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Trafen sich im Münchner Augustiner: Axel Prahl und Merkur-Redakteurin Stefanie Thyssen.

Interview mit dem „Tatort“-Star zum Münchner Konzert

Auf eine Mass mit Axel Prahl

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Axel Prahl kennt man vor allem als „Tatort“-Kommissar Frank Thiel aus Münster. Doch der 57-Jährige macht auch Musik – und zwar richtig gute. Derzeit tourt er durch Bayern. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen. 

München –  Der Taxifahrer freut sich: „Ich habe Sie doch erst am Sonntag im ,Tatort‘ gesehen!“ Der Kellner im Münchner Augustiner ist happy, dass wir uns an seinen Tisch setzen. Zahlreiche Gäste im Biergarten schauen sich um, tuscheln kurz und fragen dann nach einem Selfie. Und Axel Prahl? Ist zu allen hinreißend freundlich, geduldig, nahbar, kurz – ohne jede Allüre. Der 57-Jährige spielt am Donnerstag, 20. Juli, mit seinem Inselorchester im Münchner Brunnenhof. 

Haben Sie schon den Wetterbericht für Donnerstagabend gecheckt?

Ja, das habe ich. Ich hoffe sehr, der Wettergott meint es diesmal gut mit uns und es bleibt trocken…

Bei Ihrem Konzert im Brunnenhof vor einigen Jahren hat es wie aus Kübeln geschüttet.

Axel Prahl: Ich erinnere mich. (Lacht.) Aber das Tolle war – und das werde ich den Münchnern nie vergessen – dass die, die gekommen waren, bis zum Schluss geblieben sind. Das war außerordentlich. Allein schon deswegen haben wir alle in diesem Jahr gutes Wetter verdient. Ich hoffe und bete…

Es ist gar nicht so einfach, Ihre Musik einem Genre zuzuordnen. Wie würden Sie beschreiben, was die Zuhörer erwartet?

Axel Prahl: Da sind Chansons dabei, Singer-Songwriter-Stücke, Rock und Pop. Zu Beginn des Konzertes spielen wir auch zwei, drei Coversongs. Ich habe auch einige neue, eigene Kompositionen dabei und bin gespannt, wie sie dem Münchner Publikum gefallen.

Und Sie machen schon viel länger Musik, als dass Sie als Schauspieler arbeiten. Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Axel Prahl: Meine Mutter war sehr musikalisch, von ihr habe ich womöglich das Talent geerbt. Ich habe dann mit Kirchenmusik angefangen, bin über den klassischen Bereich zum Modernen gekommen. Fürs Lagerfeuer habe ich mir dann Cat Stevens und solche Sache draufgeschafft.

Um die Mädels zu beeindrucken?

Axel Prahl: Ja klar! Das Problem war nur: Als ich dann irgendwann spielen konnte, saßen die Mädels am Lagerfeuer, knutschten mit meinen Kumpels rum und freuten sich, dass ich die Musik dazu machte nach dem Motto: Axel, spiel doch noch einen.

Sie haben in jungen Jahren als Straßenmusiker in Spanien gelebt.

Axel Prahl: Ja, das war eine meiner wichtigsten Phasen im Leben. Viele hundert Kilometer von der Heimat entfernt, ohne Geld – das war schon eine Herausforderung. Denn es gab ja auch Tage, an denen es regnete und ich nicht spielen konnte. Da stand ich dann vorm Supermarkt und habe die Leute auf Spanisch gefragt: Haste mal ’ne Mark? Aber ich habe mich durchgekämpft. Und finde, dass es eine gute Erfahrung war.

Wieso haben Sie Ihre erste CD erst vor ein paar Jahren aufgenommen?

Axel Prahl: Ein Debüt mit 51 – das muss man auch erst mal schaffen, oder? (Lacht.) Ich wollte mir einfach im fortgeschrittenen Lebensalter meinen Jugendtraum verwirklichen – eine eigene Langspielplatte mit Liedern, die ich selbst komponiert und geschrieben habe. Mit meinem Namen drauf. Und weil das gut ankam und wir immer mehr Konzerte spielen durften, ist die Musik mittlerweile ein echter separater Berufszweig geworden. Neben der Schauspielerei.

Gutes Stichwort, wir müssen natürlich auch über den „Tatort“ reden. Die Fälle aus Münster mit Ihnen und Jan Josef Liefers sind die beliebtesten von allen. Was macht diese Arbeit für Sie ganz persönlich aus?

Axel Prahl: Ich weiß, dass ich dem „Tatort“ ganz viel zu verdanken habe. Und ich glaube, dass sich viele Leute mit diesem Team – es sind ja nicht nur Jan Josef Liefers und ich – identifizieren können. Das ist wichtig. Apropos Team: Wenn zum Beispiel Vaddern alias Claus Dieter Clausnitzer sagt, er will nicht mehr – was er gottlob nicht tut –, dann würde das den „Tatort“ Münster total verändern. Der Cast aus Jan Josef Liefers, Christine Urspruch, Friederike Kempter, Mechthild Großmann, Claus Dieter Clausnitzer und mir ist meiner Meinung nach ein ganz wesentliches Kernstück dieser Krimis.

Sie und Jan Josef Liefers wirken – auch abseits des „Tatort“ – fast wie Seelenverwandte. Sind Sie schon lange befreundet?

Axel Prahl: Es kommt mir zwar so vor, aber wir haben uns tatsächlich erst durch den „Tatort“ kennengelernt. Aber da war es Liebe auf den ersten Blick. Wäre ich nicht glücklich verheiratet… Scherz beiseite. Eigentlich sollte Ulrich Noethen die Rolle von Professor Boerne spielen. Der hat aber zwei Wochen vor Drehbeginn abgesagt. Die Gründe haben wir bis heute nie erfahren. Es wurde damals dann händeringend nach Ersatz gesucht – und erfreulicherweise fiel die Wahl auf Jan Josef.

Ist dieser Kommissar Thiel eigentlich die Figur, in der am meisten von Ihnen selbst steckt?

Axel Prahl: Das denken viele. Aber die Antwort ist eindeutig nein. Thiel ist beispielsweise komplett unmusikalisch. Damit geht’s schon mal los. (Lacht.) Ich trinke – abgesehen von heute hier – eigentlich lieber Wein als Bier und bin schon ein Kenner des guten Geschmacks. Ich mag gehobene Küche und verabscheue auch nicht – wie Thiel es tut – die Leute, die die gehobene Küche mögen. Insofern könnten wir verschiedener nicht sein.

Aber St. Pauli-Fan sind Sie auch privat.

Axel Prahl: Ich bin kein Fan, sondern ein großer Sympathisant. Das ist ein Unterschied. Ich schlafe nicht in St. Pauli-Bettwäsche.

Kommen wir zum Schluss nochmal zur Musik. In Ihrem Lied „Schön, dass du da bist“ geht es um die Vergänglichkeit und darum, dass einem irgendwann nur die Erinnerung bleibt. Ist das eine Angst, die Sie umtreibt – dass das schöne Leben irgendwann nicht mehr so rundläuft?

Axel Prahl: Glück kann man nicht festhalten. Ich bin jemand, der im Hier und Jetzt lebt. Ich bin der Meinung, wenn man zu gern zurückschaut, kann das hinderlich sein, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Außerdem: Alles, was mal war, kann man eh nicht mehr ändern. Und andersherum: Wenn man zu sehr in die Zukunft schaut, wird die Erwartungshaltung so groß. Und das mag ich auch nicht.

Informationen zum Konzert in München:

Axel Prahl spielt am Donnerstag, 20. Juli, um 20 Uhr im Brunnenhof der Münchner Residenz. Karten unter www.muenchenticket.de oder Telefon 089/ 54 81 81 81.

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