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Vier Mal war sie schon für einen Hauptrollen-Oscar nominiert. Wird 2015 das Jahr, in dem Julianne Moore die begehrteste Auszeichnung der Filmbranche endlich bekommt?

Oscar-Anwärterin im Interview

Moore: "Hollywood ist eine gefährliche Branche"

Los Angeles - Sie gilt als heißeste Oscar-Anwärterin für die beste weibliche Hauptrolle: Julianne Moore (54). Im Interview spricht die US-Schauspielerin über Alzheimer, das Älterwerden in Hollywood und ihre Familie.

Drei Golden Globes hat sie gewonnen, einen Critic's Choice Award, zwei Screen Actors Guilld (Hollywoods Schauspieler-Gewerkschaft) Awards, einen BAFTA Award (alias Briten-Oscars) sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen. Nur die Academy Awards (alias echte Oscars) waren für die US-Schauspielerin bisher Fehlanzeige. Vier Mal war die 54-Jährige schon nominiert, aber diesmal kann man eine Bank auf ihren Sieg setzen. Was nichts daran ändert, dass Moore genauso aufgeregt ist wie vor 18 Jahren, als sie sich das erste Mal (für „Boogie Nights“) Hoffnung auf die höchste Auszeichnung des Showbusiness machen konnte.

Eigentlich müsste das Ganze doch Routine für Sie sein.

JM: Nein, niemals! Egal wie lange man schon im Geschäft ist und wie oft man ausgezeichnet wurde, diese Ehre ist ein Big Deal! Eine echt riesige Sache für mich. Ich schwebe auf Wolke 7.

Können Sie schon verraten, in welchem Designer-Kleid Sie über den roten Teppich schweben werden?

JM: Nein, da müssen Sie sich überraschen lassen. Ich entscheide mich oft erst sehr spät. Es kommt auf das Gefühl an.

In „Still Alice“ spielen Sie eine Frau, die schon in zu jungen Jahren Alzheimers bekommt. Wie gut ist Ihr eigenes Gedächtnis?

JM: Als ich jünger war, wusste ich immer, wo ich meine Schlüssel gelassen hatte oder um wie viel Uhr ein Film anfing. Heute vergesse ich schon mal das Eine oder Andere. Doch das ist normal. Ich habe als Rollenstudium sogar einen Alzheimers-Test gemacht. Zu meiner Beruhigung war alles im grünen Bereich.

Sie haben es in Hollywoods A-Liste geschafft. Was glauben Sie ist schlimmer: Nie ganz berühmt geworden zu sein oder seine Berühmtheit verloren zu haben?

JM: Das ist eine sehr interessante Frage! Nach meiner Beobachtung ist es traumatisch für einst bekannte Schauspieler, wenn sich plötzlich keiner mehr interessiert. Man kann nicht mehr das tun, was man am liebt. Das zerstört ein Stück deiner Seele.

Darüber müssen Sie sich ja keine Sorgen machen.

JM: Scherzen Sie? Keiner in unserer Branche ist dagegen immun, plötzlich keine Rollen mehr zu bekommen. Auch ich nicht. Ständig denke ich an Kollegen, die unheimlich talentiert sind, aber nicht mehr auf der Leinwand zu sehen sind. Deshalb ist es wichtig, das man nicht sein ganzes Leben davon abhängig macht, im Film Erfolg zu haben. Viele von uns bauen sich deshalb nebenbei auch ein zweites Standbein auf.

So wie Sie als Autorin von Kinderbüchern.

JM: Ja, ich habe vier Bücher herausgebracht. Drei aus der „Freckleface Strawberry“-Serie und eines über meine Kindheit. Wie es war, mit einer Mutter aufzuwachsen, die aus einem anderen Land stammt. Meine Mama kam aus Schottland. Es gibt auch schon zwei „Freckleface Strawberry“-Apps. Mit der einen können Kids auf kreative Weise Matheprobleme lösen, mit der anderen süße Monster zeichnen.

Sie leben in New York, nicht in Hollywood. Warum?

JM: New York ist mein Zuhause geworden. Außerdem ist der Medienrummel um einen dort nicht so groß. Natürlich tauchen manchmal Paparazzi auf, wenn du es am wenigsten erwartest. Aber alles im allem haben meine Familie und ich das Glück, ein relativ normales Leben führen zu dürfen.

Es heißt über Hollywood, dass dort Oberflächlichkeit und Egoismus regiert. Haben Sie das auch festgestellt?

JM: Hollywood ist eine gefährliche Branche - so wie alle Branchen, in der Äußerlichkeiten regieren. Aber ich liebe meinen Job. Als Schauspielerin habe ich das Glück, in andere Personen schlüpfen zu können und das Leben aus anderen Sichtwinkeln zu sehen. Aber mein persönliches Glücksgefühl hängt nicht von meinem Arbeitsleben ab.

Wichtiger ist...

JM:…meine Familie natürlich. Mein Leben mit meinen Mann Bart und meinen Kindern in unserem Haus mit Hund. Dort fühl ich mich richtig glücklich. Was zählt ist, dass mein Sohn Caleb grade superhappy mit seiner Freundin ist und dass meine Tochter Liv ihre neue Schule mag. Natürlich ist es für mich gut, Arbeit zu haben. Freud hat gesagt, dass du arbeiten und lieben musst – ich habe die perfekte Balance gefunden.

Wer gibt bei Ihnen zu Hause eigentlich den Ton an?

JM: Haha. Mein Mann scherzt immer, dass ich die Präsidentin der Familie bin und er als Manager für Entertainment und Nahrungsbeschaffung zuständig sein darf. Aber im Ernst, ich bin halt gut in Organisation. Als meine Tochter in ihre neue Schule gekommen ist, hat sie am ersten Tag gemerkt, dass ihr Spanisch schlechter war als das ihrer Klassenkameraden. Ich habe noch in der Nacht Emails an Nachhilfelehrer geschrieben und am nächsten Morgen um 5.30 einen engagiert.

Haben Stars für solche Sachen nicht persönliche Assistenten?

JM: Ich habe auch eine Assistentin. Sie arbeitet schon seit neun Jahren für mich und fungiert nebenher auch als Babysitter. Sie ist superschlau, kompetent und vertrauenswürdig. Doch das heißt nicht, dass ich ihr Sachen auftrage, die ich besser selbst erledigen kann.

Altern ist in Hollywood immer ein großes Thema. Für Sie auch?

JM: Wissen Sie, viele wollen verhindern, älter zu werden. Sie versuchen mit allen Mitteln, jung zu bleiben. Wieso ist es denn so schlimm, in Würde zu altern? Ich sehe es als Gewinn an Lebenserfahrung und nicht als Verlust an Jugend an.

Aber wer wünscht sich nicht, noch einmal 21 zu sein...

JM: Um Himmels Willen! Nein! Früher hatte ich immer das Gefühl, eine gute Party zu verpassen und bin auf jede möglichen gerannt. Heute will ich nur noch zu Hause bei meiner Familie sein, weil das besser ist als jedes Event. In meinen Zwanzigern hätte ich nie geahnt, wie wundervoll es ist, Ehefrau und Mutter. Man lernt sich erst richtig kennen, wenn man reifer wird.

Ihr Aussehen kann es ohne Probleme mit dem von Frauen aufnehmen, die 20 Jahre jünger sind aufnehmen. Verraten Sie uns das Geheimnis.

JM: Gene und gesunder Lebensstil. Ich versuche so gut es geht, unnötige Kohlenhydrate wie Brot und Pasta wegzulassen und hauptsächlich Früchte und Gemüse zu essen. Natürlich gibt es immer mal Momente, in denen ich schwach werde (lacht).

Lesen Sie eigentlich das, was über Sie geschrieben wird?

JM: Nein. Und selbst wenn ich mal etwas mitbekomme, kann ich es einordnen. Ich nehme es nicht persönlich und sage mir „So steigern die halt ihre Auflage“.

Sind Sie bei Social Media aktiv?

JM: Dazu bin ich zu alt (lacht). Ich finde die Internet-Kultur schon interessant, mache aber einen Bogen um sie. Ich habe mal meine eigene Facebook-Seite gehabt. Für eine Minute. Denn stellte ich fest: Ich hasse es! Ich mag diese ganzen Selfies nicht. Ich habe auch meiner Tochter Liv verboten, ein Instagram-Konto einzurichten. Sie ist mit 12 einfach noch zu jung dafür und kann die Konsequenzen nicht einschätzen.

Sindermann

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