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Die alteingesessene Lansinger Familie Kirchleitner (v.l.): Hubert ( Bernhard Ulrich), Maria ( Daniela März), Rosi ( Brigitte Walbrun) und Martin ( Hermann Giefer).

Jubiläum bei der „bayerischen Daily“

München - Beim Bayerischen Rundfunk (BR) ist man „sehr, sehr stolz“ auf Lansing und seine Bewohner. Die Vorabendserie „Dahoam is Dahoam“ hat sich als Quotengarant etabliert. Am Montag wird die 500. Folge ausgestrahlt.

Im Kopf ist Tobias Siebert, 47, längst weiter. „In groben Zügen denken wir 100 Folgen im Voraus“, sagt der Chef-Autor von „Dahoam is Dahoam“. Wenn er nun über die 500. Episode sprechen soll, die seit mehr als einem Monat im Kasten ist, muss er trotzdem nicht lange überlegen. In der Jubiläumsfolge werde ein „sehr interessanter Gast“ zu sehen sein, sagt Siebert – und lacht verstohlen. Mehr will er nicht verraten. Noch nicht.

Wir sind im Gasthof „Brunnerwirt“ in Lansing, einem urigen Dörfchen eine halbe Stunde von München entfernt. So steht es zumindest im Skript. Denn Lansing ist ein fiktives Dorf, gedreht wird auf einem alten Fabrikgelände in Dachau. Wer im Gasthof auf die Toilette will, landet in der Küche. Und wer den Baierkofener Kurier aufschlägt, die hiesige Zeitung, der liest eigentlich den Münchner Merkur – mit einer anderen Titelseite. So ist das eben beim Fernsehen.

Seit dem 8. Oktober dreht sich beim BR von montags bis donnerstags um 19.45 Uhr alles um die Familien Brunner und Kirchleitner, um Pfarrer Neuner und die Schneiderei-WG. Die „bayerische Daily“, 2007 als Experiment in Mundart gestartet, ist längst zum Quotenbringer geworden. An Spitzentagen erreicht das Bayerische Fernsehen damit einen Marktanteil von 20 Prozent im Freistaat, durchschnittlich sind es 14,4 – oder 500 000 Zuschauer.

Der Erfolg sei „selbst für uns erstaunlich“, sagt Bettina Reitz. Unter ihrer Federführung wurde „Dahoam is Dahoam“ in nur wenigen Monaten entwickelt. Heute sei man beim BR „sehr, sehr stolz“ auf die Seifenoper. Auch, weil man mittlerweile „Post aus aller Welt“ erhalte. Die Serie gebe vielen Bayern außerhalb des Freistaats „das Gefühl, ein Stück Bayern ins Ausland nachgetragen zu bekommen“, sagt Reitz. Dabei hatte es anfangs heftige Kritik gegeben. Gerhard Holz vom Förderverein Bairische Sprache hatte die „teils fehlende Beherrschung der bairischen Sprache bei einigen Darstellern“ bemängelt. Alles vergessen. Autor Siebert sagt, die Dialoge würden heute verstärkt in Mundart geschrieben, so, dass die Sätze grammatikalisch vielleicht nicht ganz einwandfrei sind, dafür aber dem bayerischen Satzbau entsprechen. Nur der eigentliche Dialekt, der müsse von den Darstellern kommen.

Überhaupt bemühe sich das 33 (!) Autoren starke Team, authentisch zu sein und das Bayerische „nicht übertrieben grell, folkloristisch oder kitschig“ zu präsentieren, heißt es beim BR. Der ruppige Landwirt hat hier ebenso seinen Platz wie die Institution Kirche in Gestalt von der Mesnerin Maria Kirchleitner, gespielt von Daniela März, 39. „Natürlich gehört eine gewisse Frömmigkeit zu Bayern dazu“, sagt sie. „Aber ich versuche, die Werte bodenständig rüberzubringen und nicht mit dem moralischen Zeigefinger.“

Doch zurück zu dem „ interessanten Gast“, der am Montag in „Dahoam is Dahoam“ auftritt. Chef-Autor Siebert hat gemerkt, dass da hinten, in dem kleinen Vorführraum, die 500. Folge längst läuft. Wolfgang Fierek, der Schauspieler und Schlagersänger, flimmert über die Leinwand. Was er da tut? „Das sehen sie dann am Montag“, sagt Siebert.

Thierry Backes

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