Interview: "Es macht viel Spaß, dieses Ekel zu spielen"

München - Der Münchner Schauspieler Gerd Anthoff über Senta Berger und seine Rolle im ZDF-Krimi "Unter Verdacht".

"Publicity mog i ned", bügelt er meist Journalisten ab, die ihn um ein Interview bitten. Gerd Anthoff, Ensemblemitglied des Münchner Residenztheaters, ist ein eher zurückhaltender Mensch, von dem man privat nur weiß, dass er gerne wandert und zwei erwachsene Söhne hat. Weil aber die preisgekrönte ZDF-Krimiserie "Unter Verdacht" mit ihm und Senta Berger erfolgreich ist und auch bleiben soll, ließ er sich kurz vor Ausstrahlung des neunten Falls "Hase und Igel" (morgen, 20.15 Uhr) doch auf ein Gespräch ein.

- Ist es hilfreich, den Interview-Muffel Anthoff mit Herrn Staatsschauspieler anzureden?

Nein, ich glaube, es ist mindestens 30 Jahre her, dass in Deutschland ein Kollege so angesprochen wurde. Ich habe und trage diesen Titel auch nicht, obwohl ich seit Beginn meiner Karriere ein festes Engagement am Bayerischen Staatsschauspiel habe.

- Österreichische Schauspieler legen manchmal Wert auf so einen Titel.

Wir Bayern sind zwar nahe dran an den Österreichern, aber so nahe dann auch wieder nicht.

- Warum drängt es einen namhaften Bühnenschauspieler wie Sie mit zunehmendem Alter immer häufiger vor eine Kamera?

Angebot und Nachfrage! Ich bekomme jetzt eben häufiger gute Rollenangebote vom Fernsehen, und die Bezahlung ist natürlich auch entschieden besser als beim Theater. Aber ich bin immer noch sehr gerne auf der Bühne des Münchner Residenztheaters, seien Sie gewiss.

- Seit 2002 spielen Sie den Gegenpart von Senta Berger in der ZDF-Krimi-Reihe "Unter Verdacht". Dieser Kommissariatsleiter Dr. Claus Reiter ist ein arroganter, durch und durch korrupter Widerling. Wie kommen Sie mit dessen Image zurecht?

Sehr gut. Was meinen Sie, wie viel Spaß es macht, dieses Ekel zu spielen! Ist doch auch schön, für so eine Rolle seine eigenen dunklen Seiten zu entdecken und sie auf eine gepflegte Art und Weise ausleben zu können.

- Ihre Untergebene im Film, Kriminalrätin Dr. Eva Prohacek, könnte Sie manchmal in der Luft zerreißen. Dann wieder redet sie kollegial mit Ihnen.

Na ja, ich bin schließlich nicht durchgehend fies und oberflächlich. Ich versuche, der Figur doch auch einen Hintergrund zu geben, die Beweggründe für ihr Verhalten durchscheinen zu lassen: Angst und Minderwertigkeitsgefühl! Es war mir wichtig, dass die Bösartigkeit des Dr. Reiter unter einer Maske aus Liebenswürdigkeit verborgen ist. Eine wunderbare Herausforderung für einen Schauspieler.

- Schicken die Zuschauer neben Autogrammwünschen an Gerd Anthoff auch mal Droh- oder Schmähbriefe an Dr. Reiter?

Nein, das wäre auch noch schöner. So blöd sind die Leute nun doch nicht, dass sie einen Schauspieler mit einer Filmfigur verwechseln.

- Die Zusammenarbeit mit der Ikone Senta Berger ist für Sie...

...ein einziges Vergnügen. Allerdings ist das Wort Ikone fast eine Beleidigung für sie. Senta ist charmant, liebenswert und hochprofessionell. Ich freue mich auf jeden Drehtag mit ihr und unserem Kollegen Rudolf Krause.

- Die Reihe "Unter Verdacht" lebt auch von den ständigen Reibereien zwischen Ihrer und Bergers Figur. Da gibt es viel Witz, List und Tücke...

...und Bösartigkeiten von beiden Seiten, nicht zu vergessen. Das finde ich ganz spannend, dass auch die Prohacek fies und mies sein kann.

- Wie lange lässt sich dieser Bürokrieg zwischen den beiden denn noch durchhalten?

Eigentlich sollte Dr. Reiter spätestens nach der zweiten Folge abserviert werden. Aber dann hat man wohl Gefallen an diesem Hase-und-Igel-Spiel gefunden, und es funktioniert. Ich hoffe auf noch viele Fortsetzungen.

- Sie arbeiten viel mit bayerischen Kollegen im Fernsehen. Kein Zufall, oder?

Nein, meine Rollen sind meist in Bayern beheimatet, und ich spreche ja auch häufig Dialekt im Fernsehen. Vor die Wahl gestellt, würde ich aber immer entscheiden: lieber mit einem netten, hochdeutsch sprechenden Kollegen arbeiten als mit einem bayerischen Blödmann. Heißt: Es ist mir völlig wurscht, was für ein Landsmann jemand ist, Hauptsache er ist liebenswert, ist ein Profi und legt am Set kein Star-Gehabe an den Tag.

- In Ihrem neuen Fall "Hase & Igel" gerät Dr. Reiter unter ungeheuerlichen Verdacht. Er soll einen Kollegen vorsätzlich ins Gefängnis gebracht haben, um selber Karriere machen zu können. Was haben Sie empfunden, als Sie das Drehbuch in die Hand bekamen?

Dass hier vielleicht etwas überzeichnet, aber durchaus exemplarisch dargestellt wird. So geht es doch heutzutage in manchen Betrieben zu: In dem Moment, wo jemand aus den eigenen Reihen befördert werden soll, fängt ein großes Hauen und Stechen an.

- Wer "Unter Verdacht" regelmäßig sieht, bekommt leicht den Eindruck, Politik und öffentlicher Dienst in Deutschland seien durch und durch korrupt. Oder ist das eher ein ironischer Einblick in bayerische Spezlwirtschaft?

Ich glaube, bayerische Spezlwirtschaft kann man gut kopieren und in ganz Deutschland verteilen. Nein, im Ernst: Wir machen Fernsehfilme, Krimis, keine Dokus.

- Alles nur Unterhaltung?

Sicher nicht. Ich vermute mal, dass mehr als nur ein kleiner Bruchteil unserer Geschichten auch im realen Leben stattfindet.

Das Gespräch führte Fabian Korff.

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