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Stefan Raab.

„Ich traue dem Raab einen Sieg zu“

Jan Heitmann über die Geheimnisse des Pokerns, den Ehrgeiz des Gastgebers und das Talent von Boris Becker

Stefan Raab gibt nicht auf. Heute Abend (22.15 Uhr, Pro Sieben) versucht er im 14. Anlauf, die „TV Total PokerStars Nacht“ endlich zu gewinnen. Bisher ist er spätestens im Finale gescheitert. Vielleicht liegt es ja daran, dass er sich, im Gegensatz zu seinen prominenten Gästen, nicht von dem Münchner Poker-Trainer und Profi-Spieler Jan Heitmann (33) coachen lässt.

-Kann Stefan Raab einfach nicht pokern?

Das würde ich so nicht sagen. Ich glaube, er hätte vom Typ her das Talent, die Runde zu dominieren. Er interessiert sich nur nicht so brennend fürs Pokern. Er ist ein vielbeschäftigter Mann, der – das sagt er zumindest – keine Zeit für ein Coaching hat. Ich denke, ich könnte noch viel aus ihm rausholen.

-Was macht Raab falsch?

Er hat, gerade am Anfang, sehr viele Hände gespielt, die nicht zu spielen waren. Er war zu passiv und hat immer gezahlt, nur um zu sehen, was die anderen für Karten haben. Damit kann man aber nur gewinnen, wenn man tatsächlich das bessere Blatt hat. Raab hatte wohl einfach keine Lust, dass jemand ihm in seiner Show was vormacht. Er hätte aggressiver spielen müssen, damit die anderen auch mal ihre Karten hinschmeißen. Mittlerweile hat er aber viel dazugelernt – weil ihn der Ehrgeiz irgendwann dann doch gepackt hat. Ich traue ihm einen Sieg zu.

-Sie trainieren die drei Prominenten, die neben Stefan Raab, Elton und einem Spieler, der sich im Internet qualifiziert hat, am Tisch sitzen. Wie stellen die sich so an?

Von denen, die ich gecoacht habe, konnte anfangs keiner pokern. Die meisten hatten vorher überhaupt noch nie gespielt – und nur das Ziel, bloß nicht als Erster rauszufliegen. Ganz blöd hat sich aber keiner eingestellt. Die Moderatorin Charlotte Engelhardt zum Beispiel hat richtig was von dem Spiel verstanden, obwohl sie in der Sendung relativ früh gehen musste. Die hatte einfach nur Pech. Karl Dall war ein blutiger Anfänger, der hatte vorher noch nie Karten gespielt, nicht einmal Mau-Mau. Ich habe ganze vier Tage lang mit ihm gearbeitet. In der Show hat er dann allen glaubhaft verklickert, dass er seit 50 Jahren spielt – und ist Dritter geworden.

-Hat einer Ihrer Schützlinge auch mal gewonnen?

Ja, Simone Thomalla zum Beispiel. Die war zwar tierisch nervös bei der Aufzeichnung, hat aber souverän gespielt. Ich habe versucht, sie in den Pausen moralisch zu unterstützen und ihr ein paar Tipps zu geben. Die ist danach mit dem Geldkoffer auf mich zugestürmt und hat sich bedankt. Sie schuldet mir übrigens noch ein Glas Champagner, fällt mir gerade ein.

-Diesmal sind Boris Becker und seine Frau Lilly wieder dabei. Bei der letzten Poker-Nacht hat gerade sie Stefan Raab im Finale ziemlich alt aussehen lassen...

Ja, sie hat fantastisch gespielt. Und Boris Becker ist sowieso ein halbprofessioneller Poker-Spieler. Der saß neulich in Monte Carlo bei einem großen Turnier am Finaltisch. Er kann – und das können viele Anfänger nicht – sehr gut mit dem Druck umgehen, wenn es gegen Ende einer Runde um viel Geld geht.

-Ist das das große Geheimnis beim Pokern?

Es ist sicher sehr wichtig, dass man die Ruhe behält. Das ist nicht einfach, gerade wenn man eine Zeit lang verliert. Diese Strecken halten oft viel länger als der Mensch das emotional ertragen kann. Man denkt: Irgendwann muss es ja wieder besser laufen. Nur muss das, aus einer rein statistischen Perspektive, eben nicht heute sein. Langfristig setzt sich allerdings der durch, der taktisch gut spielt.

-Welche Rolle spielt dabei die Mathematik?

Gerade im Internet eine relativ große, weil man den Gegenüber nicht sieht und nicht einschätzen kann, wie er reagiert. Aber im Grunde reicht die Mathematik aus der 10. Klasse. Mit etwas Erfahrung kennt man die meisten Spielsituationen sowieso.

-Sie haben noch nie ein großes Turnier gewonnen, sind aber ein professioneller Spieler. Wie geht das zusammen?

Bei 500 Teilnehmern ist es schon allein rechnerisch schwer, zu gewinnen. Aber ungefähr ein Zehntel der Spieler kriegt ein Preisgeld, da bin ich halt öfters mal dabei. Dass man mit dem Pokern Geld verdienen kann, habe ich schon 2003 gesehen. Damals habe ich meine Poker-Bücher, eine Gitarre und ein paar Staffeln der Fernsehserie „Friends“ ins Auto gepackt und bin durch Europa gereist. Ich wollte sehen, ob ich nur vom Spielen leben kann. Ich bin dann zweimal in der Woche ins Casino und habe den Rest der Zeit Party gemacht und mir die Städte angeschaut. Ich war dreimal täglich essen – und hatte am Ende immer noch mehr Geld als Anfang.

Das Gespräch führte Thierry Backes.

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