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Beide lässig in Jeans und beide in Topform: Kathrin Ackermann (l.) und Maria Furtwängler beim Interviewtermin.

Premiere für Furtwängler und Ackermann

Mutter und Tochter im Interview: "Uns verbindet die Spiellust"

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München - Erstmals stehen Maria Furtwängler und ihre Mutter Kathrin Ackermann gemeinsam auf der Theaterbühne. Vorher sprechen die Schauspielerinnen in Interview über das Projekt.

Auch wenn Töchter bei diesem Satz am liebsten aus dem Fenster springen: Von hinten sehen Maria Furtwängler (50) und ihre Mutter Kathrin Ackermann (77) aus wie Schwestern. Knappe Jeans, lässig und eine Bombenfigur - die beiden Schauspielerinnen laufen beim Interview im Bayerischen Hof zur Höchstform auf. Am Montag feiern sie in der Komödie mit Yasmina Rezas Episodenroman "Glücklich die Glücklichen" Premiere.

Es ist die erste gemeinsame Theaterarbeit für Mutter und Tochter, die schon früh zusammen vor der Fernsehkamera standen. Seit 2004 hält Ackermann ihrer Maria im Tatort den Rücken frei, wenn Kommissarin Lindholm einen Babysitter braucht. Sie sind ein eingespieltes Team - auch im Gespräch. Zwei starke Frauen, die ihren Freiraum brauchen. Das Sofa im Café des Hotels teilen sie nur fürs Interviewfoto, den Humor und die Begeisterung für Rezas Abrechnung mit dem Bürgertum auch im echten Leben.

Sie stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne. Aufgeregt?

Maria Furtwängler: Ich bin sehr gespannt. Für mich, die ich ohne große Schauspielausbildung aus dem Fernsehen komme, hat das Theater immer einschüchternd gewirkt. Es beeindruckt mich, wie beispielsweise meine Mutter das Handwerk beherrscht.

Kathrin Ackermann: Wir spielen ja kein Theaterstück im klassischen Sinne. Es ist eine Lesung, bei der wir die einzelnen Rollen mit weiteren Kollegen sehr lebendig gestalten wollen.

Haben Sie den Roman gemeinsam ausgewählt?

Ackermann: Nein, meine Tochter hat sich von mir zu diesem Projekt verführen lassen.

Furtwängler: In gewisser Weise schon. Diese Arbeit stand nicht ganz oben auf meiner Prioritätenliste, aber der Enthusiasmus meiner Mutter war groß und Rezas Texte brillant. Außerdem hatte ich die Chance, mit dem Schauspieler Peter Fricke zu arbeiten, den ich aus meiner Kindheit kenne. Er hat mir viele wertvolle Tipps für meine erste Lesung auf der Bühne gegeben. Und das ist es, was mich immer reizt: neue Herausforderungen.

Hätten Sie die Tipps von Ihrer Mutter angenommen?

Furtwängler: Also, ich fand das prima mit Peter Fricke. Ich glaube, es wäre mir auf die Nerven gegangen, wenn meine Mutter mich kritisiert. Und sie fände es sicher auch unerträglich, wenn ich sie kritisiere.

Wie ehrlich können Sie zueinander sein?

Ackermann: Das ist schwierig. Ich erinnere mich an Marias erste Theaterproduktion. Ich war verunsichert, hatte irgendwie Angst, dass du was falsch machst, und habe eine Kritik losgelassen, die völlig daneben war. Das war falsch, und es tut mir heute noch leid.

Furtwängler: Natürlich ist das ein sensibler Bereich, aber ich finde, dass wir das ganz gut hinkriegen. Mal geht man mehr, mal weniger feinfühlig miteinander um. Da müssen sich Mütter und Töchter immer wieder einpendeln.

Worin ähneln Sie Ihrer Mutter und was unterscheidet Sie?

Furtwängler: Was uns verbindet, ist auf jeden Fall eine große Spiellust und ein gewisses Maß an Extrovertiertheit. Der größte Unterschied liegt vielleicht ...

Ackermann: ... in deiner Ernsthaftigkeit. Du bist viel strukturierter, als ich es je war.

Furtwängler: Das kann schon sein. Vielleicht suche ich noch mehr nach den tieferen Vorgängen, will Emotionen besser verstehen. Meine Mutter hat eine expressivere, leichtere Art, an die Dinge heranzugehen.

Ihre Tochter war 17 und studierte Medizin, als Sie mit ihr die Serie "Eine glückliche Familie" drehten. Haben Sie in ihr mehr die Ärztin gesehen?

Ackermann: Ich habe nie die Schauspielerin in ihr gesehen. Maria war naturwissenschaftlich überaus begabt. Und ich fand Medizin immer toll. Das war etwas, was mich selbst interessiert hat. Vielleicht hat sich das übertragen.

Furtwängler: Auf jeden Fall. Andererseits war die Schauspielerei auch durch meine Mutter besetzt. Das war ihr Ding. Nicht dass sie es mir je ausgeredet hätte, aber ich habe eine Weile gebraucht, um meinen Weg zu finden.

Yasmina Reza schreibt, dass die Fähigkeit zum Glücklichsein auch Veranlagung ist. Tragen Sie die in sich?

Ackermann: Von mir würde ich sagen ja. Bei dir bin ich mir nicht sicher. Was meinst du?

Furtwängler: Ich glaube schon, dass es Menschen gibt, bei denen diese Veranlagung ausgeprägter ist als bei mir. Leute, die morgens aufstehen und einfach glücklich sind. Ich habe Yasmina Reza einmal persönlich kennengelernt. Sie ist eine starke, kluge Frau. Wer so differenziert schreibt, muss eine innere Spannung haben, die sich nicht nur aus Glück nährt. Da gehören Sehnsucht, Unglück und Pessimismus dazu. Darin finde ich mich sicher auch wieder.

Hat der Satz "Meine Mutter ist meine beste Freundin" bei Ihnen zugetroffen?

Ackermann: (lacht) Ich glaube, dafür hatte Maria immer zu viele gute Freundinnen.

Furtwängler: Och, für die Kindheit oder Pubertät würde ich das schon unterschreiben. Aber mit dem Erwachsenwerden ändert sich das natürlich.

Wie offen können Sie über Themen wie Alter sprechen?

Furtwängler: Wirklich sehr offen. Aber ich habe ja das Glück, eine Mutter zu haben, bei der ich froh bin, wenn sie mir auf Bergtouren nicht davonläuft. Sie ist fit wie ein Turnschuh und hat eine Energie, die weit über der meinen liegt. Von daher ist das Thema nicht so präsent. Aber mir ist bewusst, was für ein Geschenk das ist. Mein Vater war in ihrem Alter schon an Demenz erkrankt.

Wie lange halten Sie es am Stück miteinander aus?

Furtwängler: Also letztes Jahr haben wir als ganze Familie den Kilimandscharo bestiegen und waren zehn Tage unterwegs.

Gibt es nichts, worüber Sie sich streiten?

Furtwängler: Doch, meine Mutter regt sich irrsinnig darüber auf, wenn ich oder die Kinder den Müll nicht richtig trennen.

Ackermann: Na komm, ich lasse das aber nicht eskalieren! Ich stelle es fest, habe es aber längst aufgegeben, euch umzuerziehen.

Furtwängler: (schmunzelt) Zum Glück verbindet uns ein starker Humor. Die Fähigkeit zu lachen über uns und den anderen – das ist es doch, was einen, auch in Yasmina Rezas Geschichten, am Ende immer versöhnt.

Interview: Astrid Kistner

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