Neues Trio in Wolfratshausen: Polizeiobermeister Franz Hubert (Christian Tramnitz, li.) mit Revierleiterin Sabine Kasier (Katahrina Müller-Elmau) und seinem „neuen Kollegen Reimund Girwidz (Michael Brandner).

Christian Tramnitz im Interview

Kult-Kommissar Franz Hubert: „Es geht auch ohne Staller“

Sie sind Kult-Kommissare mit Millionen von Fans: Jahrelang ermittelten Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau in der Krimiserie „Hubert und Staller“. Nun nicht mehr.

Update, 14. April, 2020: „Hubert ohne Staller“: Kulisse der ARD-Kultserie wird abgerissen

Artikel vom 14. Mai 2019: München - Sie sind Kult-Kommissare mit Millionen von Fans: Jahrelang ermittelten Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau in der Krimiserie „Hubert und Staller“ als Dorfpolizisten im bayerischen Voralpenland. Doch jetzt ist das beliebte Duo zerbrochen: Weil von Lüttichau seine Rolle an den Nagel gehängt hat, geht Christian Tramitz alias Kriminalkommissar Franz Hubert künftig ohne ihn auf Gaunerjagd. Die neue Staffel der Schmunzelkrimis startet am Mittwoch um 18.50 Uhr im Ersten unter dem geänderten Serientitel „Hubert ohne Staller“.

Sie ermitteln ab heute ohne Ihren langjährigen Kollegen Helmfried von Lüttichau. Wie finden Sie das?

Christian Tramitz: Wer weiß, ob es ein Abschied für immer ist. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Helmfried wie einst Bobby Ewing in „Dallas“ irgendwann wieder auftaucht – in diesem Fall nicht unter der Dusche, sondern auf dem Polizeirevier. (Lacht.) Staller ist bei seinem letzten Auftritt ja nicht den Heldentod gestorben, sondern nur nach Italien zu seiner neuen Flamme gereist. Die Macher der Serie haben sich also ein Hintertürchen offen gelassen, und das finde ich gut.

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Von Lüttichau soll gesagt haben, dass Serien „Käfighaltung für Schauspieler“ seien. Hat er Recht?

Tramitz: Ich würde es eher als Haltung im Freigehege sehen. Man kann ja nebenher noch was anderes machen, ich habe zum Beispiel nebenbei den „Bullyparade“-Film gedreht. Außerdem hat man bei so einer anarchischen Serie wie der unseren unendlich viele Entfaltungsmöglichkeiten. Da könnte theoretisch auch mal eine Folge im Himmel spielen, das ginge bei den „Rosenheim-Cops“ eher nicht. Wenn man natürlich den Eindruck hat, dass beim Drehen Langeweile aufkommt, dann sollte man aufhören.

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Sie beide sind auch privat eng befreundet. Schadet die Trennung Ihrer Freundschaft?

Tramitz: Nein, das ist eine Lebensfreundschaft. Wir kennen uns seit über 40 Jahren, wir gingen ja in dieselbe Schule, wir telefonieren regelmäßig, und das wird auch nicht abreißen.

War der letzte gemeinsame Drehtag sehr melancholisch?

Tramitz: Oh ja! Als Helmfried in der letzten Szene weggeht – wie ich hoffe nicht für immer –, standen wir alle heulend da. Er hat einfach dazugehört. Sein Weggang reißt ein Loch in die ganze Sache, ich kann wirklich nicht behaupten, dass das wurscht wäre. Er fehlt an allen Ecken und Enden, vor allem mir, denn ich hatte die meisten Szenen mit ihm.

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Haben Sie überlegt, ebenfalls aus der Serie auszusteigen, in deren neuen Folgen sich das Personalkarussell kräftig dreht?

Tramitz: Ich habe keine Sekunde daran gedacht aufzuhören, weil es mir nach wie vor Spaß macht, und mit der neuen Besetzung bekommen wir zusätzliche Spielmöglichkeiten. Der Wechsel ist auch eine Chance. Irgendwann hätte sich unser Duo vielleicht auch totgelaufen. Und dadurch, dass wir mehr Frauen im Team haben, entsteht eine andere Erzählstruktur, eine andere Komik.

Katharina Müller-Elmau bringt frischen Wind in die ARD-Serie. Sie spielt die neue Revierleiterin Sabine Kaiser, nachdem der bisherige Chef Girwidz degradiert wurde. Wie kommt Hubert damit klar, dass künftig eine Frau seine Vorgesetzte ist?

Tramitz: Einerseits findet er sie natürlich attraktiv, sie ist ja eine tolle Frau. Andererseits hat er mit Obrigkeiten immer Schwierigkeiten, und er mag es nicht, wenn er von ihr gemaßregelt wird. Aber er steht rangmäßig unter ihr, und zähneknirschend muss er ihren Befehlen Folge leisten. Eine tolle redaktionelle Idee fand ich es, Girwidz zu degradieren und mit Hubert zusammenzuspannen – also genau die beiden Menschen, die sich am wenigsten leiden können.

Können sich die Fans darauf verlassen, dass der schräge Humor der Serie auch nach dieser Personalrochade erhalten bleibt?

Tramitz: Auf jeden Fall. Wenn man mich fragt, hätte ich es zwar gerne noch wesentlich anarchischer, noch schwärzer. Aber man muss auch an die Breite der Zuschauer denken. Uns sehen Leute im Alter von fünf bis 95 zu. Wenn man dann nur noch skurrilen, schwarzen Humor bieten würde, würden auch einige Leute aussteigen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir auf jeden Fall die anarchischste Serie am Vorabend sind, Gott sei Dank.

Trotz der schrägen Morde und Scherze ist die Serie aber in einer heilen, bayerischen Welt angesiedelt, in der die Uhren noch langsamer ticken…

Tramitz: Mir gefällt das total, ich bin selber ein Landmensch, schon immer gewesen. Stadt ist für mich nichts – allein schon durch den Stau reinzufahren, stresst mich. Die Welt von „Hubert und Staller“ ist im Grunde genommen natürlich ein Märchen, aber daran dürfen wir auch nichts ändern, die Leute wollen das so. Es kommen ja viele Leute nach Wolfratshausen, die dort heiraten oder Urlaub machen. Wahrscheinlich glauben sie, dass es im wahren Leben genauso ist wie in der Serie, und sind enttäuscht, dass nicht immer so tolles Wetter ist und nicht alles so toll aussieht.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski

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