Geschichte und Gefühl

Hotel "Adlon" als TV-Epos im ZDF

Hamburg - Zehn Millionen Euro Kosten, 103 Sprechrollen, mehr als 2000 Komparsen: Das ZDF bringt die Geschichte des Berliner Hotels "Adlon" als aufwendiges Epos auf den Bildschirm. Regisseur Edel hat keine Angst vor Emotionen.

Der TV-Mehrteiler über das Berliner Hotel „Adlon“ wird ein Epos voller Geschichte und Gefühl: Die zehn Millionen Euro teure Produktion erzählt die Geschichte des weltberühmten Luxushauses über neun Jahrzehnte am Beispiel der Familie Adlon sowie einer fiktiven Familie. 285 Minuten lang sei die Saga geworden, berichtete Produzent Oliver Berben am Donnerstag in Hamburg, wo die Macher den ersten Teil vorstellten. Für ihn selbst sei allein schon der aufwendige Castingprozess in diesem Umfang neu gewesen: Um die 103 Sprechrollen zu besetzen, habe das Team etwa anderthalb Jahre benötigt. Das ZDF zeigt die drei Folgen am 6., 7. und 9. Januar 2013 (jeweils 20.15 Uhr).

Eine Änderung verkündeten die Macher gleich zuerst: Der ursprüngliche Titel „Das Adlon: Ein Hotel. Zwei Familien. Drei Schicksale“, der auch noch am Donnerstag auf dem Pressematerial stand, wurde verknappt auf „Das Adlon - eine Familiensaga“. Den Dreiteiler setzte Regisseur Uli Edel („Der Baader Meinhof Komplex“, „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) mit hochkarätigen Schauspielern wie Heino Ferch und Burghart Klaußner als Sohn und Vater der Hotel-Familie, Marie Bäumer, Anja Kling, Wotan Wilke Möhring und Sunnyi Melles sowie mehr als 2000 Komparsen in Szene. Journalist Gero von Boehm, der für das ZDF eine Dokumentation über das „Adlon“ drehte, lobte das Werk: „Es zeigt, dass Fernsehen großes Kino sein kann.“

Produzent Berben, der schon als Junge in den 80er Jahren Fan der US-TV-Serie „Hotel“ gewesen war, hatte schon lange die Idee zu einem Film über Menschen im Hotel - vor etwa zehn Jahren dann speziell die zum „Adlon“. Was ihn an diesem Hotel faszinierte habe: „die langen Jahre des Durchhaltens der verschiedenen Zeiten, der verschiedenen politischen Systeme, der verschiedenen Gesellschaften und das Ganze an einem Platz, dem Pariser Platz am Brandenburger Tor, der geschichtsträchtiger kaum sein konnte“, sagte der Sohn von Schauspielerin Iris Berben.

Das Buch verfasste Rodica Döhnert gemeinsam mit Regisseur Edel. Ihr sei es wichtig gewesen, die Familie Adlon am Beispiel der fiktiven Familie zu konterkarieren - und „Frausein in 90 Jahren in Deutschland“ zu zeigen. Ebenso wie die Adlons steht die Familie Schadt im Mittelpunkt des historisch-fiktionalen Dreiteilers. „Meine Geschichte beginnt im Jahre 1904“, erzählt die Hauptfigur Sonja Schadt gleich zu Beginn - sie kommt in jenem Jahr auf die Welt, als Lorenz Adlon mit dem Bau des Hotels beginnt. Später sieht man sie im Jahre 1997 bei einem Besuch im neuen „Adlon“.

Es geht um Historie und Emotionen, Realität und Fiktion vermischen sich. Der Bogen spannt sich von der Kaiserzeit bis in die 1990er Jahre. Sämtliche Schauspieler, die bei der Vorstellung des ersten Teils dabei waren, waren voll des Lobes über ihren Regisseur. Marie Bäumer lobte vor allem, dass Edel keine Emotionen scheue. „Hier ist jemand, der hat keine Angst vor Romantik“, meinte Bäumer.

Das Grandhotel, 1907 eröffnet, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrannt und 1997 neu eröffnet, steckt voller Geschichten. Thomas Mann, Greta Garbo, Charlie Chaplin waren einst unter den Gästen.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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