Jauch kritisiert ARD: "Gremien voller Gremlins"

- Hamburg - Nach dem Abbruch seiner Verhandlungen mit der ARD hat Günther Jauch den Senderverbund scharf kritisiert. "Ich sollte bei der ARD unter Aufsicht gestellt werden wie in grauer Vorzeit", sagte der 50-Jährige in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Hamburg).

Er habe sich zunehmend umzingelt gefühlt von "Gremien voller Gremlins", "Irrlichtern", "Profilneurotikern" und "Wichtigtuern". Er habe am Ende das Gefühl gehabt, "dass man mich an möglichst kurzer Leine um die Anstalt rennen lassen wollte. Jeder drittklassige Bedenkenträger schlug ein anderes Pflöckchen in den Boden". Die ARD will am 6. Februar über den Nachfolger für Talkshow-Moderatorin Sabine Christiansen entscheiden.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sagte in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel": "Fakt ist: Am 6. Februar werden wir Intendanten eine Entscheidung treffen." Es sei Sache der Fernsehdirektoren, Vorschläge zu unterbreiten. Am Dienstag gebe es in Frankfurt die Fernsehprogrammkonferenz des Senderverbunds, dort sei die Nachfolge von "Sabine Christiansen" auf die Tagesordnung genommen worden. Weiter sagte Raff: "Wir haben im Moment so eine lange Liste von Kandidaten für die Christiansen-Nachfolge, dass ich mich frage, warum wir überhaupt außerhalb gesucht haben."

Jauch, der weiter für RTL seine Shows und "Stern TV" moderieren wird, hatte am Donnerstag die Nachfolge Christiansens, die für September geplant war, abgesagt. Er habe lange auf ein gutes Ende gehofft, weil seine direkten Gesprächspartner (NDR-Intendant Jobst Plog, WDR-Chef Fritz Pleitgen, Programmdirektor Günter Struve) "Platzhirsche" seien, "die sich zur Not auch allein auf die Lichtung wagen und ihrem Rudel zeigen, wer Herr im Haus ist. Aber das nachgeordnete Niederwild reißt mit dem Hintern ein, was die Chefs mit dem Kopf gerade erst aufgebaut haben", sagte Jauch dem "Spiegel". Die Verhandlungen mit der ARD waren "der teuerste Flirt meines Lebens". Nun sei das Thema für ihn "abgehakt".

Unterdessen machten Spekulationen um Namen die Runde: Neben Frank Plasberg vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) wurden Sportexperte Gerhard Delling, "Tagesthemen"-Moderatorin Anne Will, ihr Ex-Kollege Ulrich Wickert und Sandra Maischberger genannt. Die 40 Jahre alte Talkerin wird zwar demnächst Mutter, könnte aber im Frühherbst wieder dabei sein. Die "Bild"-Zeitung berichtet, angeblich solle Reinhold Beckmann, der die ARD-Talkshow "Beckmann" moderiert, für den NDR ins Rennen geschickt werden. NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte dem Blatt: "Zu Namen nehmen wir keine Stellung." Der Norddeutsche Rundfunk ist für den Sendeplatz von Christiansens Polittalk am Sonntagabend zuständig.

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