"Hier ist ein Popanz aufgebaut worden"

Mainz - Auch ZDF-Intendant Markus Schächter kritisiert geplante Einschränkung der Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen.

Der Intendant des ZDF, Markus Schächter, fürchtet um die Konkurrenzfähigkeit der Öffentlich-Rechtlichen, wenn die von der Politik verlangten Beschränkungen der Online-Aktivitäten in die Tat umgesetzt werden. Die zugespitzte Angst der Verlage und Privatsender hänge damit zusammen, dass man "die Möglichkeiten der Öffentlich-Rechtlichen im Internet maßlos überschätzt", sagte Schächter der "SZ".

Man sei zwar immer von sieben Milliarden Euro Gebühreneinnahmen ausgegangen, dafür mache man aber auch in Zukunft Fernsehen. "Das ist unser Hauptgeschäft, und die Finanzmittel dafür sind genau festgelegt. Hier ist ein Popanz aufgebaut worden, der dann mit allen Mitteln bekämpft wird", kritisierte der ZDF-Intendant.

"Wir werden bald schon merken, dass wir in dieser hitzigen Phase die falschen Türen bewacht haben. Den Druck werden andere machen. Google bewirbt sich um die Rechte für die Olympischen Spiele 2016", sagte Schächter. Der ZDF-Chef bezifferte die vorgesehenen Investitionen ins Internet auf jährlich zwölf Millionen Euro von 2009 bis 2012.

Er hoffe darauf, dass es Regelungen geben wird, die nutzer- und jugendfreundlicher seien als aktuell geplant. Die vorgesehene Regelung zur Vorhaltung von Fernsehsendungen im Netz sei kontraproduktiv: "Die sieben Tage sind eine künstliche und keine logische Zeitgrenze", sagte Schächter.

Große Sportereignisse würden von der Politik als so wichtig und relevant angesehen, dass ihre Ausstrahlung im frei empfangebaren Fernsehen gesetzlich festgeschrieben sei: "Und genau diese Ereignisse sollen jetzt, selbst wenn wir die Rechte dafür gekauft haben, schnell wieder aus dem Netz genommen werden". Den Plänen der Ministerpräsidenten zufolge sollen Sportübertragungen nach der Ausstrahlung im Fernsehen nur 24 Stunden im Netz bleiben dürfen.

Wie berichtet, müssen sich ARD und ZDF auch darüber hinaus auf eine Einschränkung ihrer Aktivitäten im Internet einstellen. Die Sender sollen in Zukunft nur "sendungsbezogene" Angebote ins Netz stellen dürfen, eine "elektronische Presse" in Konkurrenz zu den Zeitungen wird es nicht geben. Strittig sind noch Inhalte aus dem Unterhaltungsbereich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mordfall Mirco: Eltern bei ZDF-Vorpremiere mit Heino Ferch
Das Schicksal von Mirco hat vor sieben Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Junge wurde entführt, ermordet und verscharrt. Jetzt ist der Fall Mirco wieder da: Als …
Mordfall Mirco: Eltern bei ZDF-Vorpremiere mit Heino Ferch
Wegen diesem Foto wirft Netflix Biene Maja aus dem Programm
Die Biene Maja kennt man seit den 70er-Jahren als Kinderserie im TV. Jetzt warf Netflix eine Folge der neuverfilmten Serie aus dem Programm. Der Grund dafür ist …
Wegen diesem Foto wirft Netflix Biene Maja aus dem Programm
Warnstreik beim WDR: Radiomoderatoren von „1Live“ bleiben stumm
Wegen eines Warnstreiks verzichtete der WDR-Sender 1Live in den frühen Morgenstunden eine Stunde lang auf jegliche Redebeiträge und sendete stattdessen nur Musik.  
Warnstreik beim WDR: Radiomoderatoren von „1Live“ bleiben stumm
Wahlabend im TV: Private fassen sich kürzer und bieten Alternativ-Programm
Für manche Sender geht es am Wahlabend um kaum etwas anderes. ARD und ZDF berichten mehrere Stunden am Stück. Andere fassen sich kurz und sind so eine Alternative für …
Wahlabend im TV: Private fassen sich kürzer und bieten Alternativ-Programm

Kommentare