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Kevin Spacey alias Frank Underwood bei einem Werbegag.

Die tz sprach mit einem USA-Experten

Wie realistisch ist "House of Cards"?

München - Drogen, Intrigen und Mord im Weißen Haus: "House of Cards" ist eine der erfolgreichsten Serien in den USA und auch in Deutschland. Doch wie realistisch ist der Polit-Thriller?

Am Freitag startet die 4. Staffel von "House of Cards".

Er ist wieder da: Kevin Spacey alias Frank Underwood, der Präsident der Vereinigten Staaten, der sich mit raffinierten Intrigen vom Abgeordneten ins höchste Amt der Welt gekämpft hat und auf seinem Weg auch über Leichen gegangen ist. Ab Freitag läuft die vierte Staffel der Polit-Serie "House of Cards" über den Bezahlanbieter Sky. Ein weiteres halbes Jahr dürfte es dauern, bis Netflix Deutschland den Polit-Thriller anbietet. Sechs Emmys hat die Serie bereits gewonnen, über die Bill Clinton gesagt haben soll, sie sei zu 99 Prozent akkurat. Doch wie viel Realität steckt wirklich in "House of Cards"? In der Serie, die mit eigenen Wahlspots und Plakaten sogar im derzeitigen Wahlkampf präsent ist? Dazu sprachen wir mit dem USA-Experten der Uni Freiburg.

Was macht die Faszination für Sie persönlich aus?

Dr. Christoph Haas: Dass Politik ganz oft wirklich so läuft. Man macht Deals, man macht informelle Gespräche, man hat Druckmittel, die man einsetzt – das ist ein völlig normales Vorgehen.

Und was halten Sie für unrealistisch?

Haas: Natürlich wird da dramaturgisch einiges überspitzt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da gleich zwei Morde vertuscht werden, die der Präsident auch noch selbst ausgeführt hat.

Unrealistisch, weil sie überhaupt stattfinden oder weil er sie selbst ausführt? 

Haas: Als Abgeordneter in der ersten Staffel wäre das vielleicht noch möglich gewesen, aber danach ist es schon sehr fraglich. Die Leute vom Secret Service sind ständig da. Und: Wenn sie mit so vielen Menschen zu tun haben, gibt es immer eine undichte Stelle. Watergate ist auch herausgekommen. Unter Bedingungen einer Informationstechnologie, die lange nicht so weit war wie heute.

House of Cards: Wie ein echter Spot

Was ist mit Leuten wie Doug Stamper, die bis zum Mord jede Drecksarbeit für den Präsidenten erledigen?

Haas: Die Figur ist dem Realen entliehen. Die Chefs des Mitarbeiterstabs sind die Mädchen für alles, die den Abgeordneten und Senatoren den Rücken freihalten. Aber dass die irgendwo hinfahren und ein Grab schaufeln, ist aus meiner Sicht völliger Unsinn.

Kommt der Erfolg der Serie auch vom bewussten Spiel mit der Realität? 

Haas: Natürlich! Während einer dieser öffentlichen Debatten lief ein Fernsehspot, in dem es hieß: „Frank Underwood ist Ihr Mann im Weißen Haus.“ Das sah aus wie ein echter Spot im Präsidentschaftswahlkampf. Genial.

Was könnte Donald Trump von Underwood lernen?

Haas: Trump glaubt, er könne Politik so machen wie ein Wirtschaftsunternehmen führen. Aber ein Präsident muss kompromissfähig sein, und er braucht den Senat. Er ist nicht der mächtigste Mann der Welt, sondern der Mann, der dem mächtigsten Staat vorsteht.

Kann mangelnde Moral für einen Politiker sogar förderlich sein?

Haas: Wer behauptet, Politik würde immer nur moralisch und ethisch einwandfrei funktionieren, der ist einfach falsch gewickelt.

House of Cards, Freitag, 21 Uhr, Sky Atlantic

AC

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