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Tanja Schleiff als Anna Katharina Emmerick und Misel Maticevic als Clemens Brentano in Dominik Grafs Film „Das Gelübde“ ( ARD , heute , um 20.15 Uhr).

Fernsehfilm

„Ich bin dankbar, dass ich sie spielen durfte“

„Es ist die anspruchsvollste Filmrolle, die ich bisher gespielt habe“, schwärmt Tanja Schleiff („Der Untergang“, „Shoppen“). Sie verkörpert die Nonne Anna Katharina Emmerick (1774–1824) im Fernsehfilm „Das Gelübde“, der heute um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Für die aus der ehemaligen DDR stammende, atheistisch erzogene Schauspielerin ist die Rolle der bettlägerigen Kirchenfrau aus der Nähe von Münster etwas Besonderes, umso mehr, als die Geschichte der Nonne, die die Wundmale Jesu getragen haben soll, auf wahren Begebenheiten beruht. Erst vor wenigen Jahren sprach der damalige Papst Johannes Paul II. die „Seherin von Dülmen“ selig.

„Das hat die Ansprüche erhöht“, sagt Schleiff, „ich hatte große Angst vor dieser Rolle und habe schon ein bisschen Demut entwickelt“. Versuche der katholischen Kirche und preußischer Staatsdiener, die regelmäßig blutenden Wunden an Händen und Füßen, auf der Brust und an der Stirn der Angehörigen des Ordens der Augustinerinnen als Scharlatanerie zu entlarven, scheiterten, wie auch der Film eindrucksvoll zeigt.

Am Krankenbett häufig besucht wird Emmerick von Clemens Brentano (1778–1842). Misel Maticevic („Eine Stadt wird erpresst“, „Blackout“, „Todesautomatik“) spielt den in einer Lebenskrise steckenden Dichter, der sich als schlichter „Schreiber der Wunder Gottes“ etablieren möchte. Doch auch er glaubt zu Beginn nicht an die Echtheit der Stigmata. Nach und nach entwickelt sich allerdings eine tiefere Beziehung zwischen dem Autor und der Ordensfrau.

Tatsächlich hat der Schriftsteller im Jahr 1818 seinen damaligen Wohnort Berlin verlassen und sechs Jahre lang die Visionen der Nonne protokolliert. Wie auch in seinen Aufzeichnungen vermischen sich im Film Realität und Fiktion.

Regisseur Dominik Graf montiert aus Geschichte und Beziehungsdrama einen anspruchsvollen Film, der an Originalschauplätzen, unter anderem in Münster und Soest (Nordrhein-Westfalen) gedreht wurde. Neben eigenen Recherchen und den Protokollen Brentanos hat Graf, der zusammen mit Markus Busch auch das Drehbuch schrieb, ferner den Roman Das Gelübde“ von Kai Meyer als Vorlage genutzt.

Dass der heikle Stoff auch für die Schauspieler nicht leicht zu bewältigen ist, bestätigt die Hauptdarstellerin. Die 35-jährige Tanja Schleiff, die in München auch als Theaterschauspielerin bekannt ist („Der Kaufmann von Venedig“, „Drei Schwestern“, „Furcht und Zittern“), hat mit Ordensfrauen gesprochen, sich in die Literatur eingelesen und intensiv mit dem Christentum auseinandergesetzt. „Ich bin von tief gläubigen Menschen fasziniert“, sagt sie und kann verstehen, dass rational nicht erklärbare Phänomene wie die Stigmata Anna Katharina Emmericks damals wie heute die Menschen faszinieren.

„Ich bin dankbar, dass ich die Anna Katharina spielen durfte“, fasst sie zusammen, „gerade weil sie eigentlich so fern von mir ist“. Für sie selbst sei die Glaubwürdigkeit am wichtigsten gewesen. Dass es Emmerick wirklich gab, habe diese Aufgabe komplizierter gemacht: „Zwar spiele ich die Rolle aus mir heraus, werde aber mit ihr verglichen.“

Marco Krefting

Das Phänomen der Stigmata

Stigmatisation (von griechisch „Stigma“ - Stich) bezeichnet das angebliche Auftreten der Wundmale Jesu Christi am Körper eines lebenden Menschen (Hand- und Fußwunden als Folge der Kreuzigung, vom Lanzenstich herrührende Wunde am Rumpf, Abdrücke der Dornenkrone am Kopf). Berichtet wird oft zugleich auch der Verzicht der Betroffenen auf feste Nahrung.

Der erste bekannte Fall ist der des heiligen Franz von Assisi (um 1181–1226). Seine spontane Stigmatisation soll sich am 17. September 1224 ereignet haben. Die erste Frau, die Stigmata getragen haben soll, war die selige Christine von Stommeln, deren Reliquien in Jülich (Nordrhein-Westfalen) aufbewahrt werden.

Die Anzahl der Träger mit den sichtbaren und spontan – meist freitags oder in der Passionszeit – auftretenden Wundmalen Christi, über die jemals schriftlich berichtet wurde, liegt bei rund 100.

Zu den bekanntesten Stigmatisierten der neueren Zeit zählen die selige Anna Katharina Emmerick (1774–1824, siehe nebenstehenden Text), Therese Neumann (1898–1962) aus dem oberpfälzischen Konnersreuth, der italienische Ordensgeistliche Francesco Forgione, genannt „Padre Pio“ 1887–1968), sowie die Französin Marthe Robin (1902–1981).

Die katholische Kirche steht dem Phänomen kritisch gegenüber und wertet eine Stigmatisation nicht automatisch als übernatürlich oder als Beweis der Heiligkeit. Dennoch wurden bis heute insgesamt 13 Stigmatisierte heilig gesprochen.

Einige der neuzeitlichen Stigmatisierten mussten sich medizinischen Untersuchungen von weltlicher und kirchlicher Seite unterziehen, um auszuschließen, dass sie sich ihre Wunden selbst beibringen. So wurden Protokollen zufolge die Handwunden von Anna Katharina Emmerick fest verbunden und von einer Kommission Tag und Nacht beobachtet, ohne dass sich an ihren Blutungen etwas geändert hätte.

Die Mehrzahl der Mediziner wie der Theologen geht von einer überwiegend natürlichen Ursache der Stigmatisationen aus und führt diese vor allem auf Autosuggestion oder Hysterie zurück. Aufallend ist, dass die beobachteten Handstigmata in der Regel auf der Handfläche oder dem Handrücken zu sehen sind. Es gilt heute jedoch als gesichert, dass bei Kreuzigungen die Nägel in die Unterarme eingeschlagen wurden.

mm

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