Jubeln auf Kommando

"Deutschland sucht den Superstar": - Der Andrang sei so groß wie noch nie gewesen, jubelte RTL im vergangenen Sommer. Nicht weniger als 28 579 Kandidaten bewarben sich für die Castings zur vierten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) und ließen sich anschließend von Dieter Bohlen entweder hymnisch loben oder übelst beschimpfen.

In die engere Wahl gekommen sind ganze 120 Möchtegern-"Superstars", die heute und am Samstag in zwei sogenannten "Recalls" gegeneinander antreten. Ausgang offen, allerdings nur fürs Publikum. Denn -­ was der Kölner Privatsender gerne ein wenig verschleiert ­- die 20 Finalisten stehen längst fest. Nicht das einzige Ärgernis für Allan Garnelis, der jetzt gegenüber einem Internetmagazin "auspackte".

Der 29-Jährige aus dem baden-württembergischen Elzach bei Freiburg ist am Samstag dran, tatsächlich aber schon längst ausgeschieden. Bereits im Dezember wurden die "Recalls" im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin aufgezeichnet, was RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer gegenüber "Spiegel online" auch bestätigt. Erst die Finalrunden im Februar sind tatsächlich live.

Logisch, dass die Kandidaten vertraglich dazu verpflichtet wurden, Stillschweigen über Erfolg oder Misserfolg zu bewahren. Eine Vereinbarung, gegen die Garnelis nun verstoßen hat. "Wir sind natürlich enttäuscht und werden überlegen, was wir unternehmen", so Eickmeyer.

Doch Garnelis moniert noch mehr. So habe er am ersten Tag "nur vor Toningenieuren" singen müssen. Ein Vorwurf, den der Sender kühl kontert. Die dreiköpfige Jury -­ neben Bohlen die Künstlermanagerin Anja Lukaseder und der Musikmanager Heinz Henn -­ könne ja nicht alle 28 579 Teilnehmer selbst casten. Dewegen träfen Producer und Redakteure der Show eine Vorauswahl. Bei diesem Procedere seien natürlich auch Toningenieure zugegen.

Empört ist der 29-Jährige ferner über die von den "DSDS"-Machern inszenierten Gefühlsausbrüche. Wer sich übers Weiterkommen gefreut habe, habe auf Kommando nochmals jubeln müssen. "Und nochmal. Total daneben. Da kommst du dir total blöd vor." RTL-Sprecherin Eickmeyer führt dies auf "technische Probleme" zurück. Kein Verständnis hat sie dagegen für die Klage Garnelis‘ über abgefilmte Tränen nach seinem Ausscheiden: "Dass wir die Kandidaten auch beim Weinen filmen, ist bekannt. Die Emotionen gehören zur Show!"

Auch unter Klaustrophobie muss der auskunftsfreudige Ex-Kandidat bei RTL gelitten haben. Das Theater sei hermetisch abgeriegelt gewesen. Eine Securityfirma habe darauf geachtet, dass kein Kontakt zur Außenwelt zustandekomme. Für die RTL-Sprecherin Teil des Konzepts. Die Kandidaten, die am Recall teilnehmen, müssten für die Dauer der Aufzeichnung im Theater bleiben. Was nun die Leiden des jungen G. betrifft, tippt Eickmeyer auf Rache als Motiv: "Es kommt immer mal vor, dass sich enttäuschte Kandidaten negativ äußern. Sie sind traurig, dass sie nicht weitergekommen sind ­- aber natürlich liegt das nicht an ihrer Stimme, nur an RTL."

RTL, heute, um 20.15 Uhr.

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