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So kannte man ihn: Karl Moik mit seiner typischen Geste und einem fröhlichen Lachen. Spott über sein Musikantenstadl? Meisterte er souverän.

Nachruf

Der „Stadl“-Baumeister: So war Karl Moik

München - Karl Moik und sein Musikantenstadl - das gehörte einfach zusammen. Nun ist der Moderator mit 76 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Eine Reise durch sein Leben.

Wenn am Samstagabend im Ersten „Stadlzeit“ ist, machen es sich die Fans, zumeist Ältere, auf dem Sofa bequem, alle anderen zappen binnen Sekunden weg. Das war schon unter Karl Moik so, einst Erfinder der Sendung und einer der Väter der sogenannten volkstümlichen Musik im Fernsehen. Doch Moik ließ sich von der Kritik an der schunkelseligen Spießigkeit, die man dem Format stets vorwarf und bis heute vorwirft, nicht beirren. Er wusste um die Wirkung, die der „Musikantenstadl“ auf sein Publikum hatte – ein bisschen heile Welt in die Wohnzimmer zu bringen, in denen Menschen Sorgen hatten, unter Krankheit oder Einsamkeit litten. Ende 2005 gab Moik – nicht ganz freiwillig – die Moderation des „Stadl“ an Andy Borg ab, gestern ist er nach langer Krankheit im Alter von 76 Jahren in Salzburg gestorben.

Mit dem unerschütterlichem Optimismus, den die volkstümliche Musik – zumindest nach außen – ausstrahlt, hatte die Kindheit und Jugend Karl Moiks nicht viel zu tun. Geboren am 19. Juni 1938 im oberösterreichischen Linz, wuchs er als Kind einer alleinerziehenden Mutter in Hallein im Bundesland Salzburg auf. Seinen Vater lernte er erst im Alter von fünf Jahren kennen. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Werkzeugmacher, später verdiente er sein Geld als Handelsvertreter. Doch früh zog es ihn auf die Bühne, nebenher tingelte er mit der dreiköpfigen Formation Jolly Austrians durch die Lande, auch als Interpret volkstümlicher Schlager versuchte er sich.

Credo von Moik: "Mit Musik überwindet man Grenzen"

Im Jahr 1973 verpflichtete ihn der Österreichische Rundfunk (ORF) als Radiomoderator. Die „Volkstümliche Hitparade“, die er dort präsentierte, war bereits der Prototyp der Fernsehsendung „Musikantenstadl“, mit der Moik 1981 ins ORF-Fernsehen wechselte. Nur zwei Jahre später war die Sendung – als Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) – auch in Deutschland zu sehen. Anfangs nur im Bayerischen Fernsehen, seit 1986 im Ersten, am Samstagabend.

Beschränkte man sich bei den Schauplätzen zunächst auf den deutschsprachigen (Alpen-)Raum, wurde die Show seit Mitte der Achtzigerjahre immer internationaler. Das Credo des Moderators, „Mit Musik überwindet man Grenzen“, ließ die Unterhaltungssendung immer wieder zum völkerverbindenden Ereignis werden. Mit sicherem Instinkt für den richtigen Moment fuhr Moik mit dem „Stadl“ Ende 1989, kurz nach dem Mauerfall, nach Cottbus in der damaligen DDR.

Weitere Reisen führten unter anderem ins australische Melbourne, nach Kapstadt in Südafrika, in die chinesische Hauptstadt Peking sowie nach Dubai. Das Treffen mit dem damaligen südafrikanischen Staatspräsidenten Nelson Mandela sei die „mit Abstand schönste, ergreifendste Begegnung“ gewesen, erinnerte sich Moik später.

Spott über Musikantenstadl - Moik blieb immer souverän

Dem leiseren oder lauteren Spott über seine Sendung begegnete der „Musikantenstadl“-Baumeister meist souverän, lud 2001 sogar Enfant terrible Stefan Raab in seine Sendung ein, nachdem dieser das Lied „Der Karl, der Karl der Moik Moik Moik, der raucht das schärfste Zeug Zeug Zeug“ geschrieben hatte. Anlass war ein angeblicher Drogenfund auf der Künstlertoilette des „Stadl“ bei einem Gastspiel in Passau.

Ging es ums große Ganze, konnte die Stimmung aber auch einmal kippen. „Freunde in diesem Sinn gibt’s nicht“, so Moik vor einigen Jahren in einem Interview mit unserer Zeitung über die Zunft der Volksmusikanten, „höchstens gute Bekannte. Und ich glaube, es ist in all den Jahren noch ein wenig unmenschlicher geworden.“

Auch mit seiner Ablösung durch ORF und BR nach 143 Ausgaben haderte Moik lange und verriet jedem, der es hören wollte, dass er sich die Sendung nicht mehr anschaue. Das Angebot, an der Jubiläumsausgabe zum 30. Geburtstag des Formats im schweizerischen Fribourg teilzunehmen, lehnte er im Jahr 2011 ab. „Dieses Jubiläum gehört in dem Land gefeiert, in dem der ,Musikantenstadl‘ geboren wurde“, schäumte Moik und griff zugleich seinen Ex-Haussender an. Niemand aus der Chefetage habe sich nach dem Ende seines Engagements bei ihm gemeldet, man habe ihn einfach „links liegenlassen“.

Moik erlitt vor gut einem Jahr einen schweren Herzinfarkt

Nach seinem Abschied als Moderator trat Moik hier und da als Schauspieler in Erscheinung, unter anderem in der Komödie „Das Musikhotel am Wolfgangsee“. Bereits im Jahr 2000 war er im Münchner „Tatort“ als Gerichtsmediziner zu sehen gewesen. In den letzten Jahren hatte Moik immer wieder gesundheitliche Probleme. Am Tag nach seiner Abschiedssendung an Silvester 2005 stellten Ärzte Symptome eines leichten Schlaganfalls fest, vor gut einem Jahr erlitt er einen schweren Herzinfarkt, von dem er sich nicht mehr erholte. Zuletzt war Moik, seit mehr als 50 Jahren mit Ehefrau Edith verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, mit sich im Reinen: „Das Leben, das ich gelebt habe, dazu bräuchten andere vier oder fünf Leben.

Rudolf Ogiermann

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