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"Hilfe, meine Schwester kommt" mit Jule Ronstedt (2.v.re.).

Jule Ronstedt: Doppelrolle in Leben und Film

München - Karriere und Kinder unter einen Hut bringen, den Haushalt schmeißen und eine liebenswerte Partnerin sein – am Idealbild der modernen Mutter verzweifelt so manche.

„Man ist eben nicht immer entspannt, wenn man sich um so viel gleichzeitig kümmern und an tausend Dinge denken muss, Verantwortung trägt für den Job und für zuhause“, weiß Jule Ronstedt, Schauspielerin, Regisseurin und Mutter, aus eigener Erfahrung: „Da steht man oft gewaltig unter Druck.“

Doch wer übt diesen Druck eigentlich aus? Die Männer, die Gesellschaft? „Ich glaube, eine große Portion davon machen wir uns selber“, sagt Ronstedt und lacht. „Das ist wirklich so ein Frauending. Wir fühlen uns für alles Mögliche verantwortlich, glauben, ohne uns funktioniert nichts. Aber es funktioniert – nur manchmal anders, als wir gerne hätten.“ Während viele Männer auch mal entspannt mitten im Chaos die Füße hochlegen könnten, fielen Frauen noch mindestens drei Dinge ein, die vorher erledigt werden müssen, so Ronstedt schmunzelnd: „Und wenn die erledigt sind, ist es zum Füße hochlegen oft zu spät.“

Dass das die Männer manchmal nervt, versteht die 37-jährige Münchnerin nur zu gut. „Da müssen Frauen einfach lockerer werden – und dabei schließe ich mich selbst nicht aus.“ Diese Erkenntnis wirkt so sympathisch-ehrlich, dass man sie der zierlichen Schauspielerin mit dem ansteckenden Lachen einfach abnehmen muss – im Leben wie im Film. Denn in der ARD -Komödie „Hilfe, meine Schwester kommt!“ (ARD, heute, um 20.15 Uhr) dreht sich alles genau um diesen Konflikt. Jule Ronstedt spielt in einer Doppelrolle zwei Schwestern, von denen die eine ein durchorganisiertes Leben mit Familie und Beruf führt, die andere hingegen als freischaffende Schauspielerin und ewiger Single nur sich selbst verpflichtet ist.

„Da werden zwei Lebensentwürfe aufeinander losgelassen“, beschreibt Ronstedt den Plot und gibt zu, dass sie sich anfangs viel stärker zu der kreativ-chaotischen Jenny hingezogen gefühlt habe: „Aber nach und nach merkte ich, dass mir die Figur der Luisa, die es allen recht machen möchte, aber selbst dabei zu kurz kommt, oft viel näher ist.“

So, wie sie sich selbst beim Drehen unversehens an Situationen aus dem eigenen Leben erinnert fühlte, werde auch so manche Zuschauerin Parallelen zu sich selbst entdecken, vermutet Ronstedt. Und das mache diese Komödie, die ansonsten auf dem klassischen Verwechslungsspiel von Zwillingen basiert, sehenswert: „Es gibt genug Filme, die überflüssig sind. Aber dieser hat einen Wiedererkennungswert, da wird man unterhalten und entdeckt gleichzeitig Dinge, die mitten aus dem Leben kommen. Deswegen kann man sich den wirklich gut anschauen.“

Doch nicht nur die lebensnahe Story allein, sondern auch die Tatsache, zwei Hauptrollen gleichzeitig zu übernehmen, war für Jule Ronstedt ausschlaggebend, bei dem Projekt zuzusagen. „So ein Angebot bekommt man nur einmal im Leben. Natürlich war es anstrengend, sich gleich auf zwei Figuren vorzubereiten und quasi permanent vor der Kamera zu stehen“, berichtet sie. Aber die Sache habe auch Vorteile gehabt: „Ich musste, anders als sonst bei Dreharbeiten, nie stundenlang warten.“ Außerdem konnte sie nach knapp einem Jahrzehnt wieder einmal mit ihrem Kollegen Michael Fitz arbeiten, dessen Tochter sie einst in der Serie „Aus heiterem Himmel“spielen durfte.

War es ein komisches Gefühl, nun die Rolle seiner Ehefrau zu übernehmen? „Nein, eigentlich nicht. Wir mögen uns und sind uns sehr vertraut, das macht es immer leichter, gerade wenn man ein Paar spielt.“ Lachend fügt Jule Ronstedt hinzu: „Allerdings habe ich mich spontan schon gefragt: Seh’ ich so alt aus oder hat er sich so gut gehalten?“ Eine Frage, die sich Männer so wahrscheinlich nie stellen würden. Frauen machen es sich manchmal wirklich nicht leicht . . .

Von Melanie Brandl

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