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Wer steckt hinter der Mordserie im Kloster? William von Baskerville (John Turturro, li.) und Adson von Melk (Daniel Hardung) ermitteln.

Umberto Ecos „Der Name der Rose“ als Serie 

Im Labyrinth

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Schon Umberto Ecos Buch “Der Name der Rose“ von 1980 war ein Bestseller, kein Wunder, dass auch Jean-Jacques Annauds gleichnamige Verfilmung von 1986 mit Sean Connery und Christian Slater zum Blockbuster wurde. Mehr als 30 Jahre später zeigt Sky den Mittelalterkrimi nun als achtteilige Serie.  

München - Es ist – im Prinzip – ein Krimi. Allerdings einer, der nicht heute, sondern im 14. Jahrhundert spielt. Aber auch hier wird ermittelt, über Mordmotive spekuliert und sogar obduziert. Und alles im Milieu eines Klosters, in hohen, dunklen, nur von Fackeln erleuchteten Räumen, in denen stets von fern gregorianische Gesänge zu hören sind. „Der Name der Rose“, Jean-Jacques Annauds Film aus dem Jahr 1986, ist so etwas wie der Prototyp aller Mittelalterepen, dessen Macher vor allem in Sachen Ästhetik Maßstäbe setzten. Nun haben sich Sky und die Tele München von Herbert Kloiber des Stoffes angenommen und daraus eine achtteilige Serie gleichen Namens gemacht. Der Pay-TV-Sender zeigt die Produktion ab diesem Freitag wöchentlich jeweils um 20.15 Uhr oder – auf Abruf – alle Folgen hintereinander.

Wer die ersten Szenen sieht, fühlt sich sofort an Annauds Werk erinnert – es wabert der Nebel, es wallen die Kutten. Die Serie entstand wie der Film nach dem Bestseller von Umberto Eco, ergo ist auch die Geschichte dieselbe, keine Fortsetzung wie beim „Boot“. Im Mittelpunkt der Handlung stehen der englische Franziskanermönch William von Baskerville und sein Adlatus Adson von Melk, die sich im Jahr 1327 in ein abgelegenes Kloster im italienischen Appenin begeben. Dort kommt es zu einer mysteriösen Mordserie. William, von Eco augenzwinkernd als eine Art Sherlock Holmes des Mittelalters erdacht, macht sich daran, den „Fall“ aufzuklären, in dem es letztlich um ein „verbotenes“ Buch geht. Mit dem Personal – zumindest dem männlichen – müssen sich Kenner des Films aus den Achtzigerjahren nicht erst vertraut machen. Die Akteure tragen die gleichen Namen – Adelmo, Berengar, Malachias, Remigio, Severinus, und auch die Umstände ihres (gewaltsamen) Todes sind dieselben. Der Zuschauer fremdelt nur kurz mit den in diesen Rollen ungewohnten Gesichtern, obwohl sich aus der Ur-„Rose“ Schauspieler wie Helmut Qualtinger, Volker Prechtel oder Michael Habeck ins Gedächtnis eingebrannt haben.

Auch Sean Connery als William von Baskerville und F. Murray Abraham als Inquisitor Bernardo Gui vergisst man schnell in Giacomo Battiatos Inszenierung. Der William der Serie, John Turturro (er schrieb auch am Drehbuch mit) agiert natürlicher, menschlicher als der stets ein wenig zu sehr Allwissenheit ausstrahlende Connery. Und Rupert Everett gibt seinem Inquisitor eine beeindruckende Präsenz. Leichtes Spiel hat schließlich der junge Daniel Hardung, bekannt aus der Vox-Serie „Der Club der roten Bänder“, als Adson von Melk. Er steht Christian Slater in nichts nach.

Die Macher der deutsch-italienischen Koproduktion, die 26 Millionen Euro kostete, stockten das Personal auf und erweiterten – buchstäblich – den Horizont. In der Serie gibt es zwei starke Frauenfiguren, neben der jungen Geliebten Adsons (Nina Fotaras) die von Greta Scarano gespielte Margherita, Gefährtin des Aufrührers Fra Dolcino (Alessio Boni), die sich am Inquisitor rächen will. Viele Szenen spielen außerhalb der Klostermauern, zeigen das „einfache Volk“, das gegen die weltlichen und kirchlichen Herrscher aufbegehrt. Die Serie widmet – naturgemäß – dem historischen Hintergrund mehr Raum als der Film von 1986, zeigt in vielen Dialogen die Vertreter der Inquisition, des behaupteten „wahren Glaubens“, die in einen regelrechten Blutrausch geraten und ihre Gegner zu Hunderten zu Ketzern erklären. Der makabre Satz: „Wie unterscheiden wir die wahren Christen von den Ketzern?“ – „Wir töten sie alle, Gott wird die Seinen erkennen!“ steht sinnbildlich für diesen Terror im Namen der Religion.

Bleibt die Frage, ob sich der Achtteiler so weit emanzipieren kann von Annauds Klassiker, dass er die entsprechende Attraktion auf zahlende Zuschauer ausübt. Regisseur Battiato ist überzeugt davon, dass das gelingt. „Das Buch ist nicht nur ein Roman“, sagte er jüngst in einem Interview mit „TV Spielfilm“, „es ist ein Labyrinth, so wie die Bibliothek, die in dem Buch beschrieben wird. Geschichte und Politik, Religion und Philosophie, Eros und Gewalt, Ironie und Wahnsinn – kommt alles vor.“ Und Koproduzent Kloiber setzt auf eine Klientel, die zu jung ist, um den Film noch zu kennen: „Wir bieten nicht nur belesenen Zuschauern eine neue Interpretation, sondern begeistern auch ein junges Publikum mit einer zeitgemäß umgesetzten Geschichte.“

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