+
Mariechen (r., Volker Heißmann) und Waltraud (Martin Rassau) ist das Lachen vergangen: Sie wurden betrogen.

Von Betrüger abgezockt

Kabarett-Paar Waltraud und Mariechen um halbe Million Euro betrogen

  • schließen

Ungeheuerlich: Die fränkischen Star-Komödianten Volker Heißmann und Martin Rassau, alias „Waltraud und Mariechen“, sind um eine halbe Millionen Euro betrogen worden. 

Fürth - Schock für Waltraud und Mariechen! Die fränkischen Star-Komödianten Volker Heißmann (48, das Mariechen) und Martin Rassau (50, die Waltraud) sind mit ihrer Comödie Fürth einer Betrügerin auf den Leim gegangen! Die Mitarbeiterin hat zwischen 2010 und 2015 insgesamt 500.000 Euro unterschlagen.

Eine Sprecherin der Anklage begründete die Tat mit „übermäßiger Konsumlust“ der Angeklagten, die ihre Taten eingeräumt und ein Schuldanerkenntnis unterschrieben hat – und mittlerweile laut nordbayern.de auch ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Klinik verbrachte. Als der Betrug aufgeflogen war, ließ sie sich freiwillig einweisen.

Täterin war enge Bekannte

Die Täterin hatte bei Frankenticket im Kartenvorverkauf gearbeitet, sagt Rassau, und war für die beiden „Seniorinnen“ alles andere als eine Unbekannte: Sie stammt aus dem engsten Familienkreis der Betreiber der Comödie Fürth, zu denen neben dem fränkischen Duo auch Marcel Gasde – vor Jahrzehnten Sketchpartner von Heißmann – und Michael Urban gehören. Als „unvorstellbar“ bezeichnet Rassau die Taten der engen Bekannten, wie er im Interview sagt (siehe Text unten).

War man zu blauäugig? Bei Rassau klingen schon Zweifel durch, ob man nicht einfach blind vertraut habe. „Aber es zog sich über viele Jahre hin, das waren nie große Beträge auf einmal“, sagt er. Fest steht: Die Beschuldigte hat regelmäßig Kontoauszüge gefälscht, um Gelder auf ihr eigenes Konto abzuzwacken. Um dann im großen Stil im Internet zu shoppen – zum Beispiel Kleidung und Schuhe. Fast täglich lieferte der Paketdienst die Ware ins Haus.

Comödie kann schadlos weiterlaufen

Dieses Haus gibt es übrigens mittlerweile nicht mehr – zumindest nicht mehr für den Gesellschafter (der tz liegt der Name vor), der das Gebäude verkauft hat, um die Schulden abzubauen, und zudem einen Kredit aufgenommen hat. So kann der Betrieb der Comödie schadlos weiterlaufen.

Ein psychiatrisches Gutachten soll jetzt klären, ob die Betrügerin unter Kaufsucht oder einer anderen seelischen Erkrankung leidet. Das Leid, das sie den Betreibern zufügte, wird damit wohl kaum gelindert. Rückblickend ist man immer klüger. So wunderten sich Heißmann und Rassau einst, dass es zu Hause bei der Täterin immer aussah wie in einem Katalog von Schöner Wohnen…

Martin Rassau: „Es kotzt einen an“

Herr Rassau, bei allem Schock und aller Dramatik des Betrugs: Gehört das Ereignis nicht irgendwie auch auf die Bühne?

Martin Rassau: Nein, das Stück nicht, und die Frau gehört in den Knast. So, wie es aussieht und was die Staatsanwaltschaft so verlauten lässt, wird sie bei der Schwere des Vergehens wohl einrücken müssen. Aber das muss natürlich das Gericht entscheiden.

Was ging in Ihrem Kopf vor, als Sie vom Betrug erfahren haben?

Rassau: Ich war völlig fassungslos, sprachlos – unvorstellbar, das Ganze. Es kotzt einen an. Es war ja nicht irgendeine Mitarbeiterin, sondern eine sehr nahe Verwandte eines unserer Betreiber-Kollegen. Wir haben früher zusammen ein Glas Wein getrunken, sie hat uns ins Gesicht gelacht – und dabei schon jahrelang Geld unterschlagen. Sie war für uns eine Vertrauensperson, eben auch, weil sie aus der Verwandtschaft unseres Kollegen kam.

Wie ist das Verhältnis zu dem Kollegen heute, mit dem Sie ja schon lange befreundet sind?

Rassau: Ihn trifft keine Schuld. Und auch, wenn der Betrug ein Loch gerissen hat, wurde und wird der Geschäftsbetrieb nicht beeinflusst. Wir sind nicht so geschädigt, dass es nicht weitergehen könnte. Ein Teil ist mittlerweile bezahlt. Es bringt ja nichts, in Schockstarre zu verharren. Es muss weitergehen. Gerade müsste ich eigentlich an meiner Premiere heute Abend ­schreiben… Aber ich komme derzeit zu nichts, jetzt kommen die ganzen Anrufe – und irgendwie gewöhnt man sich schon fast wieder an diesen Zustand.

Wie erklären Sie sich den jahrelangen Betrug im großen Stil?

Rassau: Die Frau hat über Jahre Unterlagen gefälscht, da muss schon eine große kriminelle Energie dahinterstecken. Sie arbeitete bei einer Tochter von Frankenticket, die unseren Vorverkauf abwickelt. Hier sammeln sich die Summen an, und hier hat sie als Buchhalterin Zugriff auf die Zahlen gehabt – und den Betrug geschickt getarnt. Es war also kein Griff in die Bargeldkasse. Und da es immer nur kleine Beträge waren, haben wir’s nicht mitbekommen.

Comödie Fürth

Nahe des Fürther Hauptbahnhofs wurde von 1904 bis 1906 dieser Jugendstilbau errichtet – als Volksbildungsstätte. Das „Berolzheimerianum“, benannt nach einer Stiftung des Unternehmers Heinrich Berolzheimer (1836 – 1906), steht unter Denkmalschutz und wurde vor 19 Jahren komplett renoviert. Die Auftraggeber waren die heutigen Bespieler der Comödie, die hier Einzug gehalten hat. Neben dem Franken-Duo Volker Heißmann (Mariechen) und Martin Rassau (Waltraud) sind das Marcel Gasde und Michael Urban – allesamt alte Spezl. Der Große Saal im Obergeschoss fasst 380 Zuschauer, der „Lachsalon“ im Erdgeschoss ca. 80.

Lesen Sie auch unseren Bericht: 10 Jahre „Schwabinger Schaumschläger“: Wir wollen keine Comedy sehen!

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayerischer Rundfunk übernimmt 2018 den ARD-Vorsitz
Der Senderverbund hat einstimmig beschlossen, dass der Bayerische Rundfunk im Jahr 2018 den Vorsitz der ARD übernehmen wird - zuletzt hatte der BR diesen 2005/2006 inne.
Bayerischer Rundfunk übernimmt 2018 den ARD-Vorsitz
Wird dieser Weltmeister Scholl-Nachfolger bei der ARD?
Nach der Trennung von Mehmet Scholl ist die ARD auf der Suche nach einem oder mehreren TV-Experten für die Fußball-WM 2018. Ein Weltmeister scheint Favorit zu sein, ein …
Wird dieser Weltmeister Scholl-Nachfolger bei der ARD?
Castingshow „MasterChef“ startet neue Staffel mit Nelson Müller
Die zweite Staffel von „MasterChef“ hat 24 Folgen mit jeweils 50 Minuten und startet am Montag nach der Bundestagswahl mit Neuzugang Nelson Müller in der Jury.
Castingshow „MasterChef“ startet neue Staffel mit Nelson Müller
Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“
Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“ wird eingestellt.
Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“

Kommentare