Heute tritt er keine Tür mehr ein

TV: - Er aß rohe Eier, fluchte, soff und prügelte sich mit Tatverdächtigen. Als "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski, verkörpert von Götz George, im Jahr 1981 in "Duisburg-Ruhrort" das Licht der Fernsehwelt erblickte, schlugen die Wogen der Empörung hoch.

Hunderte von Zuschauern beschwerten sich nach der ersten Folge beim verantwortlichen Westdeutschen Rundfunk (WDR), "Werft ihn aus dem Programm", verlangte der Kritiker der "Neuen Ruhrzeitung", und der "echte" Duisburger Kripochef bescheinigte dem Prol im Parka: "Bei mir dürfte dieser Mann nicht einmal Fahrraddiebstähle bearbeiten."

Diese Zeiten sind vorbei. Erst gewöhnte man sich an ihn, dann liebte man ihn - und nach seinem Abschied vom "Tatort" im Jahr 1991 vermisste man ihn. Weshalb Schimanski seit 1997 unter eigenem Namen wieder unterwegs ist. Mit "Tod in der Siedlung" feiert der WDR - um fast ein Jahr verspätet - an diesem Sonntag das silberne Dienstjubiläum des Ermittlers, der seine Fälle jetzt löst, ohne Türen einzutreten. Der mittlerweile 68-jährige George will weitermachen, solange die Quote stimmt, wie er vor einigen Wochen betonte. Es werde weiter an Drehbüchern gearbeitet, nächstes Jahr komme ein neuer "Schimanski", sagt eine Sprecherin des Senders.

Der Jubiläumsfilm beginnt mit einem brennenden Auto vor Schimanskis Hochhauswohnung in Duisburg. Im Kofferraum des Wracks wird die Leiche eines Vermittlers der örtlichen Arbeitsagentur gefunden. Der Ex-Polizist fühlt sich verantwortlich, weil die Tat in seinem Viertel geschah, und schaltet sich in die Ermittlungen ein. Parallel untersucht die Kripo Duisburg mit "Hänschen" (Chiem van Houweninge), seinem ehemaligen Kollegen, und Hunger (Julian Weigend) den Fall. Hunger verdächtigt bald den arbeitslosen Spieler Martin Krawe (Matthias Brandt), doch Schimanski bleibt skeptisch.

Gedreht wurde "Tod in der Siedlung" wieder nur zum Teil in Duisburg. Für wichtige Einstellungen bevorzugte Regisseur Torsten C. Fischer Köln als Drehort. Am traditionellen und vielfach überholten Schmuddelimage des Ruhrgebiets hält der Film mit Schwenks über Hochöfen und triste Innenstadtpassagen fest. Die Stadt Duisburg hat trotzdem schon lange ihren Frieden mit "unserem Schimanski" gemacht, wie Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (SPD) betont.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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