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Schauspieler Wilfried Klaus mit tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt.

Interview

Zum 75: Ex-Soko-5113-Chef Wilfried Klaus im Verhör

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München - tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt tritt den Schauspieler Wilfried Klaus einen Tag vor seinem 75. Geburtstag in der Schwabinger Brasserie La Bohème zum Frühstück. Im Interview besprechen sie auch, warum der Ex-Soko-Star im Gefängnis geboren wurde.

 Er bestellt Bircher Müsli mit Milchkaffee (sie Münchner Weißwürscht mit alkoholfreiem Weißbier). Beide sind im Zeichen des Krebses geboren und schätzen die Harmonie. Ich hab die Akten gewälzt: Sie sind im Gefängnis geboren!

Wilfried Klaus: Nicht ganz, aber auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Bernau – in einer Beamtenwohnung. Mein Vater war dort Leiter der landwirtschaftlichen Betriebe. 1948 sind wir dann für zwei Jahre in die JVA Straubing gezogen.

Da hatten Sie ja früh Kontakt mit dem Verbrechen ...

Klaus: Nicht direkt. Aber weil mein Vater starker Raucher war, hat er den Tabak selbst angebaut und zum Trocknen aufgehängt – wir Kinder haben uns dann einen Mordsspaß daraus gemacht und davon etwas für die Freigänger stibitzt, die sehr dankbar waren .

Wollten Sie vielleicht deshalb Fernsehkriminaler werden? 

Klaus: Nein, die Liebe zum Schauspiel hat sich über meine Mutter entwickelt. Sie war an der Kunstakademie und ist mit mir als Kind nicht nur in Ausstellungen, sondern auch ins Theater und in die Oper gegangen. Als ich den jungen Hans Clarin auf der Bühne erlebte, wollte ich nichts mehr anderes als Schauspieler werden und dieselbe Ausbildung machen wie er bei Ruth von Zerboni in Gauting. Mit Siebzehneinhalb spielte ich dann meine erste Rolle am alten Volkstheater mit Elmar Wepper, und später hatte ich das große Glück, auch mit Clarin zusammen spielen zu dürfen.

... und mit 36 Jahren wurden Sie Horst Schickl. Wie viel Klaus steckt eigentlich in Schickl und umgekehrt? 

Klaus: Hmm. Vielleicht die humorigen Sachen, das, was man mit einem Augenzwickern spielt ... Die Figur ist ja festgelegt, und ich wollte sie immer als Sympathieträger spielen, der das Team zusammenhält. Irgendwann hat mal jemand zu mir auf der Straße gesagt: „Mei, so an Chef wie Sie hätt i aber gern ghabt.“

Aber das Freundliche, stets Verbindliche, Korrekte, das ist doch auch Ihr eigenes Wesen ...? 

Klaus: Ja schon. Und ich wollt ja, dass der Schickl in der Serie der Sympathieträger ist. Es gibt ja auch die anderen Kriminaler, die bewusst störrisch sind. Aber eigentlich spielt man so eine Rolle ja auch, dass man gemocht wird, dass einen die Leute gern sehen. Spielen Sie dann lieber die Guten als die Schlechten?

Klaus: Ach, das ist mir gleich lieb. Ich hab am Theater viele Bösewichte gespielt, bis rauf zum Jago im Othello, und vor der Soko war ich auch oft der Täter. Wenn eine Rolle schön ist, macht der Gute genauso Spaß wie der Böse. Wobei die negativen Rollen oft mehr hergeben.

Haben Sie persönlich auch eine schlechte Seite?

Klaus: Ganz sicher. Aber was soll i jetzt da sagn?

Die Wahrheit.

Klaus: Ich weiche gerne Konflikten aus. Und wenn es sich dann zu stark ansammelt, kommt man nicht mehr raus. Das hat mir früher oft Schwierigkeiten bereitet – vor allem in Beziehungen, wenn das Gegenüber energisch ist. Aber meine zweite Frau ist Krebs wie ich – sie ist am Dienstag 75 Jahre alt geworden –, da ist es wunderbar: Man geht einfach vorsichtiger miteinander um.

Mit Wera haben Sie das große Glück gefunden ...

Klaus:Oh ja! Wir haben uns bei Ruth von Zerboni kennengelernt und miteinander geturtelt, aber jeder hat eine andere Familie gegründet. 1988 haben wir uns beim 30-jährigen Schauspielschülertreffen wiedergesehen. Und wie Fröbe so schön sagte: Wir waren durch Zufall frei. Glücklicherweise haben wir auch dieselben Interessen: Theater, Oper, unser Garten in Niederbayern.

Davon gibt’s ein Foto in meinen Akten, wo Sie gerade Kiwis ernten ... 

Klaus:1280 Stück im letzten Jahr. Unsere beiden Söhne aus unseren ersten Ehen haben uns dazu ermuntert, zwei Bäume zu pflanzen. Jahrelang ist nichts passiert, dann kamen diese große Blüten und dann waren Kiwis dran.

Hört sich nach großer Idylle an. Wann fahren Sie mal aus der Haut?

Klaus: Das dauert sehr lang, aber wenn, dann kracht’s. Zum Beispiel, wenn ich das Gefühl hab’, dass mir jemand auf die Füße treten will oder ich ungerecht behandelt werde.

Genießen Sie jetzt mehr Ihren Ruhestand oder das Drehen?

Klaus: Beides. Ich durfte kürzlich bei Franz Xaver Bogner eine sehr schöne Rolle für München 7 spielen und eine bei der Stuttgarter Soko als Demenzkranker, beide werden im Herbst ausgestrahlt, sonst ist es eher ruhig.

Was wollen Sie noch unbedingt?

Klaus: Gesund bleiben – dafür kann man aber einiges tun. Was ich mir wünschen würde – so wie jetzt die Filme von Bogner oder das von der Soko Stuttgart –, dass ich noch einige schöne Rollen spielen kann, die eben meinem Alter entsprechen. Wo ich noch einmal so ein i-Tüpferl auf die 30 Jahre Soko 5113 setzen und zeigen kann, dass immer noch was vorwärts geht!

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