Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort

Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
+
In „Animals“ lösten Batic und Leitmayr (Miro Nemec und Udo Wachtveitl) 1991 ihren ersten Fall.

20 Jahre „Tatort“ mit Nemec und Wachtveitl

München - Ein echter Münchner und ein Bayer mit kroatischen Wurzeln – diese Paarung führte zum Erfolg. Seit 20 Jahren sind Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec die Gesichter des BR-„Tatort“.

Die erste Begegnung zwischen den späteren Kollegen verlief wenig erfreulich. Man traf sich im Biergarten, und der gebürtige Münchner Udo Wachtveitl empfand das demonstrativ breite Bairisch, mit der sich der gebürtige Kroate Miroslav Nemec sein Bier bestellte, als plumpe Anbiederung. Dass es sich dabei auch noch um ein alkoholfreies Bier handelte, machte die Sache selbstredend nicht eben besser. Nach fast genau 20 Jahren (den ersten Fall lösten die beiden am Neujahrstag 1991 in der Folge „Animals“) und nunmehr 56 gemeinsamen „Tatort“-Folgen versteht sich das gegensätzliche Duo recht gut. Man hat gelernt, einander zu schätzen und die Unterschiede zu akzeptieren.

Eine andere Wahl hatten sie kaum, der überwältigenden Erfolg des Münchner „Tatort“ hat sie zur weiteren Zusammenarbeit verdammt. Wer die beiden einmal im Gespräch erlebt hat, spürt hinter den ständigen Frotzeleien Respekt vor dem jeweils anderen, auch wenn das nach eigenem Bekunden seine Zeit gebraucht hat. Die Kommissare Leitmayr und Batic sind ihr Schicksal geworden, aber Wachtveitl und Nemec tragen es mit Fassung und sind durchaus stolz auf den Erfolg, den sie immer noch haben. Vermutlich würden sich beide mitunter etwas mehr Aufmerksamkeit wünschen für all die anderen Dinge, die sie abseits des „Tatort“ treiben, aber sie beklagen sich nicht – das wäre dann doch ein bisschen unprofessionell.

Als die beiden anfingen, war es noch eine kleine Sensation, dass einer der Kommissare das hatte, was heute so vielsagend „Migrationshintergrund“ genannt wird. Und wenn man sich das so überlegt, kann man an den Krimis auch ablesen, was alles geschehen ist in den letzten beiden Jahrzehnten und wie sehr sich Deutschland gewandelt hat. Als Batic das erste Mal ermittelte, musste man als geborener Münchner mit deutschem (pardon: bayerischem) Abitur, aber ausländischen Eltern noch mit angereisten Gaststudenten aus aller Welt Schlange stehen, um sich als Auslandsstudent an der Universität einzuschreiben. Heute gibt es Nationalspieler, Parteivorsitzende und Stars mit ausländischen Namen.

Die Episode „Unsterblich schön“, die im November dieses Jahres zu sehen war, trägt die laufende Nummer 56.

Nicht ausschließlich das Verdienst von Batic und seinem Darsteller Nemec natürlich, aber Pionierarbeit hat der Münchner „Tatort“ sicherlich geleistet. Auch bei anderen Themen war die Krimireihe – dank des Engagements der am Mittwoch verstorbenen langjährigen Redakteurin Silvia Koller – dichter am Zeitgeist als andere. Trotzdem waren natürlich nicht alle Folgen Meisterwerke,was Wachtveitl und Nemec sofort zugeben würden. Aber es stört sie sehr, wenn eine Folge den eigenen Ansprüchen nicht genügt, und so kümmern sie sich darum, dass die Marke „Münchner Tatort“ nicht dauerhaft beschädigt wird. Sie machen kein großes Aufhebens darum, aber die Redaktion weiß, mit welchem Autor oder Regisseur Wachtveitl und Nemec lieber nicht mehr so gerne arbeiten möchten.

Eine Haltung, die sich ausgezahlt hat – außer Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe gibt es kein Ermittlerteam, das sich so lange hält. Und zudem mit Preisen regelrecht überhäuft wird. Zu Recht, einige Folgen zählen mit zum Besten, was in der Bundesrepublik über den Bildschirm geflimmert ist – zu nennen sind unter anderen „Klassenkampf“ (1994), „Frau Bu lacht“ (1995), „Kleine Diebe“ (2000) „Im freien Fall“ (2001), „Das verlorene Kind“ (2006) oder „Kleine Herzen“ (2007). Für so viel Herausragendes vergibt man dem Duo so manche etwas zu selbstverliebte oder zu ausgelassene Episode.

Traumhafte Einschaltquoten und Preise werden den 56-jährigen Nemec und den 52-jährigen Wachtveitl also weiterhin zusammenführen. Solange es abwechslungsreiche Drehbücher und interessante Ideen für Leitmayr und Batic gibt, wollen sie weitermachen. Der 57. Fall mit dem Titel „Nie wieder frei sein“ übrigens, der diesen Sonntag gezeigt wird, ist eine exzellente Episode geworden und eine würdige Jubiläumsausgabe (siehe Kasten). Man kann sich also weiter auf gute Krimis aus München freuen. Aber noch einmal 20 Jahre, da sind sich Nemec und Wachtveitl übrigens ausnahmsweise völlig einig, werden Batic und Leitmayr aber nicht mehr gegen das Böse antreten.

Der neueste Fall der Münchner Ermittler

Ihre Aussage lässt das Gericht unbeeindruckt: Melanie Bauer (Anna Maria Sturm).

Eine junge Frau ist tot, eine zweite, die Studentin Melanie Bauer (Anna Maria Sturm), nur knapp mit dem Leben davongekommen. Nun steht Markus Rapp (Shenja Lacher) vor Gericht, er soll die beiden Frauen brutal vergewaltigt und sich der leblosen Körper hinterher in abgelegenen Gegenden entledigt haben. Die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) haben eine Menge Indizien zusammengetragen. Sie sind sich sicher, dass der Angeklagte verurteilt wird. Doch zu ihrer großen Überraschung und zum Entsetzen Melanie Bauers wird Rapp freigesprochen – auch ein Ergebnis der geschickten Strategie von Verteidigerin Regina Zimmer (Lisa Wagner). Rapp triumphiert, Melanie Bauer ist mit ihren Kräften am Ende. Batic und Leitmayr müssen von vorne anfangen, um Rapp, von dessen Täterschaft sie überzeugt sind, zu überführen. Dinah Marte Golch schrieb das Drehbuch, Christian Zübert führte Regie in „Nie wieder frei sein“. In weiteren Rollen sind unter anderen Thilo Prückner, Rainer Bock und Stephan Zinner zu sehen (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr).

Von Zoran Gojic

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Babylon Berlin“: So sehen Sie die neuen Folgen heute im TV und im Stream
„Babylon Berlin“ ist ein Serien-Hit. So sehen Sie die neuen Folgen heute im TV und Stream. Hier finden sie auch den Trailer.
„Babylon Berlin“: So sehen Sie die neuen Folgen heute im TV und im Stream
"Adam sucht Eva" 2017: Diese Promi-Kandidaten hat RTL offiziell bestätigt
"Adam sucht Eva" 2017: Welche Promis ziehen sich für die hüllenlose Kuppel-Show aus? Diese prominenten Kandidaten hat RTL nun offiziell bestätigt.
"Adam sucht Eva" 2017: Diese Promi-Kandidaten hat RTL offiziell bestätigt
„The Voice of Germany“ 2017: Darum weint Yvonne Catterfeld in der ersten Folge
Ein emotionaler Start der siebten Staffel von „The Voice of Germany“ 2017. Kandidatin Lara Samira bringt Yvonne Catterfeld zum weinen.
„The Voice of Germany“ 2017: Darum weint Yvonne Catterfeld in der ersten Folge
"Adam sucht Eva" 2017: Die Sendezeiten auf RTL
"Adam sucht Eva" läuft 2017 eine Woche lang auf RTL. Hier finden Sie die Sendezeiten der neuen Folgen sowie die Termine für Start und Finale.
"Adam sucht Eva" 2017: Die Sendezeiten auf RTL

Kommentare