"Ich muss meinem Glück trauen"

München - Die Festlegung auf den unsympathischen Zyniker hat sich Christoph Maria Herbst selbst eingebrockt. Nur langsam gelingt es ihm, sich vom Stromberg-Zyniker zu befreien. Ob das mit der leichten Sat.1-Familienkomödie "Don Quichote - Gib niemals auf" (Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1) gelingt, sei mal dahingestellt.

-Herr Herbst, man kennt Sie vor allem durch unsympathische Rollen von Stromberg bis Alfons Hitler.

Finden Sie die unsympathisch?

-Wollten Sie Hitler etwa sympathisch karikieren?

Sie antworten mit einer Gegenfrage, find' ich super. Ich wollt's nur wissen. -Jetzt spielen Sie mit "Don Quichote" eine gefällige Familienkomödie. Wie weit ist noch der Weg zum ZDF-Sonntagsfilm?

(lacht) Ich glaube nicht, dass das ZDF so wahnsinnig an mir interessiert sein dürfte. Die sind zwar gerade auf dem totalen Verjüngungstrip, aber als 42-Jähriger würde ich denen auch nicht mehr helfen.

-Landen Sie irgendwann wie Harald Schmidt auf dem "Traumschiff"?

Man kann auf diese Weise immerhin umsonst Urlaub machen und dafür sogar Geld kriegen. Ich unterstelle mal, dass das nicht die Maxime seines Handelns gewesen sein kann, eher eine Art Selbstpersiflage. Dafür muss man allerdings wie er erst mal eine Marke sein, um sich mit der nötigen Selbstironie persiflieren zu dürfen und können. An dem Punkt bin ich nicht und will auch nie dorthin. Ich versuche, hinter meinen Figuren zu verschwinden.

-Ihr Stromberg-Zyniker soll keine Marke sein?

Wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse, gehen meine Rollenprofile in der Tat überwiegend in die Richtung negativerer Charaktere. In Bremerhaven habe ich mal den Romeo gespielt, obwohl ich den Spielleiter bestürmt hatte, mir den Tybalt oder Mercutio zu geben, weil Romeo der absolute Langweiler ist. Und bei Schillers "Räubern" finde ich Franz Moor spannender als Karl. Ich versuche die Quadratur des Kreises: Mittel- bis langfristig wäre es mir eine Freude, mehr Schubladen auszuprobieren, aber ich bin nicht derjenige, der das Angebot bestimmt.

-Das meist aus Arschlöchern besteht, wie Sie voriges Jahr sagten?

Es wird Gottseidank weniger, wie man am "Don Quichote" sieht. Den Bogen vom 17. ins 21. Jahrhundert so zu erzählen, dass es nicht in einer Maskerade erstarrt, sondern der Figur ein schlagendes Herz abseits der Operette zu verleihen, war herausfordernd. Mir das zuzutrauen, muss ich erst noch lernen. Als mir die Rolle angeboten wurde, hab' ich erst mal andere Kollegen ins Spiel gebracht, bei denen ich die Figur besser aufgehoben sah. Ich habe die Rolle letztlich gespielt, weil sich die Produktion eben nicht davon überzeugen ließ, einen Edgar Selge zu nehmen. Nein, die Angebote kommen, ich muss meinem Glück nur noch mehr trauen.

-Sind Sie ein Comedian?

Mit dem Begriff hab' ich zu leben gelernt, bevorzuge aber den alten griechischen Begriff des Komödianten. Comedian kommt vom Stand-up, was ich nie gemacht habe. Wenn ich die Wahl hätte: Nennen Sie mich Schauspieler.

-Vom Humor kommen Sie aber nicht los.

Das wäre dann die richtige Formulierung, wenn ich es versuchen würde. So weit bin ich noch nicht. Komödie ist für mich nach wie vor die Königsdisziplin, besonders auf der Bühne. Es ist viel schwieriger, 700 Leute zum Lachen zu bringen, als ihnen mit "Macbeth" Schauer über den Rücken zu jagen. Am Ende ist es ein Handwerk, das viel mit Musikalität zu tun hat, und aus der Ecke komm' ich nun mal, weil stets Musik um mich war. So gesehen ist meine Entwicklung sehr geradlinig.

-Würden Sie für mehr Kurven darin umsonst arbeiten, wie es George Clooney gerade mit "Michael Clayton" getan hat?

Absolut, hab' ich sogar schon getan. Im Schnitt habe ich alle zwei Jahre einen Studentenfilm gemacht, und zwar nicht aus reinem Gutmenschentum, sondern auch für mich persönlich. In "Jakobs Bruder" von Daniel Walta etwa spiele ich eine Figur, die mir im bezahlten Film noch nicht angeboten wird, den jüngeren Teil eines Brüderpaares auf einer Odyssee nach Hause zur kranken Mutter. Das war mal was ganz anderes.

-Haben Sie als Nachwuchskünstler je solche Solidarität erfahren?

Daran kann ich mich nicht erinnern. Meine Laufbahn ist von Sinuskurven geprägt. Wobei es mir gutgetan hat, dabei viel Dreck zu fressen; der reinigt ja bekanntlich von innen.

-Umsonst gearbeitet und im Dreck gewühlt haben Sie auch für einen Werbespot gegen die "Bild-Zeitung".

Ich habe nicht gegen etwas gekämpft, sondern für die Homepage bildblog.de, die die "Bild" ein wenig korrigiert. Als ich damals hörte, mal wieder mit Anke Engelke arbeiten zu können und zugleich bildblog den Rücken zu stärken, kam am Ende raus: Herbst, das musste machen.

-Sie haben keine Angst vor "Bild"?

Ach, die haben ja auch vor mir keine. Das ist ein lustiges Nicht-Geben-und-nicht-Nehmen, und ich hätte nichts dagegen, wenn es dabei bliebe. Wobei ich mir im Kleinen darüber bewusst bin, eine Art Fehdehandschuh hingeworfen zu haben. Zurückgekommen ist er aber noch nicht. Ich bin für den Boulevard erfreulich unspannend.

-Privat oder als Schauspieler?

Ersteres sowieso. Und meistens interessieren die sich ja gar nicht für letzteres, sonst wäre der Boulevard nicht Boulevard.

-Meiden Sie aussichtslose Kämpfe?

Weder das, noch bin ich eine Kämpfernatur. Ich kann aber mit einer gewissen Sturheit oder viel Disziplin, Fleiß und Ehrgeiz vorgehen, diesen wunderbar überkommenen deutschen Kardinaltugenden. Zum Glück artet das bei mir nie in Verbissenheit aus, die die Ellenbogen ausfährt und über Leichen geht. Dafür bin ich anders als Don Quichote zu sehr Realist, der etwas, wenn es aussichtslos scheint, lieber sein lässt.

Das Interview führte Jan Freitag

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