"Ich will die Hoffnung nicht sterben lassen"

München - Eine Traumkulisse! Während am Horizont vorm stahlblauen Himmel die Alpen leuchten und der Blick weit über sonnenbeschienene Täler reicht, balgen sich im Vordergrund kleine Kätzchen und Hunde, ein riesenhaftes Trampeltier kaut gemütlich an einem Baum. Es wundert nicht, dass Uschi Glas (64) die Arbeit an ihrem aktuellen ARD-Fernsehfilm "Wieder daheim" (morgen, um 20.15 Uhr) als "ein Geschenk" erinnert.

Mit leuchtenden Augen schwärmt sie von einem wahrlich goldenen Oktober-Dreh mit alten Kollegen wie Enzi "Enzerl" Fuchs, Horst Sachtleben und Gerd Silberbauer. Auch Regisseur Walter Bannert schätzt sie sehr - seine Ruhe und Geduld genau wie seinen Humor.

Aber bei allen Sympathien - "entscheidend war doch auch das Buch". In "Wieder daheim" spielt Uschi Glas die erfolgreiche Anwältin Maren. Nach dem mysteriösen tödlichen Bergunfall der Mutter hat sie im Streit mit dem Vater ihre bayerische Heimat verlassen und ist nach New York gegangen. Nun kehrt sie nach 24 Jahren zurück, um nach dem hoch verschuldeten alten Mann und dem vernachlässigten Hof zu sehen.

"Ich kann verstehen, dass der Vater verbittert ist", sagt Uschi Glas. Aber darf er Maren ihr Zuhause streitig machen? Gibt es so etwas wie eine Verjährungsfrist für die erste Heimat? Lachend schüttelt die Wahl-Münchnerin den Kopf: "Die Heimat als solche, ich glaub', die geht einem nicht verloren. Wenn ich längere Zeit weg bin und zurückkomm', wenn die Theatinerkirche dann so protzig gelb leuchtet und bisserl Föhn is', und du siehst die Berge, dann finde ich schon immer das Stück Heimat. Dann kommt einem da so eine gewisse Wärme in der Seele hoch und man denkt: Mei is' des schee!" Keine Frage, auch Uschi Glas fühlt sich "wieder daheim" - im bayerischen Heimatfilm. "Die Story an sich", betont sie jedoch, "könntest du genauso in Hamburg erzählen oder im Ruhrgebiet".

Es dauert eine Weile, bis Maren einen Ausweg aus den Schulden und einen Rückweg zu ihrem Vater findet. Doch dann kommt ihr die Idee zu einem höchst innovativen Projekt, gegen die Einsamkeit und für ein bisschen neuen Lebenssinn - auch für sich selbst. Denn die gestresste Geschäftsfrau scheint eine ganz neue, gnädige Seite an sich zu entdecken. Glas: "Ich glaube, dass es bei ihr - dadurch, dass sie da plötzlich ganz andere Probleme hat - zu einer Läuterung und einer Befreiung kommt. Dass sie viel zu viel ihrem Beruf geopfert hat, ist ihre Schwäche. Sie hat kein Privatleben, sie ist einfach nur alleine. Höchste Zeit, dass sie die Kurve gedreht hat! Ich würde diese Chance auch so wahrgenommen haben."

Die Rolle der zupackenden Familienmanagerin ist für Uschi Glas nichts Neues. Bewusst auf solche Charaktere festgelegt habe sie sich nie, "aber irgendwie kommen die immer auch auf mich zu". Obendrein sind dies die Rollen, mit denen sich Uschi Glas als selbst ernanntes "Stehaufmanderl" am besten identifizieren kann: "Ich will mich nicht verkleiden, sondern ich muss es mir einverleiben und dann leben. Ich will es so machen, dass man denkt, das bin ich selber."

Sie bereue keine einzige Rolle in ihrem Leben, beteuert Uschi Glas. Aber sie suche auch stets nach neuen Herausforderungen. Einmal nicht die Gewinnerin, sondern die Verliererin spielen? "Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber die muss natürlich kommen, die Rolle." Richtig überzeugt klingt das noch nicht. Warum? Sind es vielleicht die Happy Ends, die sie so sehr an Heimatfilmen mag? Spätestens jetzt strahlt Glas übers ganze Gesicht: "Ach, ich liiiebe Happy Ends, ja!" Wenn es nach ihr ginge, würde sie nur in Filmen mitspielen, die gut ausgehen. "So ein gnadenloses Desaster zu hinterlassen, das finde ich privat auch immer ganz schade. Ich würde - wie ich es nenn' - die Morgenröte, den Sonnenaufgang, die Hoffnung nicht sterben lassen. Wenigstens rausschauen und sagen: Morgen geht's dann scho' wieder."

Biographisches

Geboren und aufgewachsen in einfachen Verhältnissen im niederbayerischen Landau an der Isar, arbeitete Uschi Glas (Jahrgang 1944) zunächst als Sekretärin, bevor sie in München Kontakt zur Filmszene suchte.

Nach mehreren kleineren Rollen kam der Durchbruch mit dem Klassiker "Zur Sache Schätzchen" (1968). Es folgten zunächst zahlreiche zeittypische Filmkomödien wie "Die Lümmel von der ersten Bank" oder "Verliebte Ferien in Tirol", bevor die Schauspielerin, die ihren bairischen Akzent nie verleugnete, in "Polizeiinspektion 1" (1977) ihre erste Serienrolle spielte.

Meist gab sie danach die starke Frau mit Herz, so etwa in "Unsere schönsten Jahre", Zwei Münchner in Hamburg", "Anna Maria - Eine Frau geht ihren Weg" oder "Sylvia - Eine Klasse für sich."

Für private Schlagzeilen sorgte Glas 2003 durch ihre Scheidung von Ehemann Bernd Tewaag, mit dem sie drei Kinder hat - Ben, Alexanderund Julia.

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