"Ich bin süchtig nach Lob"

München - Thekla Carola Wied über ihre neue Komödie, ihre Lust auf sperrige Rollen und ihre Erfahrungen als Schülerin

Sie war einer der großen Serienstars der Achtziger- und Neunzigerjahre und als solcher ein absoluter Publikumsliebling. Thekla Carola Wied spielte erst die patente Mutter in "Ich heirate eine Familie", dann eine Nonne in "Wie gut, dass es Maria gibt" und schließlich eine Klatschreporterin in "Anna Marx - Auf eigene Gefahr". Dann hatte die Schauspielerin genug von Serien, seitdem dreht die inzwischen 64-Jährige nur noch Einteiler. Heute um 20.15 Uhr ist die Wahl-Münchnerin im Ersten in der Komödie "1:0 für das Glück" als strenge Lehrerin zu sehen, die erst auftaut, als sie unverhofft die Fußballmannschaft ihrer Schule trainieren muss und sich in den von Peter Sattmann gespielten Hausmeister verliebt.

Ihre Serie "Ich heirate eine Familie", in der Sie an der Seite von Peter Weck spielten, machte Sie zur Mutter der Nation...

Man vergisst ja immer, dass die Serie nur drei Jahre lief und nur 15 Folgen hatte, aber ich werde heute immer noch darauf angesprochen, es ist Wahnsinn. Es war natürlich hilfreich, schlagartig so bekannt zu werden, aber es war nicht leicht, dieses Image wieder abzustreifen.

Werden Ihnen heute keine Serien mehr angeboten?

Nach "Anna Marx - Auf eigene Gefahr", habe ich öffentlich gesagt, dass ich keine Serien mehr mache, und damit hatte sich der Fall eigentlich erledigt. Ich habe gemerkt, dass ich kein Lang-, sondern Kurzstreckenläufer bin - ich liebe es, immer wieder in unterschiedliche Charaktere einzusteigen.

Welche?

Gebrochene Figuren, solche, die mehr mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun haben, die etwas aussagen über unsere jüngste Vergangenheit, die ja immer noch nicht ganz durchleuchtet ist. Ich bin ein Mensch, der sich sehr für Geschichte interessiert. Komödien wie "1:0 für das Glück" will ich aber auch künftig machen, die Menschen wollen auch lachen können.

Stimmt es, dass Sie sich gegen den ursprünglich geplanten Titel "1:0 für die Liebe" gewehrt haben?

Ja, denn in meiner Filmografie stehen schon so viele Filme mit dem Wort Liebe, ich komme mir allmählich albern vor. Als ob der Zuschauer reflexartig einschalten würde, wenn Liebe im Titel vorkommt.

Sie spielen eine Lehrerin, die Fußball liebt und eine Schülerelf als Trainerin zum Turniersieg führen soll. Sind Sie selbst auch Fußballfan?

Nein, ich schaue zwar durchaus mal mit meinem Mann wichtige Spiele bei großen Turnieren, aber nicht mehr.

Dann haben Sie in den Fußballszenen gar nicht genau verstanden, was Sie da als Trainerin sagen?

Von wegen! Vor den Dreharbeiten habe ich mich mit den Regeln ein bisschen vertraut gemacht, und mein Mann hat mir erklärt, was Abseits und Abseitsfalle sind und diese ganzen Geschichten. Bei den Dreharbeiten habe ich schon verstanden, worum es geht, aber ich könnte sicherlich jetzt kein Spiel pfeifen. Außerdem haben wir im Urlaub ein bisschen gekickt...

... damit Sie den Ball treffen und die männlichen Zuschauer des Films nicht gequält aufstöhnen?

Genau. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ich selber nur wenig spielen muss.

Sie spielen eine zunächst sehr strenge Lehrerin, die erst im Lauf des Films ihre warmherzige Seite entdeckt. War Ihr Vater, der selber Lehrer war, denn auch so ein Pauker?

Wissen Sie, mein Vater war Jahrgang 1890 und von preußischer Strenge. Seine Erziehungsmaximen waren noch aus einer anderen Zeit . . .

...und Sie reden nicht so gerne über ihn. Dann erzählen Sie doch etwas über die Lehrer, die Sie als Kind an der Schule hatten!

Ich ging auf ein humanistisches Gymnasium, da hatte ich sehr menschliche, tolerante Lehrer. Sie wollten ohne Druck Ergebnisse von uns - mit dem Ergebnis, dass wir wenig für die Schule gearbeitet haben. Der Druck kam bei meinen Schwestern und mir dann vom Elternhaus. Ich bin meinem Vater aber dankbar, dass ich die Schule erfolgreich mit dem Abitur beendet habe.

Die von Ihnen gespielte Lehrerin will mit den Schülern unbedingt den Pokal erringen, weil ihr die Anerkennung im Leben fehlt. Wie wichtig ist Ihnen selber Anerkennung?

Ich bin sogar regelrecht süchtig nach Lob - manchmal bin ich so frech und fordere direkt eine Runde Lob ein. Aber natürlich muss man im Lauf seiner Karriere auch lernen, Komplimente richtig einzuschätzen, denn in unserer Branche sagen Schmeicheleien wenig über den wahren Stellenwert, den man hat. Und wenn man Lob will, sollte man eigentlich auch im selben Maße Kritik einstecken können. Ich komme ja vom Theater, und da gehörte es in den Siebzigern dazu, dass sich die Kollegen ziemlich hemmungslos kritisierten - das härtet ab.

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