Irrungen und Wirrungen

Xaver Schwarzenberger über das Tragische der Jugend und über seine Arbeit als Regie führender Kameramann.

Xaver Schwarzenberger zählt zu den produktivsten Regisseuren des deutschsprachigen Films. Zunächst war der 62-Jährige freischaffend als Kameramann tätig. Später arbeitete er meist als Regisseur und Kameramann in Personalunion - so auch bei "Die Liebe ein Traum", eine Tragikomödie über Liebes(w)irrungen junger Erwachsener, die morgen um 20.15 Uhr im Ersten läuft. Seine Karriere begann Schwarzenberger an der Seite Rainer Werner Fassbinders, der den gebürtigen Wiener im Jahr 1980 nach München holte und mit ihm unter anderem "Lili Marleen" und "Die Sehnsucht der Veronika Voss" drehte. Auch bei Loriots Filmen "Ödipussi" und "Pappa ante Portas" stand Schwarzenberger hinter der Kamera.

Nicht gerade typisch für Sie, einen Film über Mittzwanziger bis Mittdreißiger zu drehen. Brauchten Sie eine neue Herausforderung?

Stimmt. Normalerweise drehe ich über sehr erwachsene Menschen. Das war mal was anderes. Mich hat das einfach interessiert, aus gekonnten Geschichten auszusteigen, etwas Neues zu versuchen.

"Die Liebe ein Traum" - ein zweideutiger Titel - klingt nach Frauenfilm.

Der Titel ist angelehnt an ein Zitat Franz Grillparzers und ist in der Tat zweideutig: Ist Liebe ein Traum - oder nur ein Traum? Der Zweifel an der Liebe ist ja das Thema. Der Film handelt von Irrungen und Wirrungen der Liebe junger Menschen. Ich habe versucht, darin das Tragische der Jugend darzustellen.

Wobei Ihr Film auch witzige Farce ist.

Ja, es ist eigentlich eine Tragikomödie. Ich glaube, dass die Jugend weniger Humor hat als die Erwachsenen.

Warum?

Die Jugend sieht die Dinge des Lebens ernster, was ja auch gut ist. Als Erwachsener, wenn man mehr erlebt hat, ist Vieles relativ.

In dem Film geht es um ein Paar, das sich liebt, aber einfach nicht zueinanderfindet. Warum nicht?

Weil sie unterschiedliche Interessen haben. Und weil Missverständnisse und Kränkungen vorangestellt werden. Der eine glaubt vom anderen zu wissen, was er vielleicht wissen will - oder sogar, was er missverstehen will.

Sie thematisieren den Kampf zwischen Herz und Verstand. Ist das nicht längst abgedroschen?

Da haben Sie Recht. Aber es gibt nichts, was es noch nicht gab. Es geht immer ums Wie, nicht ums Was. Und man hofft, dass das Wie, das man darstellt, das Publikum dann interessiert.

Der Film spielt in Graz - mit deutschen und österreichischen Schauspielern. Die Deutschen sprechen Hochdeutsch, die Grazer österreichisch. Ein Versuch deutsch-österreichischer Völkerverständigung?

(Lächelt.) Der Film ist ja eine österreichische Produktion, ARD und ORF arbeiten zusammen. Wir waren uns einig, dass Graz eine wunderschöne Stadt ist. Wir wollten in einer kleinen Stadt spielen. Der Film ist ja keine Großstadtgeschichte. Graz ist ein bisschen ein verschlafenes Städtchen. In dem Film zieht es eine Person, - die Anna, die ja Stefanie Dvorak spielt - in die weite Welt, andere bleiben zurück. Ich glaube, das teilt sich mit, ohne dass man es merkt. Bei der Wahl der Schauspieler ist es wie mit einem Puzzle: Wer wirkt am besten für einen Charakter? Das ist gar nicht so einfach bei der jüngeren Generation. Vor allem, weil die Figuren erst Mitte 20, dann Mitte 30 sind. Ich wollte das glaubhaft hinbekommen, ohne großartig Falten ins Gesicht der Spieler zu schminken.

Sie haben auch neue Schauspieler ausprobiert...

Zum Beispiel den Florian David Fitz und Stefanie Dvorak. Ich wollte auch unbekannte Schauspieler einbringen.

Es gibt viele Rückblenden. Warum? Man hätte die Handlung auch ohne Rückblenden verstanden.

Mag sein. Man hat ja immer die Vorgabe, dass ein Film verständlich sein soll. Es kann sein, dass man manchmal überdeutlich sein will. Und dieser Film soll ja ein großes Publikum ansprechen.

Sie sind schon lange Regisseur und Kameramann in Personalunion. Ist das von Vorteil bei den Dreharbeiten?

Es gibt weniger Diskussionen und Missverständnisse. Das macht die Arbeiten weniger kompliziert. Auch für die Spieler ist es angenehm, wenn sie nur einen Ansprechpartner haben. Da ich von der Fotografie komme, wollte ich mir die Kamera auch als Regisseur nicht aus der Hand nehmen lassen. Regisseur und Kameramann zu sein, erfordert viel Arbeit und Konzentration. Aber es ist machbar als fleißiger Mensch.

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