"Karl Valentin war zu anspruchsvoll"

München - Wenn sich am 9. Februar 2008 zum 60. Mal der Todestag Karl Valentins jährt, wird Jo Baiers ARD-Produktion über Karl Valentin und Liesl Karlstadt noch nicht komplett fertig sein. Die Dreharbeiten haben vor wenigen Tagen begonnen. Einen zweiten Jahrestag findet Baier als möglichen Ausstrahlungstermin ohnehin viel valentinesker - es ist der 126. Geburtstag des Künstlers am 4. Juni 2008. Ein Gespräch mit dem Regisseur über die Dreharbeiten.

Ihr Film trägt den Arbeitstitel "Karl Valentin und Liesl Karlstadt". Legen Sie den Schwerpunkt also auf die gemeinsame Biografie der Künstler?

Ja, es ist die Geschichte der beiden ab dem Moment, wo sie sich kennenlernen. Liesl Karlstadt wird darin gleichwertig neben Karl Valentin sein. Der ist außerdem als Person leichter zu greifen über Liesl Karlstadt, die ganz handfest war und mit beiden Beinen im Leben stand. Sie ist ja zu ihrer Zeit nicht angemessen wahrgenommen worden, ihr Anteil an diesem Künstlerpaar wurde übersehen.

Wussten Sie von vornherein, wer die beiden Hauptfiguren spielen soll, oder gab es ein breit angelegtes Casting?

Die Karlstadt wird im Alter von 18 bis 60 Jahren gezeigt, das geht mit nur einer Schauspielerin nicht. Schnell klar war, dass sie bis Mitte 30 von Hannah Herzsprung gespielt wird, weil sie alle Voraussetzungen mitbringt: Sie spricht Bairisch, hat eine optische Ähnlichkeit mit ihr und ist eine hervorragende Schauspielerin. Genauso klar war Bettina Redlich als ältere Frau. Wenn man die Augen zumacht, hört man die Karlstadt. Schwieriger war es mit Valentin. Wir haben viel ausprobiert, jeder wusste einen passenden Schauspieler. Er muss ja eine psychologisch schwierige Persönlichkeit darstellen. Erst vor zwei Wochen ist unsere Entscheidung auf Johannes Herrschmann gefallen. Ich hatte ihn bereits im Kopf, da ich ihn auch im Metropol-Theater als Valentin gesehen hatte.

Geht das denn, Auftrittskünstler von diesem Kaliber zu spielen, ohne sie radikal kleiner zu machen?

Der Film soll beweisen, dass es geht. Wir tun es natürlich mit aller Ehrerbietung und Wertschätzung. Wir stellen die beiden nur dar, ohne zu behaupten, sie sind es. Die Bühnenauftritte machen im Film außerdem nur einen kleinen Teil aus. Es ist die Geschichte einer Liebesbeziehung. Was waren das für Menschen? Viele wissen nicht, dass Karlstadt einen Selbstmordversuch unternommen hat und es eine Trennung von Valentin gab.

Was ist Ihre Theorie, warum sich München stets so schwer getan hat mit Valentin?

Er war zu anspruchsvoll. Weiß Ferdl war leichter verdaulich. Valentin war nicht krachert oder das, was man heute Comedy nennt. Seine Komik hatte Tragik, etwas Verdüstertes, Verzweifeltes. Er sprach auch eher die Intellektuellen an, einfache Bürger taten sich schwer. Und dabei war er selbst gar kein Intellektueller. Während der Kriegswirren konnten die Leute außerdem eine traurige Komik kaum mehr ertragen.

Das Problem wäre dann also nicht München-spezifisch?

Natürlich gilt der Philosoph nichts im eigenen Lande. Aber für viele einfache Leute war das, was er darstellte, nicht komisch, sondern normal. Sie sahen nicht die Komik dahinter. Es interessierte sich nur eine Minderheit für Valentin.

Es gibt ja Anzeichen, dass sich München um Valentin künftig mehr bemüht.

Es könnte nicht schaden, dass sich die Stadt mal wieder ihres großen Sohnes bewusst wird. Sie hat sich in der Vergangenheit sehr schofel verhalten. Dabei war Valentin ein leidenschaftlicher Münchner, für ihn war Planegg, wo er bis zu seinem Tod 1948 lebte, schon Ausland.

Wie haben Sie sich die Vielfalt und Kleinteiligkeit des Werkes der beiden erschlossen?

Ich beschäftige mich mit Valentin bereits seit meiner Studienzeit. 1982 habe ich bereits eine Dokumentation über ihn gedreht und damals noch lebende Zeitzeugen befragt, etwa Valentins Bühnenpartnerin Anne-Marie Fischer und Liesl Karlstadts Schwester. Außerdem hat mich Valentin von Kindheit an begleitet, seinen sarkastischen, bitterbösen Humor fand ich spannend. Karlstadt habe ich damals als Mutter in der Radioserie "Familie Brandl" kennengelernt. Die Details musste ich mir also nicht erst erobern.

Haben Sie dennoch etwas Neues entdeckt?

Mir ist die Qualität noch deutlicher geworden, mit der er seine Arbeiten gezeigt und ausgestaltet hat. Die Perfektion und das Timing bis in kleine Gesten hinein. Die Filme mit ihm sind nur ein rudimentärer Abklatsch seiner wirklichen Kunst. Das liegt auch daran, dass er mit dem Regisseur Erich Engel nicht klarkam. Er war ja ein Stegreifspieler. Max Ophüls hat das besser gehandhabt.

Das Gespräch führte Christine Diller.

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