"Ich bin da so hineingeschlittert"

München - Als Kabarettist ist Andreas Giebel längst eine Institution. Doch immer öfter steht der 49-jährige Münchner vor der Kamera. Von heute an ist Giebel fünf Folgen lang als Kommissar in der ZDF-Krimiserie "Rosenheim Cops" zu sehen (jeweils dienstags um 19.25 Uhr).

Er kommt alleine auf die Bühne, die aber dann ziemlich schnell von ganz vielen Personen bevölkert wird. Vom Kabarettisten nur imaginiert, erscheinen sie dem Publikum ganz plastisch und echt. Wer Andreas Giebels aktuelles Programm "Im Sammelbecken der Leidenschaft" sieht, der staunt (nicht nur) über das Gartenfest am Ende, das wie ein opulent ausgestatteter Film vor dem geistigen Auge des Zuschauers abläuft.

Giebels Fähigkeit, skizzenhaft skurrile Typen zu entwickeln, hat schon Fanz Xaver Bogner fasziniert, in dessen hoch gelobter BR-Serie "München 7" er den Polizisten Xaver Bartl spielte. So kam es nicht überraschend, dass auch das ZDF auf den Münchner aufmerksam geworden ist. Bei den "Rosenheim Cops" betritt Giebel heute als Kommissar Florian Prantl die Szene. Er vertritt für fünf Folgen den Kollegen Korbinian Hofer alias Joseph Hannesschläger.

Er sei da "so hineingeschlittert", beschreibt Giebel im Gespräch mit unserer Zeitung sein Engagement bei Fernsehen und Film, zu dem auch die Hauptrolle in Marcus H. Rosenmüllers Streifen "Beste Zeit" gehörte. Doch arrangiert hat er sich damit trotz vieler zusätzlicher Termine gern: "Das ist doch eine sehr positive Abwechslung zum einsamen Herumreisen als Kabarettist, weil man in einer Gruppe arbeiten kann."

Doch nicht nur das ist anders. Die Kamera bedingt eine andere Art von Spiel, und Andreas Giebel achtet, wie er betont, sehr darauf, keine Klamotte abzuliefern. Im Gegenteil: "Im Zweifelsfall neige ich eher dazu, zu wenig als zu viel zu machen. Es ist mir lieber, der Regisseur bittet mich, noch ein Pfund drauf zu geben, als dass er mich immer bremsen muss. Ich reg' mich ja selbst auf, wenn ich im Fernsehen sehe, wie grenzenlos manche Schauspieler übertreiben."

Geschichten über Menschen zu erzählen ist seine Passion, und wenn ihm Produzenten und Regisseure die Gelegenheit dazu geben, nimmt sie der 49-Jährige auch im Fernsehen gerne wahr, von Eitelkeit ganz frei: "Es geht ja nicht darum, dass man irgendeinen Beruf ausübt. Ich habe ja auch mit dem Kabarett angefangen, weil ich etwas zu erzählen habe."

Das war gegen Ende der Siebzigerjahre, als Giebel aus den Beobachtungen, den belauschten Dialogen, die er bis heute in Notizbüchern und auf vielen Zetteln verewigt, Stück für Stück bühnentaugliche Figuren bastelte: "Wie Menschen einander begegnen, wie sie miteinander kommunizieren, daraus besteht doch das ganze Leben. Und aus solchen Begegnungen etwas zu stricken, das mit uns allen zu tun hat und sich im besten Fall in einem Kabarettprogramm zu einer Geschichte rundet - das ist es."

Schön, wenn das Publikum lacht - aber auch andere Gefühle sind erlaubt. Den kleinen Andreas haben die großen Clowns wie Charlie Rivel und Grock fasziniert, "die waren nicht nur lustig, sondern haben mit ihrer melancholischen Art die Leute auch zum Weinen bringen können. Eine Stimmung herzustellen, in der alle zum gleichen Zeitpunkt das Gleiche empfinden - das hat mich immer fasziniert."

Sehen, wie so etwas geht, konnte Giebel früh bei seinem Vater, einem Arzt, der nebenher Puppentheaterstücke schrieb und sie in seinem Gartenhaus vor den Kindern des Viertels aufführte. Der Sohn "gründete" bald sein eigenes Kasperltheater, wobei er besondere Mühe für das Szenenbild aufwandte. Sein erster Traumberuf. Am Ende lernte er "nur" Dekorateur ("Ich konnte ja schlecht ans Resi gehen und sagen, dass ich gern am nächsten Tag da anfangen möchte"), erwarb sich bei dieser Gelegenheit jedoch das handwerkliche Geschick, das es ihm ermöglichte, unter anderem als Hausmeister an einer Schule zu jobben. Und von Turnhalle, Pausenhof und Heizungskeller gelang ihm schließlich der Sprung auf die Brettlbühne.

Seitdem zelebriert Andreas Giebel auf der Bühne seine liebevoll arrangierten Szenen aus der (Münchner) Heimat und im Kollegenkreis die Katastrophen, die man so auf Tournee erlebt. Beispielsweise die von dem schäbigen Hotel, "wo du zwar ins Etagenklo rein- aber nicht mehr rauskommst und dir nichts anderes übrigbleibt als die Tür einzutreten, damit du dich wieder in dein Bett legen kannst".

Mit solchen Tücken hat der Kabarettist als Schauspieler am Drehort nicht zu kämpfen. Hier geht's um den richtigen Text zum richtigen Zeitpunkt, die passende Körpersprache und den guten Draht zum Regisseur. Alles von größter Bedeutung, auch wenn es sich, wie bei den "Rosenheim Cops", nicht um das Werk eines besessenen Filmemachers, sondern um eine Vorabendserie handelt, die schon seit einigen Jahren läuft: "Die sind schon alle an einem möglichst guten Produkt interessiert", lässt Giebel Kritik erst gar nicht aufkommen. Damit meint er nicht zuletzt sich selbst. Es wäre auch das erste Mal, dass der Künstler mit diesem Florian Prantl nicht einen richtig guten Typen erschafft. Ganz plastisch und echt.

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