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Als 31-jähriger Ex-Teenie-Star die Titelrolle in dieser langlebigen - und eher gemütlichen - Serie zu bekommen, macht ihn stolz: Wayne Carpendale. Bekannt geworden ist er durch die tägliche Seifenoper " Sturm der Liebe ".

Interview

"Uncool find’ ich es nicht"

Wayne Carpendale ist der neue "Landarzt" - Er spricht über sein Alter und sein Image - Morgen Pilotfilm im ZDF.

Wayne Carpendale (31) spielt in Deutschlands langlebigster Medizinerserie den neuen "Landarzt". Mit Beginn der 18. Staffel löst er Walter Plathe ab. Den Pilotfilm zeigt das ZDF am morgigen Donnerstag um 20.15 Uhr, danach läuft die Serie immer freitags um 19.25 Uhr.

Warum der Wahlmünchner und Schlagersänger-Sohn mit den berühmten Freundinnen (früher Yvonne Catterfeld, jetzt Annemarie Warnkross) ausgerechnet eine so gemütliche Rolle auf dem Dorf übernimmt, hat er uns im Gespräch erklärt.

Als neuer "Landarzt" reiten Sie allen Ernstes ins Dorf ein. Wird die langlebigste deutsche Arztserie nun zum Western?

(lacht) Nein, ich besuche meine Patienten künftig nicht mit dem Pferd. Aber es war natürlich ein schöner Weg, die Landschaft einzubinden. Und ich bin ja - hoffentlich - nicht der Allerspießigste. Da hilft es, meine Figur mit etwas Naturverbundenheit einzuführen.

Symbolisiert Dr. Bergmanns Umzug von Hamburg nach Schleswig-Holstein auch den Drang zur Stadtflucht, die immer mehr Menschen zurück ins Grüne treibt?

Das kann man so sehen. Ich selbst habe gerade ein halbes Jahr auf dem Land gelebt, bin aber durch und durch urban. Ich liebe die Stadt, aber beim Aufwachen das Meer rauschen zu hören, ist wundervoll. Dann aber am Wochenende zurückzukehren nach München, das Stadtleben zu spüren, den Englischen Garten als Mittelding - diese Mischung war mir wichtig. Das entspricht auch meinem Naturell, die Kontraste des Lebens zu suchen.

Stimmt es, dass Sie nebenberuflich DJ sind?

Das ist ein Gerücht (lacht). Udo Jürgens’ Sohn legt auf.

Ist es nicht uncool, als 31-jähriger Ex-Teeniestar mit glamourösen Freundinnen und Howard Carpendale als Vater so eine eher gemütliche Serie zu drehen?

Uncool find’ ich es nicht. Ich bin ein Fan von Langfristigkeit, gerade in der heutigen Krisenzeit. Betrachten wir es doch als Herausforderung, die Probleme eines modernen 31-Jährigen zum Thema einer ländlichen Serie zu machen. Außerdem soll ich mit meinem Alter und meinem Bild...

Als Seifenopern-Star und Schlagersänger-Sohn.

... die Bandbreite des "Landarzt"-Publikums erweitern, auch als Wayne, der den Weg von der Stadt aufs Land gefunden hat. Bei Schnittfolge, Plots, Besetzung - da hat sich da schon einiges gewandelt.

Sucht nicht dennoch schillerndere Rollen, wer wie Sie den roten Teppich gewöhnt ist?

Um Gottes Willen, nein. In meinem Alter die Titelrolle einer so langlebigen Serie zu kriegen, ist Vertrauensbeweis und Ehre zugleich. Die Marke läuft ja gut, beim älteren Publikum erfolgreicher als beim jungen, aber bitte: Wir müssen uns auch der Bevölkerungsentwicklung stellen. Die Zielgruppe 14 bis 49 Jahre ist unrealistisch. Sogar die Privaten sagen, das sei eine fixe Idee gewesen, um die Marktführerschaft zu erringen, eine Erfindung von RTL-Chef Thoma. Und am Ende ist es doch egal, wen man unterhält, Hauptsache man tut es gehaltvoll.

Man assoziiert Fernsehen für Ältere schnell mit dem "Musikantenstadl".

Aber das hat doch auch seine Existenzberechtigung. Ich will jetzt keine Lanze für die Volksmusik brechen, aber die "coole" Musik beim "Echo" kann oftmals nur existieren, weil die für ältere Leute so viel Kohle abwirft. Das ist wie im Fernsehen, wo tägliche Serien das Geld für anspruchsvollere wöchentliche abwerfen. Da muss man eine Balance finden. Mann muss so was ja nicht mögen - aber es ist doch schön für achteinhalb Millionen Zuschauer, wenn Sie sich gut unterhalten fühlen durch Rosamunde Pilcher.

Zu der Sie nie Berührungsängste hatten?

Ich nenne es mal Bandbreite. Aber stimmt schon: Ich habe als "Landarzt" erstmals regelmäßig Kontakt zu Männern, weil ich sonst hauptsächlich Liebesfilme spiele. Außerdem habe ich genug Erfahrung mit Stempeln: Sohn von, Freund von, Zukünftiger von, Darsteller von. Bis jetzt ging aber jeder Stempel wieder ab.

Außer der, familienaffin zu sein.

Gut, meine Filme sind nie altersbegrenzt. Aber das hängt auch damit zusammen, wie man besetzt wird. Meine Rolle als "Landarzt" hab’ ich immerhin bekommen, weil ich dort in einer Episode den Unsympathen gespielt habe, aber es ist sicher nicht mein Lebensziel zu polarisieren. Wir sprechen wie fast alle Sender um diese Uhrzeit ein möglichst breites Publikum an. Wenn wir zu Diskussionen anregen können, ist das schön, aber ich will vor allem unterhalten.

Keine Lust, mal wie Ralph Fiennes in "Schindlers Liste" einen diabolischen Nazi mit Engelsaugen zu spielen?

Das muss das Ziel sein. Aber auch Robert De Niro oder Tom Cruise mussten erst eigene Produktionsfirmen gründen, um sich gegen den Strich zu besetzen. Ohne eigene Firma, die hierzulande eher Moderatoren als Schauspieler haben, bin ich auf Angebote und Drehbücher angewiesen. Andererseits: Ich habe die Hälfte eines BWL-Studiums absolviert, da interessiert mich die geschäftliche Seite auch. Aber beim "Landarzt" habe ich immerhin mehr Einfluss auf die Rolle als bei der zweiten, dritten Rolle in normalen Filmen.

Was unterscheidet den "Landarzt" von "Sturm der Liebe"?

Bei einer wöchentlichen Serie dreht man sieben Minuten täglich, bei einer Daily Soap schon mal 47. Deswegen muss ein Daily-Schauspieler nicht schlechter sein, er hat nur weniger Zeit als der einer Weekly. Es erfordert mehr Kompromisse, ohne Proben 35 Seiten Text am Tag zu drehen. Auch wenn’s nicht jedermanns Sache ist: Die arbeiten sich echt den Arsch ab. Und in einer Daily kannst du heute den Vergewaltiger spielen und morgen den Liebhaber. Das zum Stichwort polarisieren.

Wird die Soap unterschätzt?

Nicht mehr, das belegen die Zuschauerzahlen. Aber auch die vielen Schauspieler, die darin groß werden. Nehmen Sie allein Alexandra Neldel.

Oder Sie.

Dankeschön.

Das Interview führte Jan Freitag.

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