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Auch seine Frau kommt zu Wort

Kachelmann-Buch: Eine notwendige Abrechnung?

Das Buch ist neu, doch die Botschaft alt: Jörg Kachelmann rechnet ab – mit Justiz und Medien. Er beschreibt, was nach seiner Verhaftung „hinter den Kulissen“ geschah. Seine Frau Miriam, die Co-Autorin, kommentiert kräftig mit. Aber: Ist das alles nötig?

Eigentlich weiß er ja, was die Leute denken: „Oje, nicht schon wieder, werden Sie sagen. Nicht schon wieder der Kachelmann.“ Jörg Kachelmann, 54, schreibt das selbst – gleich im Vorwort seines Buches „Recht und Gerechtigkeit“. Und eigentlich könnte er an dieser Stelle aufhören zu schreiben. Doch das macht er nicht. Denn er glaubt auch, er habe viel zu erzählen – wohlgemerkt: viel Neues. Ein Irrtum. Zumindest, was dieses Buch angeht.

Urteil im Fall Kachelmann: Die Stationen des Prozesses

Urteil im Fall Kachelmann: Die Stationen des Prozesses

Kachelmann, einst beliebter ARD-Wettermoderator, hat sein Buch nur aus einem Grund geschrieben: um abzurechnen. Mit der Justiz und mit den Medien. Das hatte er schon im Juni 2011 angekündigt – nach seinem Freispruch, nach dem monatelangen Prozess, wo er wegen Vergewaltigung vor Gericht stand. „Mich erpresst niemand mehr“, sagte er damals der Zeit. Das Problem: Der Informationsgehalt seines Buches geht kaum über dieses Interview hinaus – dabei hat das Buch knapp 400 Seiten. Seiten, auf denen von „großer Frustration“ die Rede ist, von „lauter Lügen“, von „geballtem Schwachsinn“ und „Gutachterkriegsgeheul“.

Alles schon gehabt.

Wirklich neue Gedanken sucht man jedenfalls vergeblich. Sogar in den fünf Unterkapiteln, die alle „Miriams Sicht“ heißen – verfasst von Kachelmanns Frau Miriam. Die ist 26, Psychologiestudentin und „Gemahlinnenzeugin“ für ihren Mann. Sie sei immer bei ihm, schreibt Kachelmann, damit „die kriminellen Frauen von 2010/2011 keine zweite Chance bekommen“.

Miriam und Jörg Kachelmann finden, Justiz und Medien seien schuld daran, dass jemand zu Unrecht wegen Vergewaltigung angeklagt wird. Deshalb kündigen sie in ihrem Buch an, ein Netzwerk zu gründen – sie wollen verhindern, dass Unschuldige verurteilt werden.

Das ist ehrenwert, zweifelsohne. Das hätten die beiden aber auch ohne dieses fragwürdige Buch publik machen können. Im letzten Kapitel schreiben sie, ihr Leben sei „noch nicht viel ruhiger geworden“ – und dass sie in schwachen Momenten sogar darüber nachgedacht hätten, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Wollten sie aber letztlich doch nicht.

Der Gerechtigkeit wegen? Oder vor allem deshalb, um im Gespräch zu bleiben?

Barbara Nazarewska

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