ Einen ersten Kurzfilm hat er inzwischen auch gedreht, bei dem er Kamera, Licht, Ton und Schnitt übernommen hat: „Um alle technischen Schwierigkeiten einmal selbst zu erleben.“ Da schlägt dann wohl doch der Wissenschaftler und Berater durch… .

Gabriele Luster

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