Interview

"Jeder weiß, dass ich nichts machen kann"

Das Lottofieber steigt und steigt. An diesem Samstag wird der mit 35 Millionen Euro dritthöchste Jackpot in der deutschen Lottogeschichte ausgespielt. Die Annahmestellen verzeichnen seit Donnerstag einen wahren Ansturm an Spielern.

Auch die "Ziehung der Lottozahlen" an diesem Samstag gegen 19.50 Uhr im Ersten wird wohl eine hohe Quote erzielen. Wir sprachen mit "Lottofee" Franziska Reichenbacher (42), die seit elf Jahren die Traditionssendung moderiert.

-Ist Ihre Anspannung diesmal besonders groß?

Jede Ziehung ist vom technischen Ablauf her gleich, das heißt, auch an diesem Samstagabend muss alles perfekt funktionieren. Insofern wird sich diese Sendung nicht von anderen unterscheiden. Was anders ist, ist die Moderation. Da muss ich mir jedes Wort genau überlegen. Ich muss ja mit den Träumen und Hoffnungen, die eine so gewaltige Summe auslöst, verantwortlich umgehen.

-Wie oft kommt es vor, dass sich Millionäre hinterher bei Ihnen melden und sich bedanken?

Ganz selten. Alle Gewinner achten peinlich darauf, dass ihr Name nicht bekannt wird. Wenn ich also mal eine Postkarte bekommen habe, dann anonym.

-Keine Blumen, keine Pralinen?

Nein, gar nichts. Aber das ist ganz in Ordnung. Jeder weiß ja, dass ich überhaupt keinen Einfluss auf die Zahlen habe. Es ist nicht meine Leistung, dass ein bestimmter Lottospieler sechs Richtige hat.

-Es nimmt also auch vorher niemand Kontakt zu Ihnen auf, um Sie zu bitten, ob Sie nicht vielleicht was drehen können?

Natürlich tun das Menschen, die mich kennen, im Spaß, und in meinem persönlichen Umfeld gibt’s welche, die sagen: "Hier sind meine Zahlen, und jetzt sieh mal zu!" Aber immer mit einem Augenzwinkern. Die wissen, dass ich da nichts machen kann. (Lacht.)

-Die größten Pannen in den elf Jahren, in denen Sie als "Lottofee" amtieren?

Zum Glück gibt es so gut wie keine, und das ist auch sehr wichtig, denn es geht um viel Geld und um das Vertrauen der Zuschauer in die Seriosität der Ziehung. Es gab nur eine größere Panne, seit ich die Sendung moderiere, die betraf allerdings nicht die "6 aus 49", sondern das "Spiel 77". Vor ungefähr zehn Jahren zerbrach eine Kugel in zwei Hälften, wie ein Überraschungsei. Das war kurios. Ein Materialfehler.

-Die Maschine hat immer funktioniert?

Ja. Sie müssen bedenken, dass die Sendung Woche für Woche aufwändig geprobt wird. Das wissen viele nicht, weil sie denken, beim immer gleichen Ablauf geht alles irgendwann wie von selbst. Nun bin zwar ich immer da und auch das Ziehungsgerät und die Kugeln, aber das Team ist sehr groß, 30 bis 35 Leute, die sich da abwechseln. Und damit die jeweils perfekt zusammenarbeiten, wird jede Ausgabe der "Ziehung der Lottozahlen" mehrmals geprobt.

-Spielen Sie selbst auch Lotto?

Ja, sporadisch.

-Dieses Wochenende?

Ja, natürlich.

-Haben Sie auch schon einmal gewonnen?

Ja, ich hatte schon mal vier Richtige, das waren damals 74,90 Mark. Seitdem bemühe ich mich, diese Summe zu übertreffen. (Lacht.)

-Wenn es doch einmal sechs Richtige werden sollten - was würden Sie mit dem Geld anfangen?

Ich bin jemand, der damit ganz vernünftig umgehen würde. Ich würde wahnsinnig gerne ein schönes Haus in Frankfurt, wo ich lebe, kaufen oder bauen. Und später, wenn meine Kinder größer sind, würde ich ganz viele Reisen machen. Ich würde aber nicht aufhören zu arbeiten.

Rudolf Ogiermann

Die Geschichte der Ziehung der "Lottozahlen"

Die samstägliche "Ziehung der Lottozahlen" wurde erstmals am 4. September 1965 live im Ersten ausgestrahlt. Sie gehört damit zu den ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Verantwortlich ist von Beginn an der Hessische Rundfunk (HR). Seit dem 2. Mai 2005 befindet sich das Studio im höchsten Gebäude Frankfurts, dem 200 Meter hohen "Maintower".
Wurden zunächst nur die Zahlen "6 aus 49" und die "Superzahl" live gezogen, wird seit 1996 auch die Gewinnzahl des "Spiels 77" während der Sendung ermittelt. Die Gewinnzahlen der Lotterien "Super 6" und "Glücksspirale" werden noch vor der Ziehung in Saarbrücken und in München ausgespielt und nur noch mitgeteilt.
Sendeplatz in der ARD war zunächst für viele Jahre der späte Samstagabend gegen 22.15 Uhr. Da dieser Termin aber vom pünktlichen Ende der Samstagabendshows abhängig war, konnte es durch Überziehungen auch deutlich später werden. Am
3. April 1993 wechselte die "Ziehung der Lottozahlen" auf den Vorabend gegen 19.50 Uhr.
Erste Moderatorin war Karin Dinslage. Karin Tietze-Ludwig amtierte als "Lottofee" von 1967 bis 1998, wurde aber zeitweise durch andere Moderatorinnen vertreten. Der Satz "Der Aufsichtsbeamte hat sich vor der Ziehung vom ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes und der 49 Kugeln überzeugt" ging in die Fernsehgeschichte ein. Tietze-Ludwigs Nachfolgerin ist Franziska Reichenbacher.

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