"Ich bin ein Erklärer"

München - Der Münchner Astrophysiker Harald Lesch über seine neue Aufgabe als Moderator.

Eine Tafel und sein Mundwerk: Mehr brauchte Harald Lesch nicht, um mit "Alpha Centauri" (BR Alpha) in die Weiten des Weltalls zu entführen. Jetzt tritt der Kult-Professor in die Fußstapfen eines altgedienten Wissenschafts-Moderators. Nach Joachim Bublath will der Münchner Astrophysiker von heute an dem ZDF-Magazin "Abenteuer Forschung" (22.15 Uhr) neue Sternstunden bescheren.

Als Sie der Anruf des ZDF erreichte: Wie war Ihre erste Reaktion?

Ich dachte, es ist "Vorsicht Kamera". Zuerst hatte ich Bedenken. Ich hatte ja keine Erfahrung, mit einer Redaktion zu arbeiten. Und Bublath, das sind ziemlich große Schuhe. Doch man hat mich überzeugt - und es läuft prima.

Bublath, das ist auch der ungerührte Wissenschaftsmoderator mit Anzug und Krawatte.

Und Sie glauben, da kommt jetzt ein Rumpelstilzchen!

Ihr Temperament ist ja doch etwas unterschiedlich.

Und deswegen werden die Sendungen natürlich auch anders moderiert werden. Ohne Anzug, ohne Krawatte. Und ich werde nicht nur die Augenbrauen nach oben ziehen. Ich bin eigentlich kein Moderator. Ich bin nicht moderat. Ich bin ein Erklärer.

Was werden Sie den Zuschauern erklären?

Nehmen wir Ihr Aufnahmegerät. Früher lief darin eine Kassette. Wenn es nicht funktionierte, konnte man es reparieren. Jetzt geht alles digital. Keiner weiß doch mehr, wie das funktioniert. Das Aufnahmegerät ist Quantenmechanik in Reinkultur. Sie ist sehr erfolgreich, aber wenig anschaulich. Wir suchen nach solchen Schnittstellen, wo die komplizierte Welt der Forschung unmittelbar in das Leben der Menschen hineinwirkt. Zum Beispiel in der Medizin.

Die Forschung hat viel geleistet. Doch nie war auch die Skepsis ihr gegenüber so groß wie heute. Sehen Sie sich als Vermittler?

Ich hoffe durchaus, dass sich mit dem Fernsehen, das ja noch Leitmedium des 21. Jahrhunderts ist, wieder eine Verbindung herstellen lässt. Für mich sind Wissenschaftler wie Scouts. Sie sehen sich die Wege in die Zukunft an und sagen, welchen man einschlagen soll. Doch ich habe den Eindruck, dass viele den Weg zu denen, die sie ausgeschickt haben, nicht mehr zurückfinden. Doch bringt die Wissenschaft Erkenntnisse, die für die Menschen wichtig sind, auch im Alltag.

An was denken Sie?

Etwa an die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Mensch ein Tier ist, das Bindungen sucht. Körperlichen Schmerz können wir verdrängen bis zum völligen Vergessen. Doch wenn uns jemand kränkt, der uns am Herzen liegt - das ist eine unvergessliche Katastrophe. Für einen Menschen ist es extrem wichtig, von anderen respektiert, gewürdigt, geliebt zu werden. Im Grunde eine alte Weisheit. Jetzt können wir es wissenschaftlich begründen. Doch berücksichtigen wir diese Erkenntnis zu wenig. So müsste man in der Arbeitswelt viel mehr Wert auf die Betriebsatmosphäre legen. Sie ist ein erheblicher Produktionsfaktor. Menschen sind eben keine Biomaschinen.

Entfernen Sie sich mit solchen Themen nicht etwas von der Forschung?

Ich möchte über das Präsentieren von wissenschaftlichen Informationen hinausgehen. Es soll sich nicht nur um Technik drehen. Am liebsten ist mir, wenn am Ende ein Aha-Effekt steht. Das liegt natürlich daran, dass ich auch Philosophie unterrichte.

Welche Themen brennen Ihnen auf den Nägeln?

Die wichtigste Sendung wäre eine über Naturgesetze. Viele Probleme unserer Industriegesellschaft lassen sich auf eines herunterbrechen: Dass wir uns nicht nach den Naturgesetzen richten. Wir würden nicht versuchen, mit Tempo 180 eine 90-Grad-Kurve zu fahren. So war auch die globale Erwärmung schon lange vorhersehbar. Doch wir fahren weiter - und tun so, als würde sich die Strecke nur für uns begradigen.

Für Ihre Fans: Wie geht es mit "Alpha Centauri" weiter?

Das hängt davon ab, wie viel Zeit mir bleibt. Wenn ich "Alpha Centauri" statt in Nürnberg in der Münchner Sternwarte drehen könnte, dann könnte auch das klappen.

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