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Ben Becker als Tiger (v.l.), Susanne Lothar als Hannah und Herbert Knaup als Franz in der ARD-Komoedie "Der Tiger oder was Frauen lieben!" von Niki Stein.

„Ich hab’ ein dickeres Fell bekommen“

Ben Becker über seine Rolle als Rotlichtkönig in „Der Tiger“, sein Image als Rüpel und Disziplin bei der Arbeit

Er ist nicht nur eine der schillerndsten Figuren des deutschen Films, auch mit seinem exzessiven Lebensstil sorgt Ben Becker bisweilen für Schlagzeilen.

Vor zwei Jahren brach der 44-Jährige nach dem Konsum harter Drogen zusammen und musste wiederbelebt werden. Seit er wieder fit ist, stürzt sich der in Bremen geborene Wahl-Berliner in die Arbeit. Mit seiner Show „Die Bibel“ füllt er die Hallen, im Herbst veröffentlicht er ein Kinderbuch, zuvor spielt er bei den Salzburger Festspielen den Tod im „Jedermann“.

Heute darf er in Niki Steins Tragikomödie „Der Tiger oder Was Frauen lieben“ (ARD, 20.15 Uhr), in der er einen Rotlichtkönig mimt, sein Image als Rüpel veralbern.

„Der Tiger“ ist ein Film über Liebe, Tod und Trauer, gleich am Anfang beichtet eine sterbende Frau ihrem Mann einen Seitensprung. Kein leichter Stoff für eine Komödie...

Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, habe ich auch einen Schreck gekriegt. Im ersten Moment konnte ich über den Anfang gar nicht lachen und habe gesagt: Halleluja, da haste dir ja was vorgenommen, Niki Stein!

Mit Ihrer spektakulären „Bibel“-Lesung feiern Sie Erfolge, in Salzburg spielen Sie den Tod im „Jedermann“ – haben Sie Ihr Interesse an den existenziellen Themen entdeckt?

Die Leute interpretieren das bei mir gerne rein, dann heißt es, dass sich der Ben Becker jetzt den ganz großen Themen nähere. Aber ich habe schon mit Ende 20 Shakespeare gespielt, auch in „Schlafes Bruder“ ging es um Leben, Liebe und Tod. Ich habe schon immer alles sehr ernst genommen, auch früher die leichteren Sachen. In meinen Anfängen habe ich ja in der Serie „Der Landarzt“ mitgespielt, aber da wurde ich denen irgendwann zu anarchistisch, so dass sie mich rausgeschrieben haben.

Im Fernsehen hat man Sie in letzter Zeit eher selten gesehen. Warum?

Man bietet mir gar nicht mehr so viel an, weil die Leute glauben, dass ich eh keine Lust hätte. Wenn man zwei-, dreimal Rollen absagt, wachsen da auch Berührungsängste.

Und warum lehnen Sie so vieles ab? Weil das Fernsehen so schlecht ist?

Im Fernsehen laufen halt viele Geschichten, wo ich sage: Nö, dazu hab ich keine Lust. Ich bin ja in meinem Beruf angetreten, um mich künstlerisch zu äußern, und nicht ausschließlich um Geld zu verdienen, und deshalb wird man mich in bestimmten Sachen nicht sehen. Vor einem Jahr hat man mir eine Serie angeboten, da habe ich gesagt: Tut mir leid, ich sehe mich nicht für zwei Jahre mit einer Tasse Tee als Staatsanwalt durchs Gericht flitzen. Meine eigenen Projekte wie „Die Bibel“ sind außerdem sehr zeitaufwendig. Ich tobe mich gerne auf der Bühne aus, vom Theater kann ich leben, und das macht mir großen Spaß. Ich bin beim Fernsehen aber gerne dabei, wenn jemand eine vernünftige Rolle anzubieten hat.

So was wie jetzt die Rotlichtgröße „Tiger“?

Das ist eine Rolle, die einfach Spaß macht. Die Figur hat eine Vielschichtigkeit, die mich gereizt hat. Einerseits ist der „Tiger“ natürlich überzogen, unsympathisch, auf der anderen Seite ist er plötzlich doch sympathisch, ein Clown, dessen Fassade zerbröselt. Die Rolle bedient natürlich ein bisschen das Klischee von Ben Becker als dem Enfant terrible, aber wir stellen das in dem Film ja mit einem Augenzwinkern dar.

Also ist Ihnen Ihr Image nicht völlig egal, die negativen Schlagzeilen, die es immer wieder gab?

Nein, das würde ich mir selber nicht glauben, wenn ich sagen würde, dass mir das total egal ist. Aber so weh mir die Berichterstattung in der Boulevardpresse auch oft getan hat – ich hab’ da jetzt ein dickeres Fell bekommen. Und mein Publikum weiß mich auch sehr genau einzuschätzen und ist mir sehr treu, deshalb spiele ich auch so gerne Theater. Wenn ich irgendwo hinkomme, ist der Laden ausverkauft. Dabei ist das Publikum teilweise konservativer als man denkt, weil ich ja auch als Künstler eine sehr konservative Haltung habe.

Inwiefern?

Was die Disziplin bei der Arbeit angeht. Da bin ich unglaublich alte Schule, mache nichts mal eben locker vom Hocker. Ich gebe alles – und das lieben die Leute.

Kennen Sie so Typen wie die Figur des „Tigers“ eigentlich selbst? Haben Sie sich da inspirieren lassen?

Selbstverständlich kenne ich die. Wenn man in Hamburg auf der Reeperbahn Theater spielt, kommt man da gar nicht drum herum. Ein langjähriger Bekannter von mir ist zum Beispiel Karl-Heinz Schwensen...

Die ehemalige Hamburger Kiezgröße...

Genau. Außerdem war ich ja früher Sprecher beim Boxen, und da lernt man die schon alle kennen. Zwischen Kunst und Rotlichtmilieu gab es ja schon immer Verbindungen, als Künstler ist man neugierig, und die wiederum schmücken sich gerne mit Künstlern. Und alles, was ich da beobachtet und gesehen habe, musste in die Figur mit rein, da habe ich einmal kräftig geschüttelt – und dabei kam der „Tiger“ heraus.

Man hat den Eindruck, dass sogar Details der Filmausstattung ganz gezielt Rotlichtgrößen zitieren...

Es gibt ein wunderbares Buch von Ebby Thust, die Biografie „Glanz und Elend“ mit ganz vielen Fotos. Die hatte ich beim Drehen dabei und habe sie mit den anderen immer wieder durchgeblättert, unter anderem mit der Kostümbildnerin. Auch eine Dokumentation über das Hamburger Rotlichtmilieu hatten wir im Gepäck, wir zitieren da einiges. Die Szene, in der ich als „Tiger“ angeschossen werde, zitiert etwa das berühmte Foto von Schwensen, als er nach einem Attentat angeschossen mit der Sonnenbrille auf der Trage liegt und das „Victory“-Zeichen macht.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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