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„Der, den ich jetzt spiele, ist noch viel schlimmer“: Jochen Busse gibt in der neuen RTL-Serie „Nicht tot zu kriegen“ einen tyrannischen Hausbesitzer. 

Interview zur RTL-Serie „Nicht tot zu kriegen“ 

Jochen Busse: „Ich wollte es mal wieder wissen“

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München -„Nicht tot zu kriegen“ heißt diese neue achtteilige Serie, die heute um 21.15 Uhr bei RTL startet. In der Hauptrolle ist Jochen Busse (76) zu sehen, der als Schauspieler beim Kölner Privatsender einst als nerviger Behördenleiter in „Das Amt“ Furore machte. 

Sein Bruder, der letzte Verwandte, tot, das Personal auf der Flucht – Helmut Kraft ist steinreich, aber plötzlich ganz allein in seiner Villa. Also holt er sich vier junge Leute ins Haus, doch schnell wird klar, dass die nicht zu einem netten älteren Herrn gezogen sind, sondern zu einem Erz-Ekel. „Nicht tot zu kriegen“ heißt diese neue achtteilige Serie, die heute um 21.15 Uhr bei RTL startet. In der Hauptrolle ist Jochen Busse (76) zu sehen, der als Schauspieler beim Kölner Privatsender einst als nerviger Behördenleiter in „Das Amt“ Furore machte. 

Sie haben sich einmal selbst als „beliebtestes Arschloch Deutschlands“ bezeichnet – in Ihrer Rolle als Tyrann in „Das Amt“. Jetzt spielen Sie wieder so einen fiesen Charakter.

Jochen Busse: Der, den ich jetzt spiele, ist noch viel schlimmer! Der Hagen Krause vom „Amt“ war ja einer, der nach oben gebuckelt und nach unten getreten hat. Meine neue Figur ist von Haus aus böse. Der freut sich, wenn er andere verletzen kann.

Was hat Sie dazu bewogen, wieder eine solche Rolle anzunehmen?

Busse: Das war ja nicht wirklich meine Entscheidung. Man hat mich gefragt, ob ich an einem Casting für diese Produktion teilnehmen will. Ich fand das Konzept spannend, ich fand die Dialoge gut, außerdem wollte ich mal wieder wissen, ob ich es noch kann.

Mit Sitcoms ist das in Deutschland ja so eine Sache...

Busse: Das Schöne an „Nicht tot zu kriegen“ ist, dass es eben keine klassische Sitcom ist, wo ein Sofa mitten im Zimmer steht, auf dem Leute sitzen und einander Witze erzählen. Solche Sofas gibt es in Amerika, aber nicht bei uns, deswegen funktioniert auch die Sitcom bei uns so gut wie nie. Was wir gemacht haben, lässt sich mit dem guten alten Wort „Lustspiel“ bezeichnen, oder – noch besser – als witziges Dramolett in mehreren Fortsetzungen.

Es war dann vermutlich nur eine Formalität, dass Sie die Rolle bekommen haben – oder?

Busse: Nein, da waren schon noch ein paar andere Kollegen angefragt, die durchaus auch nicht unbekannt sind. Ich nenne aber keine Namen.

Durften Sie beim Ausgestalten der Rolle mitreden?

Busse: Sagen wir so: Ich habe beim Lesen schon gemerkt, dass das eine oder andere ein bisschen modifiziert werden muss, und entsprechende Anregungen gegeben, die auch akzeptiert wurden. Das ist ein normaler Prozess. Für mich ist Sprache unheimlich wichtig. Ich sage beispielsweise nicht einfach „geil“, weil man das heute so sagt. Für mich hat das noch immer die ursprüngliche Bedeutung. Im Übrigen können Sie als Schauspieler eine Figur immer ein wenig da oder dort hinrücken, ohne am Buch viel verändern zu müssen.

Lustspiel hin oder her, den Kampf der Generationen gibt es auch in der Realität. Hier das Geld und die Privilegien, da die Jugend, die sich durchboxen und erst ihren Platz finden muss, buchstäblich...

Busse: Das habe ich ja selbst auch erlebt. Die älteren Kollegen haben gesagt, wo’s lang geht. Wenn man da als Junger gewagt hat zu fragen: Darf ich mal einen Vorschlag machen?, wurde man nur böse angeguckt. Es gab eine Ausnahme, das war Charles Regnier (in der ZDF-Serie „Mordkommission“; Anm. d. Red.). Der hat gute Ratschläge annehmen können, egal von wem sie kamen.

Viele aus Ihrer Generation sagen: „Die jungen Leute haben kein Benehmen mehr.“ Empfinden Sie das auch so?

Busse: Also, was die Dreharbeiten betrifft, so habe ich zwar festgestellt, dass man sich schneller duzt als früher, aber sonst? Alle im Team haben sich sehr gut benommen. Die Jugend steht vielleicht nicht mehr auf, wenn eine Dame an den Tisch kommt und gibt keinen Handkuss mehr, aber das wollen die Mädels vielleicht auch gar nicht. Dass die junge Generation Anlass zur Sorge geben soll, finde ich zu pauschal.

Nun ist das Fernsehstudio ein geschützter Raum, da wissen die Kollegen, wen sie vor sich haben. Aber im Alltag, auf der Straße?

Busse: Da gibt es schon eine gewisse Rücksichtslosigkeit, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln. In ernst zu nehmenden zwischenmenschlichen Situationen sind junge Leute meiner Meinung nach nicht brutaler als alte. Ich habe auch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen mit Migrationshintergrund gemacht. Manche sagen mir heute noch, sie hätten mit „7 Tage, 7 Köpfe“(eine satirische Talkshow bei RTL; Anm. d. Red.) Deutsch gelernt. Ich glaube an das Gute im Menschen. Ich glaube an ein friedliches Zusammenleben in Deutschland. Wenn einer andere Menschen unterdrückt, einfach weil er die Macht dazu hat, dann ist das eine Frage seines Charakters. Das ist in der Politik nicht anders als im Privaten. So gesehen ist auch „Nicht tot zu kriegen“ eine politische Sendung.

Im Ernst?

Busse: Nein, natürlich nicht!

In der Politik ist ja einiges in Bewegung. Die Rechten haben überall großen Zulauf, Autokraten von Trump über Orbán bis Erdogan erringen die Macht. Sie haben sich ja auch als Kabarettist profiliert. Reizt es Sie nicht, noch mal die Kleinkunstbühne zu erklimmen?

Busse: Nein, das Kapitel ist abgeschlossen. Ich war ja bis vor gut zwei Jahren noch unterwegs, aber diese Tingelei kostet zu viel Kraft, außerdem macht sie einsam.

Sie hätten noch etwas zu sagen, aber das Alter fordert seinen Tribut?

Busse: Na ja, es hat mir immer sehr am Herzen gelegen, die Leute zum Lachen zu bringen, aber das ist beim politischen Kabarett schwieriger geworden. Kabarettisten leben von Pointen, und die sind derzeit schwer zu finden. Hinzu kommt, dass ich ja im eigentlichen Sinne kein Kabarettist war, weil ich nie eigene Texte geschrieben habe. Ich war mehr der Spieler und hatte das Glück, mit Leuten auf der Bühne zu stehen, die auch gute Autoren waren, deshalb habe ich von deren Ruhm etwas abbekommen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Kabarettlandschaft?

Busse: Positiv! Sie sieht anders aus als zu meiner Zeit, klar. Aber jede Epoche hat ihre Moden, die von den Traditionalisten kritisch beäugt werden. Als die Münchner Lach- und Schießgesellschaft angefangen hat zu spielen, hat man auch gesagt: „Das ist aber nicht wie bei Werner Finck!“ Trotzdem war’s richtig. Und das, was die Lach- und Schießgesellschaft heute macht, ist auch wieder richtig. Die Zeiten sind vorbei, in denen man auf die Bühne gekommen ist, sich einen Hut aufgesetzt und die aktuelle Politik kritisiert hat – und wenn es dunkel wurde, war die Nummer zu Ende.

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