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Der "Tatort" hat seinen ersten türkischstämmigen Kommissar: Cenk Batu .

Jenseits von Gaunerrollen und Ghettoslang

Hamburg - Der „Tatort“ hat seinen ersten türkischstämmigen Kommissar: Cenk Batu. Als verdeckter Ermittler in Hamburg spielt Mehmet Kurtulus ein wenig sich selbst: viel deutscher als alle Klischees über Zuwanderer.

Wer Mehmet Kurtulus verstehen will, sollte sich eine Szene im neuen „Tatort“ mit dem Titel „Auf der Sonnenseite“ vor Augen halten. „Ey, kannst du bitte deutsch mit mir reden“, sagt der erste türkischstämmige Verbrecherjäger darin zu einem vermeintlichen Landsmann. „Mein Türkisch ist nicht so gut“. Und warum sollte es auch – Kommissar Cenk Batu ist Deutscher. Kein gebürtiger, kein eingebürgerter womöglich, aber in seinem Wesen, der Berufsauffassung, fast allem wirkt die Rolle so hiesig wie nur irgend möglich, so deutsch wie ihr Darsteller selbst: Mehmet Kurtulus.Schließlich zog der bereits als Zweijähriger 1974 mit seiner Familie aus Usak nach Salzgitter. Und das machte ihn eher in der Westtürkei als in Niedersachsen zum Fremden. So wurde Kurtulus wie Cenk Batu im besten Sinne heimatlos, losgelöst von Erdverbundenheit und Nationalstolz. Auch deshalb besetzte man den Schauspieler vor seiner ersten Polizistenrolle gern als Figur, der so recht keine Herkunft zuzuschreiben war – etwa in Doris Dörries „Nackt“.Dass Kurtulus vornehmlich als Kleinkrimineller im kollektiven Filmgedächtnis abgespeichert ist, hat mehrere Gründe. Den allgemeinen etwa, dass Menschen mit „Migrationshintergrund“ hierzulande eben oft auf zwielichtige Rollen gebucht sind. Dazu zwei Kurtulus-Faktoren: sein großes Talent, die Wut der Straße, ihre rohen Sitten und dubiosen Gebräuche glaubhaft zum Ausdruck zu bringen. Und Fatih Akin, der Regisseur. Seit ihn sein Freund vor zehn Jahren im preisgekrönten Spielfilmdebüt „Kurz und schmerzlos“ als türkisches Gangmitglied besetzte, stieg nicht nur Kurtulus’ Bekanntheit an; er galt fortan als eisenhart und bandentauglich. Und nichts ist bekanntlich zäher als das Klischee. Dabei ist der nette Mehmet nicht vorbestraft, war in keiner Gang und geriet auch „nie an falsche Leute“, wie er beteuert. Er müsse selbst darüber lachen, wie seine Rollen das Image beeinflussen. „Eigentlich bin ich absolut handzahm.“Die ruppigen Umgangsformen, der Ghettoslang nichtdeutscher Jugendlicher, das ganze Ganovengehabe war folglich „eine unglaubliche Erarbeitungsleistung“, so nennt er es jetzt. „Dieses ,Ey Digger Alder, was geht‘ musste ich in langen Prozessen lernen.“ Um es schnellstmöglich zu verlernen, denn festlegen lassen mochte sich der zweifache Familienvater natürlich nicht.Deshalb spielt er den verdeckten Ermittler – ebenfalls ein völlig neuer „Tatort“-Typus – auch nicht so halbseiden, wie im Krimi üblich. Als Cenk Batu im Untergrund eine Scheinhinrichtung vornehmen soll, lehnt er voller Gewissensbisse ab. Er ist stets adrett gekleidet. Er verbringt seine Freizeit nicht in rauchigen Kneipen, sondern beim Fernschach mit seinem Vater.Und wer mit Kurtulus redet, der hört den alle duzenden Mittdreißiger aus dem Hamburger Szeneviertel heraus, aber auch den Gymnasiasten mit Schultheater-Erfahrung. Den Charakterdarsteller ebenso wie den Bühnenkomiker, der sich zu Beginn seiner Karriere auch nicht für leichtgängige Serien wie „SK Babies“ zu schade war. Ob seine Rolle als türkischstämmiger Kommissar zur Integration beitrage? Da zitiert er lieber den NDR: „Das tut er schon durch seine bloße Präsenz“. Aktiv dazu beitragen möchte Kurtulus nicht, denn das „höchste Maß an Integration ist die Normalität, und je mehr man sie thematisiert, desto außergewöhnlicher, besonderer, also: integrationsbedürftiger wird ihr Gegenstand.“Die Rolle als Cenk Batu betrachtet er lieber als Katalysator seiner Karriere, die ihn endlich auch mit seiner Arbeit in die einschlägigen Zeitschriften bringt und nicht nur dank seiner Liaison mit Fernsehstar Desirée Nosbusch, über die er nicht reden mag. „Denn mal ehrlich, Alter“, fügt er nun doch ein bisschen wie daheim bei Fatih in Ottensen hinzu: „ob ich Türke bin oder nicht, ist doch kein Thema!“Von Jan Freitag

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