Hofknicks ist nicht mehr gefragt

- Er ist der Hofberichterstatter der Nation: Rolf Seelmann-Eggebert hält die TV-Zuschauer seit Jahr und Tag im Ersten über Hochzeiten, Geburtstage und andere weltbewegende Ereignisse in den europäischen Königshäusern auf dem Laufenden. Der in Berlin geborene und in Hamburg lebende Journalist wurde kürzlich 70 Jahre alt, heute ehrt er im Ersten einen anderen Jubilar: König Harald von Norwegen, der an diesem Tag ebenfalls 70 Jahre alt wird.

Das halbstündige Porträt "Harald von Norwegen" läuft heute um 21.45 Uhr. "Hoch lebe der König" heißt es schon ab 11 Uhr im ZDF, das die Feierlichkeiten zum Königs-Geburtstag live aus Oslo überträgt.

Wie kam es dazu, dass Sie sich auf Königshäuser spezialisiert haben?

Rolf Seelmann-Eggebert: Ich war von 1978 bis 1982 Korrespondent in London, und in diese Zeit fiel die Hochzeit von Charles und Diana. Außerdem habe ich für die ARD einen Film darüber gemacht, wie Charles auf seine Aufgabe als künftiger König vorbereitet wird. Das gehörte alles zu meinem Dienst als Korrespondent. Zurück in Hamburg fiel mir auf, dass das englische Königshaus in Deutschland nur am Rande und in Skandalgeschichten vorkam. Daraufhin habe ich den Vierteiler "Royalty" über das englische Königshaus gemacht, der viel Beifall erntete, sodass ich weitere Filme drehte. Irgendwann war ich dann plötzlich Adelsexperte und wusste gar nicht, wie mir geschah.

Was fasziniert die Menschen so an den gekrönten Häuptern?

Seelmann-Eggebert: Die Königshäuser selber weisen oft darauf hin, dass das Interesse besonders in den Republiken groß ist: Wir Deutsche haben selber gar nichts Gekröntes und sind deshalb besonders anfällig. Es hat auch mit der Glanzentfaltung der Königshäuser zu tun und damit, dass wir alle mit Geschichten von Prinzen und Prinzessinnen aufgewachsen sind. Außerdem spielt die Sehnsucht nach Kontinuität eine Rolle. Überall schreitet das Leben so schnell voran ­ Sportler und Politiker etwa sind relativ leicht vergängliche Ware, während man sich bei den Königshäusern darauf verlassen kann, dass sie ein ganzes Leben lang präsent bleiben.

Bisweilen wirkt die Berichterstattung dennoch übertrieben, etwa wenn ARD und ZDF das gleiche Ereignis parallel übertragen.

Seelmann-Eggebert: In der Tat hat es in solchen Fällen immer Aufstand gegeben. Diesmal haben wir uns deshalb darauf geeinigt, dass das ZDF live überträgt, während ich für das Erste einen Film über Harald mache, nach der Devise: Andere reden über Könige, wir reden mit den Königen.

Wenn man mit den Adeligen redet, muss man sich dann anders benehmen als bei Normalsterblichen?

Seelmann-Eggebert: Überhaupt nicht. Die Königshäuser wollen den Anschluss an die moderne Gesellschaft nicht verlieren und gehen mit der Zeit. Davon profitiert man im Umgang mit ihnen. Früher war es bisweilen schon mal ärgerlich: Wenn bei einem Bankett etwa der gastgebende König keinen Appetit mehr hatte und das Besteck hinknallte, musste man selber auch das Essen einstellen, und es wurde abgetragen. Das alles gibt es nicht mehr. Die Häuser legen keinen Wert darauf, dass man im Gehrock erscheint oder als Dame einen Hofknicks macht. Es ist nur ganz normale Kinderstube gefragt, also dass man Kartoffeln nicht mit dem Messer schneidet und erst der Dame die Hand gibt und dann dem Herrn. Und man sollte in einigen Häusern darauf achten, dass man nicht selber das Wort an den König richtet, sondern wartet, bis er einen anspricht.

Möchten eigentlich viele Leute aus Ihrem Bekanntenkreis Tratsch über die Adeligen erfahren?

Seelmann-Eggebert: Ja, das würden sie gerne. Wenn man über eine populäre gesellschaftliche Schicht berichtet, macht das beim Publikum eben den Eindruck, als würde man dazugehören. Aber das tue ich nicht, und ich hätte nie im Leben König oder Kronprinz sein mögen. Denn das ist man ein Leben lang ­ ich dagegen muss meinen Beruf nur so lange ausüben, wie es mir Spaß macht.

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