Historisches aus dem Archiv - Wie der Bayerische Rundfunk Produktionskosten sparen will

München - Die Grünen warnten vor einem "Finanzdebakel" und einer "Finanzkrise" (wir berichteten), der Sender spricht nun sehr diplomatisch von "Anforderungsüberziehungen", die man bis Ende des Jahres wieder bereinigt haben will.

Dazu hat der Bayerische Rundfunk (BR) dem Fernsehausschuss ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das helfen soll, das aufgelaufene Defizit von rund vier Millionen Euro auszugleichen. Grünen-Rundfunkratsmitglied Ulrike Gote hatte zuvor von einer Etatüberziehung von "mindestens zehn Millionen Euro" gesprochen.

Um die Kosten zu senken, will man nun, wie aus dem Sender etwas wolkig verlautet, die Abläufe des Produktionsbetriebs optimieren und die Produktionsstandards bei Großereignissen überprüfen. Was das heißt, erläuterte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung BR-Sprecher Rudolf Küffner. Demnach soll im konkreten Fall überlegt werden, ob beispielsweise bei der Berichterstattung von Sportereignissen auch die Hälfte der üblicherweise eingesetzten Kameras ausreicht.

Aber auch am Programm soll gestrichen werden. Ganz verzichten will man auf das Magazin "Brunch" am Vormittag um 10.55 Uhr, in dem bislang Beiträge aus Sendungen des Vorabends wiederholt werden. Angesichts des niedrigen Marktanteils sei diese Sendung verzichtbar, wird Fernsehdirektor Gerhard Fuchs zitiert. Das Nachmittagsmagazin "Wir in Bayern" um 16.05 Uhr soll eine Sommerpause einlegen, ebenso, wie bereits berichtet, die Sendung "Blickpunkt Sport". Statt aktuelle Ausgaben zu produzieren, bietet der BR in den nächsten Wochen Historisches aus dem Archiv. Zwei Jahrzehnte alte Ausgaben mit Moderatorenlegenden wie Manfred Vorderwülbecke und deutlich jüngeren Altstars wie Paul Breitner und Franz Beckenbauer sollen das Publikum erfreuen.

Auch die Berichterstattung über die Wiesn will man zurückfahren. Sie soll auf die Wochenenden konzentriert werden. Ferner soll "der Lizenzeinkauf von Spiel- und Dokumentarfilmen reduziert" werden. Man werde bestehende Rechte mehr nutzen, formuliert BR-Sprecher Küffner, was nichts anderes heißt, als dass es mehr Wiederholungen geben wird. Nicht sparen, darauf legt der Fernsehdirektor Wert, werde man an der politischen Berichterstattung. Davor hatten die Grünen mit Blick auf den bevorstehenden Wahlkampf besonders gewarnt.

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