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Steht schon lang nicht mehr im Regen: Jörg Kachelmann startet bei Sonnenklar.TV durch.

Wetter-Experte hat einen neuen Job

Kachelmann vor TV-Comeback im Interview: „Bin friedliebender Mensch“

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München - Jörg Kachelmann wird wieder regelmäßig im Fernsehen zu sehen sein. Der Wetter-Experte spricht im Interview über seine neue Aufgabe und die Vergangenheit.

Wie wird das Wetter im Urlaub? Eine ­Frage, die sich Jahr für Jahr Millionen Reisende stellen. Die Antwort bekommen sie ab diesem Donnerstag von Jörg Kachelmann. Kachelmann? Ja, richtig gelesen. Der Meteorologe ist nach knapp sieben Jahren Abstinenz zurück im Fernsehen - beim Reiseshoppingsender Sonnenklar.TV (zu empfangen über Kabel und Satellit). Einmal im Monat wird er dort das Urlaubswetter ab 11.30 Uhr live präsentieren. Außerdem wird es eine Kooperation mit der Internetplattform kachelmannwetter.de geben, wo der tägliche Reisewetterbericht präsentiert wird. Die tz sprach mit dem Meteorologen über sein TV-Comeback, das Reisen und die Frage, was er über seinen ehemaligen Heimatsender, die ARD, heute denkt.

Herr Kachelmann, Sie erklären ab diesem Donnerstag bei Sonnenklar.TV das Wetter in verschiedenen Urlaubsregionen. Empfinden Sie das als Ihr TV-Comeback?

Jörg Kachelmann: Ich war ja seit 2010 schon öfter im Fernsehen zu Gast zu mehr oder weniger lustigen Gelegenheiten - bei Böhmermann oder Pelzig. Was das Wetter betrifft, kann man den Auftritt bei Sonnenklar.TV schon als Fernsehcomeback bezeichnen. Aber es ist nicht so, dass ich vor dieser Aufgabe vor Ehrfurcht zusammenbreche. Spannend wird, wie es den Leuten gefällt, wenn sie meine Verschrobenheit über sechs Stunden live erleben.

Wir erleben Kachelmann unplugged?

Kachelmann: Ich werde kein Geheimnis daraus machen, dass ich die Orte, zu denen ich einen Wetterbericht abgebe, noch nie gesehen habe. Mallorca, Menorca, Ibiza - kenne ich alles nicht. Ich bin beruflich viel unterwegs, privat bin ich lieber zu Hause. Aber ich bin ja auch als Wetterexperte bei Sonnenklar.TV und soll den Zuschauern keine Reisen verkaufen (lacht).

Sie haben mit Kachelmannwetter.de ­Ihre eigene Plattform im Internet. Würden Sie sich auch wieder eine größere Präsenz im Fernsehen wünschen?

Kachelmann: Es ist belustigend, mit welcher Aufmerksamkeit TV-Auftritte bedacht werden. Ich habe drei Firmen in Europa, eine in den USA und eine in Australien. Wir stehen kurz vor dem Start von unserem Wetterportal in Amerika, das am 14. Mai online gehen wird. Bei all diesen Aufgaben beschäftigt mich das Fernsehen wirklich nur zu einem ganz kleinen Teil.

Das ist nachvollziehbar. Trotzdem sind Sie ja nicht nur Meteorologe, sondern waren vor der Anklage wegen Vergewaltigung 2010 auch Talker und Moderator im ­Ersten. Vermissen Sie die Arbeit fürs Fernsehen nicht?

Kachelmann: Ich weiß nicht, ob ich es vermisse. Was mich aber stört, ist, dass die verurteilte Täterin, die mich falsch beschuldigt hat und gegen die es strafrechtliche Ermittlungen gibt, insofern Recht bekommen hat, als dass sie ein Berufsverbot für mich erwirkt hat. Eine Verbrecherin hat über meine TV-Karriere entschieden. Es war erschreckend zu sehen, dass sich die Sender mit der Täterin und nicht mit dem Opfer solidarisiert haben.

Was wäre, wenn Sie ein Angebot von Ihrem ehemaligen Haussender, der ARD, bekommen würden?

Kachelmann: Das wäre spannend. Aber ich habe keine Sorge, dass das passieren wird. Ich hab’s den Verantwortlichen natürlich auch leicht gemacht, die Verhandlungen nicht mehr aufzunehmen, indem ich sie regelmäßig kritisiert habe. Abgesehen davon bin ich ja schon so uralt (lacht). Da sind die Chancen für eine große Fernsehkarriere wohl eher gering.

Sie klingen trotz der massiven juristischen und medialen Schlacht, die Sie hinter sich haben, nicht verbittert.

Kachelmann: Das freut mich, dass Ihnen das auffällt. Nur weil ich entschieden habe, mich gegen den Schwachsinn zu wehren, der über mich geschrieben wurde, glauben viele, dass ich voller Wut und Hass bin. Unsinn! Ich war schon immer ein friedliebender Mensch, der Streit meidet und eigentlich nie laut wird. Trotzdem können die ARD-Würdenträger mit einer so selbstbewussten Haltung nicht ­umgehen. Außerdem glaube ich, dass der Einfluss von Springer und Burda, gegen die ich meine Prozesse gewonnen habe, auf die öffentlich-rechtlichen Medien größer ist, als man gemeinhin denkt.

Sie feiern nächstes Jahr Ihren 60. Geburtstag. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Kachelmann: Ich habe ein paar Narben davongetragen und viel Unschönes erlebt, um es vorsichtig zu sagen. Auf der anderen Seite bin ich Familienvater mit einer Frau und einem dreijährigen Buben. Wenn ich mit dem zusammen bin, dann sind die Themen, die mich in den vergangenen Jahren belastet haben, nicht mehr so präsent. Ich hoffe, dass ich noch ein paar gesunde Jahre habe, um meine Firmen zum Erfolg zu führen. Es war nicht leicht, noch mal bei null anzufangen. Aber ich höre nicht auf, lästig zu sein.

Interview: Astrid Kistner

Die Fakten zum Fall

Am 31. Mai 2010 wurde Jörg ­Kachelmann (heute 58) vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner damaligen Freundin Claudia D. freigesprochen – nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“. ­Kachelmann strengte im Jahr 2011 zunächst eine Unterlassungsklage gegen D. an, mit der er ihr bestimmte Äußerungen in einem Bunte-Interview verbieten ließ. Im Jahr 2012 erhob er darüber hinaus eine Schadensersatzklage gegen D. Sie solle für rund 13.000 Euro Gutachterkosten aufkommen, die ihm im Strafverfahren enststanden seien. Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte D. zur Zahlung von 7000 Euro. Die Kammer sei überzeugt, dass Claudia D. Kachelmann „vorsätzlich, wahrheitswidrig der Vergewaltigung bezichtigte“, hieß es in der Begründung.

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