Karoline Herfurth: "Ich fühle mich erst jetzt als DDR-Kind"

München - Schon zur Schulzeit wurde Karoline Herfurth von einem Talentscout entdeckt. Das war 1995, und seitdem hat die 23-jährige Berlinerin eine beachtliche Karriere hingelegt. Nach einigen harmlos-netten deutschen Fernsehfilmen fiel sie in Buket Alakus' "Eine andere Liga" und als Mirabellenmädchen in "Das Parfüm" erstmals einer großen Öffentlichkeit auf.

Trotzdem konnte sie bisher noch "vollkommen unerkannt durch Berlin laufen". Das dürfte sich dieses Jahr ändern. Am Sonntag zeigt das ZDF um 20.15 Uhr "Das Wunder von Berlin". Und im Sommer laufen sowohl Caroline Links "Im Winter ein Jahr" als auch Stephen Daldrys Verfilmung des Bestsellers "Der Vorleser" von Bernhard Schlink an. Jeweils mit Karoline Herfurths maßgeblicher Beteiligung.

Die Schauspielerin über ihre Rolle in dem ZDF-Fernsehfilm "Das Wunder von Berlin"

Ein eher braves, unauffälliges Mädchen verliebt sich in einen Punk . . .

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an, was bei der Liebesgeschichte von Anja und Marco sicher eine Rolle spielt. Außerdem hat sie keine Eltern mehr, ist im Waisenhaus aufgewachsen und fühlte sich deswegen immer als Außenseiterin. Deswegen übt der rebellische Marco eine enorme Faszination aus. Als sie sich dann näher kennenlernen, begeistert sie aber auch sein intaktes, behütetes Elternhaus, was Anja schnell als ihre eigene Familie empfindet.

Anja ist eine sehr spröde, introvertierte Figur. Wie nähert man sich einer solchen Rolle an?

Ich habe mich viel mit dem Lebensgefühl beschäftigt, das damals in der DDR herrschte. Auf diese Weise wollte ich diesem sehr wortkargen Mädchen näher kommen, als es allein durch das Drehbuch möglich war. Ich sehe Anja als eine unglaublich lebenshungrige Person, die gerne ihren Spaß hat. Parallel dazu aber Werte wie Treue und familiären Zusammenhalt ganz hoch hält, gerade weil ihre Kindheit von anderen Konstanten bestimmt wurde.

Sie sind 1984 in Ost-Berlin geboren. Haben Sie frühkindliche Erinnerungen an die DDR oder den Mauerfall?

Ich muss gestehen, dass ich von damals aus eigener Erfahrung kaum noch etwas weiß. An die ersten vier bis fünf Lebensjahre kann man sich ja nur dunkel erinnern. Ich weiß aber noch, wie die DDR aussah. Wie die Spielplätze gestaltet waren beispielsweise. Die waren alle ähnlich. Das politische Umfeld habe ich aber gar nicht wahrgenommen. Nicht einmal die Mauer. Erinnern kann ich mich nur noch daran, dass meine Eltern mir immer erklärten, wie böse die Mauer sei und dass dadurch Familien auseinander gerissen wurden.

Auf die Anja haben Sie sich also genauso vorbereitet wie auf eine Figur aus der Renaissance oder dem Mittelalter?

Ja. Aber eher wie auf eine Figur aus dem Zweiten Weltkrieg. Aber ich hatte dabei das Gefühl, dass diese Rolle sehr viel mit meiner eigenen, unmittelbaren Vergangenheit zu tun hat. Aber letztlich musste ich genauso den Habitus und die Verhaltensregeln pauken wie für einen anderen historischen Stoff.

Verändert sich durch eine solche Rolle das Verhältnis zur eigenen Familie, die diese Zeit bewusst miterlebt hat?

Die detaillierten Gespräche über die Vergangenheit bringen mir auf jeden Fall meine Eltern und Großeltern näher. Seitdem fühle ich mich eigentlich erst so richtig als DDR-Kind. Weil man das Gefühl hat, dort sozialisiert worden zu sein. Es ist sicherlich schwer, da heute noch einen großen Unterschied auszumachen, aber der Alltag erschien und erscheint mir heute auch noch aus den Erzählungen als einfacher. Man kauft nicht, was man möchte, sondern was man kriegen kann. Man musste kreativ sein, um Mängel auszugleichen. Das sind Erinnerungen, die in die Rolle der Anja schon auch eingeflossen sind.

Auch weil die Zeitzeugen, die genau wissen, wie es war, alle noch am Leben sind?

Das spielt eine große Rolle, natürlich. Wenn ich eine historische Figur spiele, stelle ich mich automatisch in eine Verantwortung und verpflichte mich, die Rolle so genau wie möglich an der damaligen Wirklichkeit auszurichten. Im Fall der DDR gibt es noch sehr viele Menschen, die genau beurteilen können, ob eine Person auch tatsächlich plausibel ist, ob sie sich wirklich in einer bestimmten Situation so verhalten hätte. Das war mir sehr wichtig.

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