"Im Hintergrund Karriere machen"

Frank Elstner im Gespräch: - Er machte Radio, produzierte und moderierte TV-Shows auf allen Kanälen und zu (fast) allen Tageszeiten. Und doch denkt man bei Frank Elstner vor allem an einen Job - den des Erfinders und ersten Moderators von "Wetten, dass...?" im ZDF. Für sein Lebenswerk erhält der 65-Jährige morgen Abend in München den Bayerischen Fernsehpreis.

Was bedeuten Ihnen Preise?

Preise sind wie Applaus, und über den ist man in meinem Beruf froh. Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, und ich freue mich besonders, dass die Bayern mal an mich gedacht haben.

Sie entstammen einer Schauspielerfamilie, haben selbst in Ihrer Jugend schauspielerische Erfahrungen gesammelt. Warum haben Sie das nicht weiter verfolgt?

Mich hat das eigentlich nie interessiert. Ich habe damals ein bisschen geschauspielert am Kammertheater in Karlsruhe, um Geld zu verdienen. Ich wollte aber immer im Hintergrund Karriere machen, ich wollte Regisseur werden, und das bin ich ja eigentlich auch geworden. Als Produzent die Fäden in der Hand zu halten und Verantwortung zu übernehmen, hat mich immer mehr gereizt, als eine Rolle auswendig zu lernen und dann womöglich hundert Mal hintereinander abzuspulen.

Sie haben bei Radio Luxemburg eine steile Karriere gemacht, in neun Jahren vom Moderator zum Programmdirektor...

Das war so eine Aufbruchzeit in den Sechzigerjahren. Die Deutschen haben verhältnismäßig langweilige Radioprogramme gemacht, wir haben in Luxemburg einfach frech dagegengehalten.

Und Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Kann man das so sagen?

Das ist oft das ganz große Geheimnis des Erfolges.

War es dann auch der richtige Zeitpunkt, die Moderation von "Wetten, dass...?" 1987 schon nach sechs Jahren und 39 Ausgaben abzugeben? Haben Sie das nie bereut?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe ja, wie gesagt, schon immer gerne im Hintergrund Regie geführt - und ich war selbst nicht mehr neugierig auf "Wetten, dass...?" Da lag es nahe, einen anderen nach vorne zu stellen, der mit frischem Elan herangeht. Und das war Thomas Gottschalk. Der hatte die richtigen Klamotten an, das war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Hätten Sie gedacht, dass die Show so lange läuft?

Ja. Mir war immer klar, dass das ein Dauerbrenner ist, sonst hätte ich mich da nicht so ‘reingehängt am Anfang. Ich habe mein ganzes Leben umgestellt, mit 40 eine unkündbare Stelle aufgegeben (beim damaligen Südwestfunk, Red.), weil ich so an "Wetten, dass...?" geglaubt habe. Und wenn keine großen Fehler gemacht werden, dann wird das auch noch viele Jahre laufen.

Ihr nächstes Projekt beim ZDF, "Nase vorn", lief nicht mehr so gut, und auch Ihre Sendungen bei RTL waren nicht so erfolgreich.

"Nase vorn" lief zwar nicht so gut wie "Wetten, dass...?", ist aber, gemessen an den Zuschauerzahlen, bis heute die zweiterfolgreichste Unterhaltungssendung, die das ZDF je hatte. Und meine Zeit bei RTL war sehr erfolgreich. Ich habe 800 Mal "Jeopardy" gemacht - und war 800 Mal um 17 Uhr Marktführer.

Aber es ist ein Unterschied, ob man eine Hauptabendshow macht oder ein Vorabendprogramm, auch wenn es gut läuft.

Für einen Produzenten ist das kein sehr großer Unterschied. Ich wollte für den Nachmittag, wo diese ganzen Crashsendungen laufen, eine Daily machen, die Quote bringt. Und das hat mir mindestens so viel Spaß gemacht wie eine Samstagabendshow.

Trotzdem sind Sie zum öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunk zurück.

Ja, weil mich der damalige Programmdirektor, Christof Schmid, gefragt hat, ob ich eine Idee für einen ganz bestimmten Sendeplatz habe. Ich habe ein bisschen nachgedacht und dann "Menschen der Woche" entwickelt, was ich jetzt seit sieben Jahren mit großem Erfolg am späteren Samstagabend mache.

Sie wurden sogar gebeten, "Verstehen Sie Spaß?" im Ersten vor dem Untergang zu retten...

Nein, das kann man so nicht sagen. "Verstehen Sie Spaß?" gehört zu den drei, vier Urformen von Unterhaltung, die immer funktionieren werden. Damit wird auch mein Nachfolger noch viel Freude haben.

Gab es bittere Momente in Ihrer Karriere?

Nein, ich habe das Glück, dass es bei mir seit 40 Jahren flutscht. Bittere Momente gab‘s bei mir nicht, jedenfalls nicht beruflich.

Sie sind im vergangenen Jahr auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gepilgert. Haben Sie dabei über die Zeit nach dem Ende des Berufslebens nachgedacht?

Nein, ich bin ja noch mitten drin. Man denkt auf so einem Weg über andere Dinge nach. Man sagt zum Beispiel Dankeschön, dass man bis jetzt gesund geblieben ist, man sagt Dankeschön für fünf wunderbare Kinder. Ich habe diese Pilgerreise dazu benutzt, mich mal zu bedanken.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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