Auf die Katze musste sie verzichten

- Fast ein Vierteljahrhundert nach ihrem sensationellen Debüt in "Die flambierte Frau" wird Schauspielerin Gudrun Landgrebe nun verbrannt -­ als Hexe in der ProSieben-Märchenparodie "Hänsel und Gretel", versteht sich. Soeben beendete der Münchner Privatsender die Produktion einer dritten Staffel der populär gewordenen Reihe, "weil die Resonanz auf die ersten Folgen gewaltig war", wie es am Drehort in Prag hieß.

Ausgestrahlt werden sollen die neuen Folgen ab März nächsten Jahres. In "Hänsel und Gretel" ist außer Landgrebe auch Janin Reinhardt ("Lotta in Love") zu sehen.

"In der Parodie sind die Geschwister frech wie Max und Moritz", meint die Gretel-Darstellerin, die der Hexe wie in der Vorlage der Gebrüder Grimm den entscheidenden Stoß in den Ofen versetzt. Entstanden ist der Film in einer ehemaligen Fabrik in Prag-Vysocany, in der einst Lokomotiven gebaut wurden. Jetzt steht in der elf Meter hohen Industrieruine eine Hütte mit dunkelbraunen Lebkuchenatrappen sowie ein Zaun aus Lutscher- und Zuckerstangenimitaten. Vervollständigt wird die Kulisse von einem künstlichen Wald aus knorrigen Laubbäumen.

"Das ist schon bewundernswerte Handarbeit", lobt Landgrebe die Produkte der Prager Requisitenbauer. "Dreharbeiten in Tschechien sind zwar nicht mehr so billig wie früher, aber wir bekommen fürs gleiche Geld noch immer mehr Kulissen und Leute", meint ein Mitarbeiter der Produktion. Einige Tricks kommen allerdings aus dem Computer. So wirken die Brillengläser der Hexe nicht zufällig wie Fernseher - tatsächlich kann sie damit Verborgenes erkennen. Diese Szenen werden im Nachhinein in den Film montiert. Ihr Kostüm finde sie außerordentlich hübsch, meint Landgrebe, deren Gesicht zwei falsche Warzen schmücken: "Gerne hätte ich noch eine schwarze Katze auf der Schulter gehabt. Schade."

Neben Reinhardt spielt Komiker Axel Stein ("Axel!") ihren Bruder Hänsel und Tilo Prückner ("Adelheid und ihre Mörder", "Tatort") deren Vater. "Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er seine Kinder in eine Besserungsanstalt schickt", beschreibt Prückner seine Rolle. Niemand ahnt zunächst, dass "Frau Gutkind", die das in einem Bilderbuchwald stehende Kinderhaus "Pfefferkuchen" betreibt, eine Hexe ist. Bis Hänsel und Gretel obsiegen, bietet Regisseur Erik Haffner eine Menge Klamauk und Kalauer, wie bei bisherigen Parodien, etwa "Rotkäppchen ­ Wege zum Glück". Der erste der bislang acht ausgestrahlten Filme brachte Pro Sieben mit durchschnittlich 5,39 Millionen Zuschauern eine nahezu märchenhafte Quote.

"Für mich ist ein solcher Film auch eine Erholung von ernsteren Stoffen", sagt Landgrebe, die 1983 in Robert van Ackerens Sozialdrama "Die flambierte Frau" neben Mathieu Carrière den Durchbruch schaffte. "Ich habe immer gerne in Märchen gespielt und sehe das überhaupt nicht als minderwertigeres Genre", betont sie. Prückner stimmt dem zu: "Ich komme ja vom Kindertheater und habe lange vor dem Boom gewusst, dass Märchen auch etwas fürs Kino sind."

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