"Hier wird keiner niedergemacht"

München - Ob Popstars, Models oder Zauberer - im deutschen Fernsehen wird alles gecastet, was sich massenwirksam vor die Kamera stellen lässt. Auch Sat.1 trommelt freitags um 20.15 Uhr erneut zum großen Talenttest: "Ich Tarzan, Du Jane!" sucht aber - anders als der Titel vermuten lässt - keine C-Promis für ein weiteres Dschungelcamp, sondern die beiden Hauptdarsteller für das neue Hamburger Disney-Musical "Tarzan" mit der Musik von Phil Collins.

Hugo Egon Balder moderiert die neue Musical-Castingshow "Ich Tarzan, Du Jane!" auf Sat.1

In vier Doku-Soaps und sechs Live-Shows, die von Hugo Egon Balder moderiert werden, sollen sich Jane und Tarzan finden.

Hätten Sie je gedacht, einmal Moderator einer Castingshow zu sein?

Nein. Nie. Bei "Star Search" war ich Jury-Mitglied, aber ich dachte eigentlich, das war's in Sachen Casting. Allerdings ist "Ich Tarzan, Du Jane!" ein bisschen anders als etwa "Deutschland sucht den Superstar": Es wird keiner niedergemacht, man gewinnt keinen Plattenvertrag, man denkt auch nicht, in zwei Monaten ein Weltstar zu sein, und ist nach drei Monaten doch vergessen.

Sondern?

Hier geht es wirklich um Können. Wir suchen zwei Leute, die ein Jahr rund um die Uhr auf der Bühne stehen sollen. Die müssen sich zusammenreißen und unglaublich viel üben.

Heißt das, eine Show wie DSDS hätten Sie nicht übernommen?

Auf keinen Fall. Ich habe keine Lust, mich hinzustellen und Leute runterzumachen oder mir Leute anzusehnen, die sich tierisch blamieren.

Castingshows laufen mittlerweile auf sämtlichen Sendern. Wollen die Leute das überhaupt noch sehen?

Das weiß ich nicht. Ich bin kein Marketingexperte. Ich weiß nur, dass das Genre Musical eine große Renaissance in Deutschland erlebt hat und das vielleicht eine Chance ist.

Gibt es denn noch unentdeckte Talente?

Ich war bei der ersten Audition in Hamburg dabei, und was ich da gesehen habe, war erstaunlich. Außerdem geht es uns nicht darum, irgend jemanden zu finden, sondern bestimmte Typen. Wenn sich hier ein kleiner, drei Zentner schwerer Mann als Tarzan bewirbt, kann das nicht funktionieren. Dadurch werden vielleicht schon einige ausgesiebt, die sich nur produzieren wollen.

Der Titel erinnert eher an Dschungelshow denn an Glanz und Gloria von Superstars.

Ich finde den Titel gut. Außerdem wird dabei auch die lustige Seite angesprochen. Das Musical selbst ist schließlich auch nicht todernst, sondern hat eine Menge komischer Elemente.

... was Ihnen entgegenkommt ...

Klar. Mir gefällt, dass die Show von all dem etwas hat, was ich gerne mache: Ich bin eigentlich Musiker, habe gerade wieder lange Theater gespielt, mag die Komik. Ich finde spannend, dass da Leute nicht nur singen oder nur spielen oder nur komisch sind, sondern alles gefragt ist.

Wo bleibt der Spielraum für den Moderator?

Das wird sich zeigen. Klar ist, dass ich der Show meinen Stempel aufdrücken möchte. Dabei darf man das aber nicht bierernst sehen. Natürlich geht es für die Kandidaten um eine Menge, aber ich glaube trotzdem, dass der Spaß im Vordergrund stehen sollte. Das Publikum soll unterhalten werden, auch bei uns.

Hand aufs Herz als alter Hase der Branche: Haben die Sieger einer Castingshow eine Chance auf dauerhaften Erfolg ?

In anderen Ländern gibt es genug Beispiele dafür. In Deutschland sah es bisher leider meist anders aus. Weil hier mehr darauf geachtet wird, dass die Zuschauer sich amüsieren über unbegabte Menschen. Die Sache selbst tritt eher in den Hintergrund. Bei uns wird das anders: Wenn es gut läuft, stehen acht wirklich gute Kandidaten im Finale, und das Publikum hat die Qual der Wahl. Die Gewinner haben vier bis fünf harte Probenmonate vor sich. Und müssen dann jeden Abend spielen. So kann aus ihnen etwas Großes werden.

Das Gespräch führte

Melanie Brandl

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