ARD und ZDF kehren zur Vierschanzentournee zurück

Oberstdorf - Als die öffentlich-rechtlichen Sender im Dezember 1999 letztmals die Vierschanzentournee übertrugen, schwammen Deutschlands Skispringer noch auf einer Welle des Erfolges.

Martin Schmitt gewann damals das Auftaktspringen in Oberstdorf, Sven Hannawald wurde Vierter. Acht Jahre später erleben ARD und ZDF ihr Comeback bei der Traditionsveranstaltung unter sportlich ungleich schwierigeren Bedingungen. Die deutschen Athleten verkörpern nur noch Mittelmaß, der dank Schmitt und Hannawald entfachte Boom ist längst Geschichte.

RTL, dessen Übertragungen seit 2000 in der Spitze bis zu 15 Millionen Menschen verfolgten, hat das Feld in diesem Jahr daher freiwillig geräumt und sich den Rückzug vom Deutschen Skiverband (DSV) mit einer Abfindung in Höhe von sechs Millionen Euro versüßen lassen. "Skispringen ist kein Thema von allgemeinem Interesse mehr", erklärte RTL-Sportchef Manfred Loppe.

Dennoch setzen die Verantwortlichen bei ARD und ZDF weiter auf die Marke Skispringen. "Natürlich werden wir nicht die Quoten haben wie zu den Glanzzeiten von Schmitt und Hannawald. Aber wir sind trotzdem erwartungsfroh, denn Skispringen hatte im Vorjahr trotz ausbleibender Erfolge die höchsten Quoten nach Biathlon. Da ist einfach ein Basis- Potenzial vorhanden", sagte ARD-Teamchef Harald Dietz.

Das Erste geht mit Dieter Thoma als Experte an den Start und überträgt die Wettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen (1. Januar) sowie Innsbruck (4. Januar). "Das Neujahrsspringen war immer ein Selbstläufer. Die Tournee ist ohnehin ein Highlight. Wir sind froh, wieder übertragen zu können", meinte Dietz.

Im Zweiten wird neben Jens Weißflog auch Hannawald die Springen in Oberstdorf (30. Dezember) und Bischofshofen (6. Januar) analysieren. "Wir sind sehr froh, dass wir ihn dafür gewinnen konnten. Er hat ja eine markante persönliche und sportliche Geschichte", sagte ZDF- Teamchef Peter Kaadtmann. Auch er sieht ein großes Zuschauer- Potenzial. "Skispringen ist immer noch sehr beliebt. Und die Vierschanzentournee hat einen ähnlichen Stellenwert wie Wimbledon oder die Tour de France", erklärte Kaadtmann.

Die Zuschauer werden wenig vom Sender-Wechsel merken. "Wir werden optisch und technisch an das anknüpfen, was war. RTL hat ja keine schlechte Arbeit gemacht. Wir werden hier und da eine andere Ausrichtung haben, eine etwas sportlichere Übertragung anbieten", kündigte Kaadtmann an. Das ZDF hat 28 Kameras im Einsatz, darunter erstmals eine Highmotion-Kamera für bis zu 1000 Bilder pro Sekunde. Bei der ARD sind es 34 Kameras, darunter eine 360-Grad-Kamera am Schanzentisch, mit deren Hilfe der Absprung von allen Seiten analysiert werden kann.

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