"Ich muss mitgehen können"

München - Der Münchner Regisseur Matthias Kiefersauer über "Das große Hobeditzn", gute Geschichten und bayerische Filme.

Matthias Kiefersauer, geboren in Wolfratshausen, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München und arbeitete danach als TV-Journalist, Drehbuchautor ("Café Meineid") sowie als Schnittregisseur bei Reportagen von Franz Xaver Gernstl. "Das große Hobeditzn", den das Bayerische Fernsehen am Sonntag um 19.45 Uhr zeigt, ist der erste abendfüllende Spielfilm des 34-Jährigen.

Was hat es mit dem "Hobeditzn" auf sich?

Das Wort ist mir in der S-Bahn eingefallen. Irgendwo zwischen Solln und Großhesselohe war es plötzlich da. "Hobeditzn" ist ein Wort, das es bis dahin nicht gegeben hatte, das aber durch und durch bayerisch klingt. Zwischen den S-Bahn-Stationen Großhesselohe und Pullach kam mir noch eine zweite Idee, eine Drehbuchidee: dass nämlich irgendwer gezwungen ist, einen Brauch und seine lange Geschichte zu fälschen. Und dass dieser Brauch "Hobeditzn" heißen soll. Das ist vier Jahre her.

Als Sie Ihre Idee beim BR einreichten, gab es da Vorbehalte, weil Sie bis dato keinen abendfüllenden Film gedreht hatten?

Nee. Ich hatte das Glück, dass mich die beiden Redakteure Elmar Jaeger und Petra Felber schon länger kennen. Die wussten, wie man was in meinem Buch lesen muss und wo man mich vielleicht noch etwas schubsen muss.

Wo musste man Sie und Ihren Co-Autor Alexander Liegl schubsen?

Etwa über die Schwelle, dass Alex und ich uns von Figuren verabschieden, die wir nicht unbedingt brauchten. Und auch zur Liebesgeschichte mussten wir etwas hingeschoben werden.

Sie konnten bei Ihrem Debüt mit einer beeindruckenden Riege bayerischer Schauspieler arbeiten.

Unser Drehbuch ist gut bei den Schauspielern angekommen. Von Jörg Hube etwa weiß ich, dass er schon beim ersten Lesen lachen musste. Mit Michael Lerchenberg konnte ich bereits bei meinem Abschlussfilm an der HFF zusammenarbeiten. Und Christian Lerch, Andreas Giebel und Michael Altinger sind Freunde von mir - die machten mit, weil das Drehbuch vom Liegl ist, und der Regisseur Kiefersauer heißt.

Wie war es, mit erfahren Schauspielern wie Jörg Hube oder Monika Baumgartner zu arbeiten?

Ich erinnere mich an ein Gefühl aus meiner Kindheit, da muss ich so sieben Jahre gewesen sein, als für mich klar war, dass Monika Baumgartner eine super Schauspielerin ist. Daran habe ich beim Drehen gedacht - da war ich dann nicht mehr so nervös. Als ich Hube zum ersten Mal getroffen habe, war ich sehr angespannt und hatte ziemlich Respekt. Denn er ist ein großer Schauspieler, der es gar nicht nötig hätte, bei einem Erstling mitzuspielen.

Was macht für Sie die Geschichte eines guten Films aus?

Wenn sie von Menschen und deren Leben erzählt und ich mitgehen kann. Dann ist auch völlig egal, ob es traurig oder lustig ist.

Gute Komödien zu drehen, ist vielleicht schwieriger als dramatische Stoffe zu verfilmen...

Das empfinde ich nicht so. Ich habe mich damit immer sehr leicht getan und schon während meines Studiums mehr Lustiges als Trauriges verfilmt. Von daher ist mir das vertraut. Ich hänge sehr an den Dialogen eines Films, denn ich komme vom Schreiben. Deshalb habe ich großen Respekt vor guten Schauspielern, die einen Satz, dessen Melodie ich im Kopf habe, vergolden.

Spätestens seit dem Erfolg von Marcus H. Rosenmüller boomen bayerische Filme...

Marcus ist ein Freund von mir. Er ist vier Tage älter und daher mit allem etwas früher dran. So wurde er auch früher von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Wir haben zeitgleich angefangen, bayerische Filme zu machen. Ich hatte etwas Sorge, dass es heißt, ich springe nur auf einen Zug auf, dessen Lokomotive der Rosenmüller ist. Wer genau hinschaut, wird die Unterschiede in unserer Arbeit erkennen. Für uns, die wir bayerische Filme machen wollen, ist der Erfolg von Marcus toll: Er schlägt uns eine Schneise.

Warum werden Filme aus Bayern seit einiger Zeit stärker wahrgenommen?

Dass es in der Öffentlichkeit etwas leichter geworden ist, hängt sicher mit einem Umdenken bei den Entscheidungsträgern zusammen. Die Programmmacher haben begonnen, uns und unsere bayerischen Stoffe bewusst zu fördern. Zum anderen scheint die Welt in Zeiten der Globalisierung unübersichtlicher geworden zu sein. Ich denke, dass sich die Zuschauer da gerne an etwas Regionalem festhalten.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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